Von Snoqualmie zum Harts Pass und schließlich wieder zurückDurch Washington von Snoqualmie zum Harts Pass


Wandertagebuch PCT - September 2022


Rückblick 1 - der PCT ist gefährlich!

Ein Freund machte mich darauf aufmerksam, dass in keinem der Filme und auf keinem der Fotos die Gefährlichkeit des Pacific Crest Trails so richtig raus kommt. Dabei gilt der PCT als einer der gefährlichsten Weitwanderwege. Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung: Wenn es gefährlich wurde, habe ich nicht gefilmt oder fotografiert, sondern mich auf den Weg konzentriert. Denn auch jetzt im Rückblick kann ich mich an keine Weitwanderung erinnern, die so viele Gefahren beinhaltete wie der PCT. Noch nicht einmal der durch den katastrophalen Sommer so anspruchsvolle Te Araroa in Neuseeland oder die verregnete Querung der Lofoten.

Ich kann die Aussage über den PCT daher nur bestätigen: Es ging sehr oft rechts oder links oder auf beiden Seiten tief hinab, der Weg war oft steil, rutschig und wenn auch immer gut ausgetreten nicht ungefährlich. Und in den Schneegebieten kann der PCT sowieso von Jahr zu Jahr ganz unterschiedlich sein - das Jahr 2022 war für die meisten PCT´ler ein eher freundliches Jahr und es kam meines Wissens keiner durch einen Sturz ums Leben.

Früher erschien mir die USA immer als "zu groß, zu erschlagend in seiner Vielfalt und Größe". Deswegen wollte ich nicht dort hin. Doch fünfeinhalb Monate zu Fuß auf dem PCT hat Amerika kleiner gemacht. Die Welt für den Hiker schrumpft zusammen auf das Tägliche, den kleinen Raum um ihn herum und die wenigen Bedürfnisse, die es gilt zu befriedigen. Dabei bleibt die Landschaft weit und offen. Das große Amerika wird einem so in kleinen, täglichen Happen serviert, die viel leichter zu überschauen sind.

Eine recht klare Trennung würde ich ziehen zwischen den jungen Leuten, die den PCT manchmal sogar recht unbedarft als "großes Abenteuer" angehen. Die mangelnde Lebenserfahrung und der junge Körper gleichen aus, was ihnen vielleicht an anderer Stelle fehlt. Auf jeden Fall gab es viel, viel mehr Wandergruppen (Trail Families) bei den jungen Hikern. Und ihr Ziel war oft eher der nächste gemeinsame Abend, der nächste Resupply in einer Stadt, das nächste Abenteuer. Wobei 2022 nahezu die gesamte Zeit die Waldbrandgefahr-Warnung auf "rot" stand, was abendliche Lagerfeuerrunden auf ein absolutes Minimum reduzierte. Und wer dennoch draussen aushielt, der wurde spätestens nach der High Sierra und in Oregon von den Mosquitos abends in die Zelte getrieben.
Die älteren Hiker waren überwiegend eher alleine unterwegs und man traf sich eben eventuell abends im gleichen Campground. Wobei sich die Erfahrungen mit der Trailfamily genauso wie das Verhältnis zum Wanderweg insgesamt über die Wochen und Monate wandelt. Was anfangs noch störte, beeinträchtigte oder unangenehm war, verliert überwiegend mit zunehmender Zeit seine Bedeutung. Auch weil Gewohnheiten aus dem eigenen Alltagsleben mehr und mehr in den Hintergrund treten.

Ohne vorheriges Training hätte ich die Wanderung jedoch nicht geschafft. Selbst mit meiner mehrjährigen Erfahrung auf Weitwanderwegen ist der PCT nochmals eine andere Klasse, die einfach körperlische und mentale Fitness erfordert, die nicht durch ein paar "Tageswanderungen am Wochenende" zu erreichen ist. Denn darauf zu hoffen, dass der Trainingseffekt sich in den ersten Wochen des PCT ergibt, ist in meinem Alter eher Selbstüberschätzung. Mal sehen, ob es noch eine weitere Nichtamerikanerin in diesem Jahr in meiner Altersgruppe geschafft hat, den PCT durchzuwandern -  die Liste der Thruhiker ist hier zu finden:
https://www.pcta.org/discover-the-trail/thru-hiking-long-distance-hiking/2600-miler-list/

