Nach dem Te Araroa in Neuseeland folgt nun:

>> Der Pacific Crest Trail 2022 <<

Mit 60 auf einen der bekanntesten und gefährlichsten
Weitwanderwege Amerikas


12.Januar 2022

Alle Startplätze für dieses Jahr sind vergeben. Knapp über 500 Wanderer sind nobo (north bound), immerhin 10 wandern in die entgegengesetzte Richtung (south bound, sobo). Beginnend Anfang März bis zu meinem Starttermin werden rund 110 Wanderer vor mir aufbrechen. Die meisten brechen nach mir auf, nur ganz wenige starten erst Ende Mai bis Anfang Juni, denn dann ist der Zeitraum bis zum Wintereinbruch an der Kanadischen Grenze sehr kurz. Meine Startgruppe am 5.4. besteht aus fünf Männern und zwei Frauen (Texas 2x, England 2x, Canada, Wiesbaden und mich -zwischen 33 und 60 Jahre). Vor uns starten 11 Mitwanderer am Tag vorher und 8 nach uns auf die 1000 km durch die Wüste Californiens.

06. Januar 2022

Das Neue Jahr hat begonnen und damit steigt die Spannung noch mehr. Nach der zweiwöchigen Fernwanderung auf dem GR 249 in Südspanien bin ich so oft es ging zu meinem Arbeitsplatz gelaufen (hin und zurück knapp 20 km). Derzeit bedeutet das mehr noch wie sonst eine Wanderung bei Dunkelheit - es ist eben Winter und die Stirnlampe hat ihren Test bisher perfekt bestanden.
Der häufige Regen und die dadurch aufgeweichten Wege haben mich ein wenig zweifeln lassen, ob der im Moment favorisierte Schuh wirklich der geeignete ist. Da werde ich eventuell noch ein paar Testrunden drehen müssen.

Um festzustellen, ob meine bei der Kleidung angewandte Zwiebeltaktik auch beim Schlafsack klappt, habe ich die vergangene Nacht im Freien übernachtet. Die Kombination aus zwei Ultraleicht-Schlafsäcken (Radical ULX und ULZ) ermöglicht eine flexible Anpassung an die wechselnden Verhältnisse auf dem PCT. Kalte Füsse gab es aber trotz der wohlig-warmen Daunenfüllung. Doch das kommt wohl eher davon, dass der Sprung aus dem Schlafen im immer warmen Haus hinaus in eine Frostnacht eben sehr krass ist.

Neben der Ausrüstung hinsichtlich Kleidung, Zelt und Schlafsack versuche ich auch ein Optimum zu finden bei den Ausrüstungsgegenständen, die heute irgendwie doch auch als notwendig angesehen werden müssen: Kamera, Stativ, Powerbank, Handy, eventuell ein Satelliten-Notrufgerät. Alles will mit Strom versorgt werden - was abseits einer Steckdose in der nächsten Wand herausfordernd sein kann. In den nächsten Wochen möchte ich dazu - wie bereits auf dem Te Araroa Fernwanderweg in Neuseeland vewendet - eine ultraleichte Solarpanel-Kombination ausprobieren.

Meine gesamte Ausrüstung soll nur 4,5-5kg wiegen, denn ich will und muss nochmals 4-5 kg Platz haben für Lebensmittel und Wasser. Und mehr wie 10 kg bei Strecken von bis zu 35-40 km an einem Tag will ich mir nicht zutrauen und zumuten. Da kommt es also auf jedes Gramm an - man wird zum Grammfuchser dabei ;-)


19. November 2021

Das Permit, die Erlaubnis zum Wandern auf dem PCT, ist nun bestätigt. Von der Seite her steht dem Abenteuer nichts mehr im Weg!


15. Dezember 2021

Auch die Langzeitaufenthaltserlaubnis durch die Botschaft liegt vor :-)

09. November 2021
Das Permit, die Erlaubnis, den PCT zu erwandern, ist gewonnen und der Termin liegt fest:
>> Start ist am 05. April 2022 <<
Die Flüge wurden noch am selben Abend gebucht. Was noch aussteht ist das Gespräch vor Ort in der Ständigen Vertretung der USA in Frankfurt - die lassen eben nicht jeden rein ;-)

August 2021
Es ist so weit, die Entscheidung ist gefallen. Das nächste Weitwanderprojekt ist gefunden.