5. Oktober 2022 - Noch nicht wirklich wieder im Alltag angekommen

Ihr kennt das ja alle gewiss: Man kommt aus seinem ein-, zwei- oder gar dreiwöchigen Urlaub zurück und hat viel erlebt. Doch sehr schnell wird im Alltag klar: Im Alltag hat sich nichts Wesentliches geändert. Man meint, da müsse doch auch "zu Hause" oder in "der Firma" sich was getan haben, aber dort ist der Alltag halt einfach weiter gegangen.

Nach sechs Monaten ist das natürlich schon etwas anders. Die Änderungen sind zum Teil nicht nur marginal, sondern schon bewusst wahrnehmbar. Dennoch....es ist fast gruselig, wie schnell sich "Alltag" wieder einschleicht. Die Heizung muckt mal wieder, das Auto springt erfreulicherweise sofort wieder an (dank einer freundlichen Seele, die während meiner Abwesenheit sich um das Haus gekümmert hat), der Kühlschrank ist nach der ersten Einkaufsrunde wieder gefüllt und ich war sogar schon wieder bei der Diakonie - ein neues Programm erlernen, bevor mein Dienst wirklich wieder beginnt. Aber der Rhythmus des PCT steckt noch im Unterbewusstsein und der "Überfluß" hier ist noch ungewohnt im Vergleich zu dem absoluten Minimum, das man auf dem Trail dabei und zur Verfügung hatte.

Meinen Geburtstag habe ich im Kreise der Familie gefeiert und da habe ich schon gemerkt, dass es gut tat, wieder zurück zu sein. So schön die Ferne ist, aber dieser eine Punkt, an dem man weiß, dass er wirklich "zu Hause" bedeutet, ist halt auch schön.

Hier sind noch zwei kleine Filme - von den Wanderungen am Howe Sound und den letzten Tagen in Vancouver. Irgendwann im Winter werde ich dann anfangen, einen Vortrag zu erstellen über die PCT-Class 2022....meine Erlebnsse auf dem PCT zusammen mit allen anderen Wanderen im Jahre 2022. Denn nächstes Jahr wird es die PCT-Class 2023 gewiss wieder geben und ich werde ....leider.... nicht dabei sein können.


30. September 2022 - Wieder zu Hause

Nach ingesamt 14 Stunden Flug und Aufenthalte bin ich wieder in Frankfurt gelandet. Der Hitch, der mich von dort nach Wiesloch brachte, war ein sehr willkommener - und ein herzlicher obendrein.

Nun bin ich nach einer leckeren Mahlzeit schließlich in Schönbrunn angekommen und freue mich - zugegebenermaßen - auf mein Bett. Das war doch insgesamt anstrengend und richtig schlafen konnte ich im Flieger nicht.

So geht nun für mich das große Abenteuer Pacific Crest Trail 2022 zunächst zu Ende. Allerdings werde ich in den nächsten Tagen und Wochen sehr viel zu erzählen haben. Und damit kommen die Erinnerungen an die Strapazen, die Höhepunkte, die Zweifel, die Schmerzen und die einmaligen Momente, Sonnenuntergänge und einsame Zeltplätze garantiert das ein oder andere Mal wieder ganz intensiv empor.

29. September 2022 - Die letzten Bilder aus Vancouver und heute dann Flughafen

Leider hat es nicht geklappt. der Rucksack ging dieses Mal nicht als Handgepäck durch - die Wanderstöcke wollte ich deswegen aber nicht zurück lassen. Jetzt hoffe ich nur, sie finden bei dem einstündigen Aufenthalt in Toronto den richtigen Weg ins Flugzeug nach Lissabon. Dort haben sie immerhin drei Stunden Zeit, meinen wertvollen, mit Erinnerungsstücken vollen Rucksack nach Frankfurt zu verbringen. Mein älterer Sohn holt mich dann ab und morgen werde ich dann hoffentlich glücklich und gesund wieder in Schönbrunn landen.

Leider ist der Flieger echt voll und ich sitze als Leichtgewicht zwischen zwei Schwergewichten eingeklemmt.

26. September 2022 - Squamish und zuletzt nun wieder Vancouver

Die letzten Tage waren nochmals angefüllt mit ein paar Touren. Tagestouren nur und auch zu Zielen, die viele Touristen ebenfalls gewählt haben. Aber nach den Monaten der Einsamkeit - denn unter Tage sind die meisten Hiker eher für sich unterwegs, denn jeder hat einen anderen Rhythmus - ist das okay für mich.
Von der Porteau Cove hatte ich ja die Wahl, entweder mit Michael wieder zurück nach Vancouver zu fahren….oder aber, das hatte er angeboten, er bringt mich nach Squamish am oberen Ende des Howe Sund. Da es dort ein paar interessante Touren noch gab, habe ich das Angebot gerne angenommen. Drei schöne Tage bei Sonne und interessanten Begegnungen und spannenden Wegen habe ich dort zugebracht. Das Wetter verwöhnt mich noch immer mit blauen Sonnentagen.

Seit 26. September bin ich nun in Vancouver. Die letzten drei Tage verbringe ich in einem netten Zimmer, dass mir mein Sohn über AirBNB gebucht hat. Die chinesische Familie ist nett und das Zimmer okay. Am 29. September geht der Flieger nach Toronto und wenige Stunden später sitze ich im Flieger über den großen Teich.

So richtig abschließen kann ich im Moment noch nicht. Doch ich bin einfach froh, dass ich diesen Traum, von dem ich zunächst nicht gedacht hätte, dass er wahr wird, habe so gut und nun wieder ganz gesund erleben können. Ich bin auch stolz, dass ich trotz der gewiss 120.000 Höhenmeter und zahllosen Meilen es geschafft habe, aus eigener Kraft - so weit, wie es möglich war - den PCT gewandert bin. Unvergessen die Stunden im Krankenlager in Oregon, als mich Covid-19 so sehr zurückgeworfen hatte. Es fühle sich an, als würde dieser Körper sehr lange nicht mehr diese Strapazen auf sich nehmen können. Diese Mattigkeit, diese unfassbare Müdigkeit und Erschöpfung. Und dann doch wieder auf den PCT und die schönsten Strecken doch noch wieder erlebt. Es wird noch lange dauern, bis ich das alles auch richtig verinnerlicht habe, was ich erleben durfte, was mir geschenkt wurde nach einem schon reichen Leben.


22. September 2022 - zu Fuß Richtung Porteau Cove Campground

Es war eine richtig gute Entscheidung, die aufwändige Fahrt aus Vancouver heraus zum Zeltplatz in Porteau Cove bereits in Brunswick Beach abzubrechen. So konnte ich durch den herrlichen Küstenwald unterhalb Mount Harvey wandern und hatte vorgestern am Nachtplatz einen famosen Ausblick auf die vorgelagerten Inseln im Howe Sound.
Gestern folgte ich am Brunswick Mountain einem sehr schön angelegten Wanderweg (Howe Sound Crest Trail) entlang der Seen im Cypress Park. Auch diese Nacht hatte ich einen herrlichen Nachtplatz und konnte ganz hervorragend schlafen. Ich befinde mich wieder da, wo ich mich die letzten fünf Monate wohl gefühlt habe: auf Wanderschaft. Heute komme ich dann am Nachmittag wohl in Porteau Cove an und hoffe sehr, einen Zeltplatz für mein winziges Zelt zu bekommen.

Ein Zugeständnis muß ich allerdings meinem Körper machen. Da ist kein Gramm Fett mehr übrig und dementsprechend auch keine Polsterung zwischen dem heruntergetragenen Rucksackgurt und meinen Knochen. Darum, der Rucksack drückt doch arg und so schön die Landschaft und die vom PCT her gar nicht gewohnte Einsamkeit ist: Es reicht nun langsam!