Eine Idee entsteht

Die Corona Pandemie hat anderthalb Jahre lang mein Leben bestimmt. Immer in Bereitschaft, viel geleistet und eine ganze Menge Überstunden erbracht. Da dachte ich vor ein paar Wochen intensiv nach, fühlte in mich hinein, versuchte mir einen Überblick über meine Gesundheit zu machen. Dabei stellte ich fest, dass ich ein großes Stück nach hinten gefallen bin. Will sagen, meine Kondition zeigte enorme Defizite und auch mental war eine Grenze erreicht: die Geschehnisse der vergangenen Monate hatten mich sehr gefordert.

Doch nun rückte ein Traum in den Fokus meiner Gedanken.

Seit das Weitwandern einen festen Platz in meiner Freizeitgestaltung eingenommen hat, träume ich davon, einmal im Leben nach Amerika zu reisen und einen dieser drei ganz großen Trails zu gehen.

Eine verrückte Idee, ein Traum eben.....aber manche Träume können auch wahr werden! Selbst mit 60 Jahren!

Nun hat diese üble Pandemie auf schicksalhafte Weise diesen Traum in greifbare Nähe gerückt. Ich kann es selbst noch kaum glauben aber doch, es ist so. Mein Antrag für auf eine 6monatige Auszeit wurde genehmigt. So darf ich Urlaub und Überzeit in einer Kombination von reduzierter Arbeitszeit dafür verwenden, meinen Traum zu realisieren. Also geht es im April 2022 für 6 Monate nach Amerika. Noch genauer, denn auch diese Entscheidung ist getroffen: Es wird der 4265 Kilometer lange Pacific Crest Trail, kurz PCT genannt. Offiziell Pacific Crest National Scenic Trail.

Er durchquert an der Westküste der USA auf seiner Länge die Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Washington. Also von der Mexikanischen Grenze bis nach Kanada hinauf. Durch Wüstengebiete, ausgedehnte Wälder und durch Gebirge hindurch.Der PCT gilt als der gefährlichste der drei großen Fernwanderwege in den USA und dementsprechend sind es nur etwa 3500 Menschen pro Jahr, die den Versuch wagen, ihn komplett zu gehen - ankommen tun nur wenige Hundert.
(Die drei Königswege werden auch "Triple Crown" Wege genannt: der Appalachian Trail mit 3.500 km Länge, der Continental Divide Trail mit 5000 km Länge und der Pacific Crest Trail mit 4265 km)

Ich freue mich sehr und habe nun, wie für alles Beste in meinem Leben, wieder einmal 9 Monate Zeit, mich darauf vorzubereiten :-).

Vorfreude ist ein wichtiger Bestandteil einer jeden Reise. Ich hoffe, viele von Euch begleiten mich bei diesem großen Vorhaben.

Andrea, 08.2021

(Hintergrundinformationen: Die Saison für den PCT beginnt etwa im April, wenn es in der Mojave-Würste im Südteil des Fernwanderwegs noch nicht so heiß ist. Dann ist auch die Durchquerung der High Sierra (bis 4000 m Höhe)  sicherer, weil es nicht mehr so winterlich ist. Bis September muß man die 4300 km geschafft haben, denn dann beginnt es an der Grenze zu Canada wieder zu winterlich zu werden. Die allermeisten Wanderer laufen vom Southern Terminus Monument bei Campo/CA nach Norden zum Northern Terminus Monument in Manning Park/BC. Das Durchschnittalter der Wanderer liegt bei unter 35 Jahren. Nur 5% aller Wanderer sind 60 und älter - ich werde 2022 also zu den 5% gehören.

Wie bei allen Fernwanderwegen ist man auch auf dem PCT sehr häufig fernab jeder Siedlung und muß alles, was man benötigt, mit sich tragen. Kalte Nächte, große Hitze am Tag, Schmerzen und immer wieder auch der Gedanke, aufgeben zu wollen sind Herausforderungen. Tagelange Regenfälle, Schnee in der High Sierra oder Feuersbrünste in den Sommermonaten sind nicht ungewöhnlich.
Wer es schafft, jeden Wandertag 8 Stunden durchzulaufen, hat eine Chance, ans Ziel zu kommen. Dabei darf man nicht leichtfertig sagen, es sind bei 150 Wandertagen "nur" 30 km pro Tag, denn diesen Schnitt schafft man bei weitem nicht in jedem Gelände. Bäche und Flüsse müssen gequert werden, steile Berghänge erklommen werden - immer sind es insgesamt 120.000 Höhenmeter. Auch ein nicht angekommenes Versorgungspaket am nächsten Postdepot kann einen zurückwerfen oder eben eine Verletzung, die erst ausheilen muß.
Karten für den Fernwanderweg gibt es für das GPS-Handy u.a. hier: https://atlasguides.com/pacific-crest-trail-map/

An Kosten für den PCT geht man incl. Flug, Visum und Permits von etwa 5.000-6.000 EUR aus, doch auch das variiert natürlich individuell.)

Der Link zum Trail:
https://www.pcta.org/

Eine Warnung vor dem Trail fasst das Leiden und die Faszination zusammen, die monatelanges Wandern mit sich bringt:
Der Trail wird dich nie wieder loslassen. Du wirst ihn verfluchen, weil er dich körperlich und mental an die Grenzen führt. Und du wirst dich verlieben in die Schönheit seiner Berge, Wüsten, Wälder und Gletscher, in das Gefühl absoluter Freiheit.

Tipps für die Vorbereitung von Thruhikern - vor allem für solche, die nicht schon erhebliche Fernwander-Erfahrung haben

Wer vorhat, einen der drei großen Königsfernwanderwege in den USA zu durchwandern, darf durchaus auf die Erfahrungen der Trail Thruwalker (also diejenigen, die den Trail bereits in einem Rutsch durchmarschiert sind) vertrauen. Denn sie haben monatelang Zeit gehabt, das persönliche Optimum an Komfort, Notwendigem und Lebensnotwendigem heraus zu finden.

Hier ein paar Tipps von denen, die schon einen oder mehrere der "Königs-Wege" durchwandert haben:

Tipp 1: Wie bereite ich mich körperlich am besten auf den PCT vor?

Ist die beste Methode, in das Sportstudio zu gehen und seine Muskeln durch Gewichte stemmen zu stärken? Oder an der Rudermaschine Ausdauer zu trainieren?

Nein, es ist viel simpler und erheblich effizienter, denn um seinen Körper auf wochen- und monatelange Wanderungen vorzubereiten ist es am besten….raus zu gehen und zu wandern! Nichts führt deinen Körper besser heran an die Strapazen und Herausforderungen einer so langen Wanderung wie Wandern. Dazu solltest du jede Gelegenheit nutzen. Jede!

Eine Alternative zum Wandern in der Natur kann sein, seine Muskeln im Studio aufzubauen und sie durch Walking zu trainieren, ihre wichtigste Aufgabe zuverlässig zu übernehmen. Sie sind Energie- und Wasserspeicher!
Ausserdem wird durch angepasstes Rückentraining der Rücken stabil und kräftig für das dauerhafte Tragen des Rucksacks.

Tipp 2: Wie bereite ich mich mental am besten auf den PCT vor?

Eine sehr kurze Fassung der Erfahrung von erfolgreichen Thruwalkern ist „Lerne mit dem Leiden zu leben“. Denn es wird Rückschläge geben, Fehlentscheidungen werden dich Kraft kosten. Auf dem Trail wird es kalt sein, die Moskitos werden einen auffressen, man wird schmutzig sein und nach Schweiß riechen, Schmerzen haben, womöglich verletzt sein, man wird Durst haben und ständig Hunger.
Wann immer die Möglichkeit besteht, geh rausgehen und wandere. Besonders dann, wenn es regnet oder Schnee fällt oder es brütend warm ist! Nur so lernt man sich selbst und seine Grenzen kennen. Lernt, dass man zum Beispiel tagelang ständig nass durch Regen wandern kann. Denn es wird mehr als einmal richtig unbequem werden auf dem Trail!
Das Ziel dieses mentalen Trainings ist es, sich selbst unter widrigen Umständen zusammenreißen zu können und durchzuhalten – eben mit „dem Leiden zu leben“ und die glücklichen, schönen Momente noch mehr zu genießen. Es ist ein Training so wie bei den Muskeln – jedoch wird deine mentale Stärke trainiert. Damit die körperlichen und seelischen Belastungen des Trails nicht zum zusätzlichen Stress werden.

Tipp 3: Kenne deine Ausrüstung!