20. September 2022 - Hin und Her der Gefühle und ein kleiner Rückblick

Nachdem Salty nun abgeflogen ist und ich leider auch nach zwei Tagen Hin und Her meine Freundin nicht besuchen kann und sich auch sonst irgendwie keine Chance noch auf eine längere Wanderung ergeben hat, habe ich mich auf den Weg zum Porteau Cove Campground gemacht. Es ist unglaublich, aber sogar so weit nördlich von Vancouver ist kein freier Zeltplatz zu finden. Es ist alles restlos ausgebucht. Langsam bin ich froh, dass es nicht mehr so lange ist bis zum Rückflug am 29. September. Und freuen tue ich mich natürlich auf meine Familie und das Geburtstagsfest kurz nach der Landung in Frankfurt - denn, ich verrate es Euch, erst dann werde ich wirklich 60 Jahre jung :-)

Da ich in den letzten Tagen etwas Zeit hatte, habe ich schon mal ein allererstes kleines Resümee angefangen - ich bin mir sicher, wenn ich erst einmal ein paar Wochen wieder zu Hause bin, wird das noch etwas ausgearbeitet:

Weitwanderwege in den USA – der Pacific Crest Trail im Besonderen

Im Gegensatz zu den allermeisten europäischen Fernwanderwegen haben die drei großen Weitwanderwege in den USA keine Hütten und keine (Not)Versorgung mit Lebensmitteln. Sie verlaufen oft für etliche Tage abseits von Strassen und fernab von Versorgungsmöglichkeiten. Hier muß also immer die komplette Campingausrüstung, Kleidung, Nahrungsmittel und oft viele Liter Wasser mitgetragen werden. Und dass bei Tagesetappen, die je nach Gelände zwischen 25 bis über 40 km liegen. Insgesamt muß man sogar sagen, wäre es ohne die Hilfe der sogenannten Trailangels nur sehr schwer, die drei großen Fernwanderwege in den USA zu durchwandern. Sie bilden jedes Jahr eine wichtige Unterstützung für die unter anderem ca. 5.000-6.000 PCT-Wanderer. Sei es, weil sie selbst schon einmal diese Fernweitwanderwege gegangen sind oder begeistert jeden unterstützen, der sich auf dieses Abenteuer einlässt. Doch auch andere Menschen sorgen immer wieder für „Trail-Magic“, indem sie z.B. an Waldparkplätzen kühle Getränke und kleine Snacks für die Fernwanderer platziere.

Der PCT Fernwanderweg
Der mögliche Startzeitpunkt (nicht zu früh, weil dann noch zu viel Schnee liegt) und das zwanghafte Ende zu Beginn der Wintersaison beschränken auch die maximal mögliche Dauer, die man benötigen darf – wenn nicht sowieso der im Vorfeld gebuchte Rückflug bereits eine feste Begrenzung der Zeit darstellt. Ausserhalb dieses Zeitfensters zwischen April und September (nordwärts gehend) sind die Hilfsstationen, wie sie u.a. von den Trailangels eingerichtet werden, nicht mehr besetzt und die Distanzen bis zum nächsten Versorgungspunkt noch viel größer.

Der von der PCTA unterhaltene und gepflegte Pacific Crest Trail, der durch sieben Nationalparks, 25 Nationalwälder, 33 Wildnis-Areale und 5 verschiedene geographische Regionen mit einem eigenen Klima, Geologie sowie Flora und Fauna verläuft, erfordert also erheblich mehr Planung, Vorbereitung und Durchhaltevermögen wie manche Fernwanderweege in Europa. Zu beachten ist auch, dass pro Tag nur 50 Hiker starten dürfen und die Startplätze und zugehörigen Permits verlost werden. Ziel dieser Maßnahme ist eine Überlastung der Versorgungsstationen (u.a. in der Mojave-Wüste die Wasserreservoirs) und Campingplätze zu vermeiden. Oft sind alle Permits bereits früh im Jahr ausgegeben oder die Startzeiten liegen sehr unglücklich (sehr früh oder sehr spät).

Die Herausforderung des monatelangen Weitwanderns
Nicht unterschätzen sollte man die Monotonie einer Weitwanderung. Zumindest, wenn man sie als solche empfindet. Denn nur von gelegentlichen Zero-Days unterbrochen bricht man morgens nach dem Zeltabbau auf und baut es abends irgendwo wieder auf. Dazwischen liegt die immergleiche Beschäftigung des Wanderns. Und das über viele Tage. Ich empfinde diese Routine, in die man sich begibt, diese bewusste Reduktion des Daseins auf den einfachen Wanderalltag mit seinen sich wiederholenden Abläufen aus wohltuend. Die dadurch frei werdende Zeit gibt mir die Gelegenheit, die Gedanken schweifen zu lassen - wobei vor allem zu Beginn und auch später der Weg durchaus Konzentration und "Nichtabgelenktheit" fordert.
Andere jedoch kommen mit diesem immer gleichen Tagesablauf nicht zurecht, brauchen mehr Abwechslung und "Action".

Ein anderer Grund, es nicht zu schaffen, können Verletzungen, zum Beispiel durch ein Sturz, sein. Oder körperliche Beschwerden, die sich durch die extreme Belastung aus Weitwandern und Rucksacktragen an Füssen, Knien oder Rücken ergeben. Auch nicht zu unterschätzen ist der finanzielle Aufwand – ein Aspekt, der einen zum Aufgeben zwingen kann, wenn man nur über ein begrenztes Budget verfügt und zusätzliche Ausgaben auftauchen.

Vor allem ist es jedoch eine mentale Robustheit, die man besitzen sollte, um in schwierigen Situationen besonnen zu handeln und auch mal längere Leidenszeiten (Schmerzen, Missgeschicke, Schlechtwetterphasen, Einsamkeit, Heimweh) durchstehen zu können.
Auf dem PCT habe ich viele Menschen gesehen, die recht unvorbereitet mit einem großen Maß an Enthusiasmus, jedoch mit wenig Plan und Planung die Wanderung begonnen haben. Sie gaben oft, von den Herausforderungen des Weitwanderns überrascht, bereits nach den ersten wenigen Wochen auf. Aber auch Motive wie „Ich möchte mal was anderes machen“ oder „Mein Leben braucht eine Veränderung“ sind kein Granat dafür, dass man diese ersten Wochen „überlebt“. So mancher war womöglich auch noch nie so lange „mit sich selbst und den eigenen Gedanken alleine“, die sich beim tagelangen Wandern ergeben – wobei nur wenige Wanderer auf Dauer alleine wandern. Meist finden sich mehr oder weniger große „Trail Familys“, mit denen man dann einen Teil des Weges geht und sich abends am gemeinsamen Nachtplatz wieder trifft.

Wer es schließlich schafft, in die Routine des Weitwanderns zu kommen, hat eine gute Chance, bis ans Ende zu kommen.

Einen wesentlichen Vorteil stellen die heutigen Möglichkeiten der Navigation und Informationsbeschaffung dar. Alle drei Fernwanderwege (CDT, PCT, AT) sind bestens dokumentiert. Auch Wasserstellen, Versorgungspunkte und andere wichtige Informationen sind als Zusatzinformationen zu den GPS-Daten verfügbar. Ausserdem sorgt die PCTA (PCT-Verein) dafür, dass der Weg gepflegt, geräumt und ausgebessert wird. Trotz der enormen Höhenmeter, die bewältigt werden müssen, trotz der abgelegenen Lage und den unterschiedlichen Landschaften ist der Weg durchgehend klar erkenn- und begehbar. In vielen Fällen sind die Bach- und Flußquerungen so angelegt, dass sie jeder Wanderer bewältigen kann (ganz im Gegensatz zu dem Te Araroa in Neuseeland, bei dem es nahezu keine Brücken gab).

Grob einteilen lässt sich der PCT in fünf Abschnitte:

Südkalifornien von Campo bis Kennedy Meadows. Nicht zu unterschätzen sind bereits auf diesen ersten 1130 km die Höhenmeter und der Schnee in den Bergen, der noch lange ins Frühjahr hinein liegen kann. Wer spät startet, wird in dem Abschnitt, in dem der Weg die Mojave-Wüste berührt, mit extrem heißem und trockenem Wetter rechnen müssen. Dann können die Wasser-Versorgungsstellen schnell lebensrettend werden. Wichtig auch: Nachts kann es auch in der Wüste sehr kalt werden! Der Wanderweg selbst ist eher einfach und stellt keine großen Herausforderungen an das technische Können.