Kenne jeden einzelnen Bestandteil deiner Ausrüstung. Baue das Zelt mehrmals auf, schlaf darin, prüfe die Haltbarkeit, denn du wirst es oft aufbauen auf dem Trail. Benutze den Kocher, übe das Navigieren, teste den Schlafsack und vor allem auch den Rucksack. Lerne die Stärken und Schwächen deiner Ausrüstung kennen und verändere sie so, dass es für dich optimal ist. Nur, wenn du deine Ausrüstung kennst, vermeidest du, Dinge mitzunehmen, die nicht so funktionieren, wie du dir das vorgestellt hattest. Denn auf dem Trail wirst du dich auf deine Ausrüstung verlassen können müssen.

Tipp 4: Finde heraus, was du wirklich brauchst!

Nach der ersten Woche werfen sehr viele Wanderer etliche Dinge aus ihrem Rucksack raus, von denen sie meinten, dass sie superwichtig sein. Die ersten Wegstationen an den Trails berichten von diesem Ausmisten. Reduziere die Sachen so weit wie möglich, denn du wirst sie monatelang mit dir herumtragen. Es ist erstaunlich, wie wenig man tatsächlich benötigt, wenn man so lange wandert. (Und was man versehentlich mal nicht dabeihat, kann man höchstwahrscheinlich in der nächsten Stadt nachkaufen.)

Das Ziel ist also, schon beim Training für die Fernwanderung herauszufinden, was man später auf dem Trail wirklich benötigt und das nur vermeintlich Wichtige gar nicht erst einzupacken.

Tipp 5: Habe Spaß und erhalte ihn dir!

Erhalte dir die Freude am Wandern und denke nicht zu viel nach über die noch kommenden Kilometer und Wochen. Erinnere dich, warum du auf diesem wunderbaren Trip bist (und schreibe dir es am Besten vor Reiseantritt auf). Sieh die fantastische Natur, die Kameradschaft unter den Thruhikern, die Hilfsbereitschaft der Trail Angels und habe….Spaß!

Bleib positiv gestimmt und gib Gedanken ans Aufgeben oder die quälende Frage, warum du dir das hier überhaupt gibst, keinen Raum. Es bedeutet nur zusätzlichen Stress, der dich schwächt. Genieße die glücklichen Momente, habe Spaß und bewahre ihn dir für die Momente, an denen es einem zum Heulen zumute ist.

Mein Lauftraining

Meine persönlichen Erfahrungen mit den Vorbereitungen auf solche entbehrungsreichen, aber auch unendlich bereichernden Zeiten habe ich 2012 auf dem berühmtesten spanischen Jakobsweg gesammelt. In den Monaten zuvor habe ich ein intensives Lauftraining absolviert, so dass ich die 1000 Km schließlich in 19 Tagen laufen konnte (52 km/Tag im Schnitt). Dieser Ultradistanzlauf zeigt auf, was mit einer systematischen Vorbereitung möglich ist - damlas mit 50 und dieses Mal mit 60.

Hier geht es zu den Erfahrungen mit meinem damaligen Lauftraining: Den Rest laufe ich....


Ein neues Abenteuer ist vorüber:
Zwei Wochen Island im kühlen Juni 2021

Ursprünglich war eine dreiwöchige Tour mit einem Minicamper im Mai geplant. Aber dann kam doch Corona dazwischen. Die Epidemie erreichte auch die Johannes-Diakonie und jede helfende Hand wurde dringend benötigt. Deswegen habe ich dieses Abenteuer abgesagt und war da, wo Hilfe unabdingbar war.

Ab dem 9. Juni war ich dann doch zwei Wochen wandernd und reisend in Island unterwegs. Zwei Wochen eine ganz andere Landschaft um mich herum, ein ganz anderes Leben erlebt, zwei Wochen grosse Freiheit genossen. Allerdings trübten dauerhaft schlechtes, kühles Wetter und die fehlende Möglichkeit, in das Hochland zu fahren, etwas die Freude. Doch es war nicht das letzte Mal, denn einer der Hochlandfernwanderwege ist das nächste Ziel neben der Idee, zum Annapurna zu reisen.

Wer mehr wissen will:

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In der Idee leben heißt, das Unmögliche behandeln, wie wenn es möglich wäre!

Johann Wolfgang von Goethe

 

Deutschland Hilft Spendenaktion PCT Andrea 2022






Hier erscheint bald meine Spendenaktion. Denn nicht nur ich soll etwas von der Wanderung haben. Weltweit gibt es viele Menschen, die zunehmend von Katastrophen wie Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürmen bedroht sind und unverschuldet in Not geraten. Für diese Menschen möchte ich Spenden sammeln und damit einen kleinen Beitrag zur Linderung der Not weltweit leisten.

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