Zentralkalifornien mit der High Sierra. Rund 750 km lang verläuft der Wanderweg hier im Hochgebirge oberhalb der Baumgrenze. Etliche Pässe über 3000 m Höhe müssen überquert werden und am Forester Pass wird die 4000 m Grenze knapp überschritten. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist erschwert, da auf 320 km Länge keine Strasse gequert wird. Hier helfen dann nur Trampen und freundliche Trailangels, dass man in die Städte am Ostrand der Sierra kommt, um sich mit Lebensmittel und anderen Ausrüstungsgegenständen zu versorgen. Der verpflichtend mitzunehmende „bear-canister“ erhöht das zu tragende Gewicht nochmals um etwa 2….2,5 kg.
Aufgrund der alpinen Anforderungen, die sich auch in raschen und heftigen Wetteränderungen zeigen, den dauerhaft noch bis in den späten Juni vorhandenen Schneefeldern (wenigstens Wanderstöcke und Grödeln sollten dabei sein) und der merklich dünneren Luft sind die Felsenpfade der High Sierra für viele Wanderer eine Herausforderung. Allerdings gilt bei vielen dieser Abschnitt nicht zu Unrecht als der schönste Teil des PCT.

Nach Kennedy Meadows North verlässt man das Hochgebirge und befindet sich in einer eher moderaten Wald- und Hügellandschaft.

Die etwa 880 km lange Wanderstrecke in Nordkalifornien wird erst wieder deutlich anstrengender, wenn die Kaskaden-Gebirgskette mit ihren zahllosen Vulkanbergen erreicht wird. Lassen Peak und Mount Shasta prägen deutlich durch ihre beeindruckende Größe diese Wandertage von Oregon. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu großen Waldbränden, die weite Gebiete mit ihrem Rauch und Dunst nur schwer begehbar gemacht haben.
Flächen, die in den Vorjahren abgebrannt sind, können zu eintönigen Mondlandschaften werden, in denen wenig Schatten zu finden ist. Staub und Ruß setzen sich in die kleinsten Ritzen und können schmerzhafte Blasen und Scheuerstellen verursachen. Auch ist die Wasserversorgung erschwert, weil Quellen und Bäche im Hochsommer austrocknen.

Den
PCT in Oregon erreichen Thruhiker meist zur optimalen Jahreszeit mit viel Sonne und wenig Regentagen. Allerdings ist nun auch hier die Hochzeit der Waldbrände, was immer wieder dazu führt, dass Teile des Weges nicht begangen werden können.
Oregon ist mit seinen 700 km ein sehr angenehmes Wanderterrain. Hier kann man sogar einige Tage aufholen, die man eventuell in der High Sierra aufgrund der gewaltigen Höhenmeter mehr brauchte. Waldbrände können hier jedoch durchaus auch einmal ein Überspringen eines Teilstückes des PCT notwendig machen.

Die Landschaft in Oregon ist geprägt von Vulkanismus (Mount Washington, Mt Hood, etc.) und gegebenenfalls von Mosquito-Schwärmen. Da ich wegen meiner Corona-Erkrankung und Waldbränden gezwungen war, einen ordentlichen Teil von Oregon zu überspringen, kann ich nicht ganz so viel zu diesem Abschnitt des PCT sagen. Auf jeden Falls sollte man sich den Crater Lake anschauen – die Alternativstrecke zum PCT führt genau an diesem Naturwunder vorbei.

Der letzte Abschnitt (ca. 770 km) ist Washington. Geht es zunächst noch durch ausgedehnte Waldlandschaften (mit meistens einer größeren Menge Mosquitos) erreicht der PCT bald die mehr oder weniger quer zum Weg verkaufenden Bergkämme der North Cascade. Es wird wieder alpiner und die zu überwindenden Höhenmeter sind erheblich. Mount Rainier, der Mount Daniel und der Glacier Peak sind Stratovulkane, die der Pacific Crest Trail passiert. Wie bereits in Oregon kommt es auch in Washington häufiger zu Regentagen – von denen ich 2022 glücklicherweise weitgehend verschont blieb.

Die steilen Auf- und Abstiege verlangsamen hier wieder das Wandertempo. Wer allerdings bis hierher durchgehalten hat, ist die tägliche Herausforderung inzwischen gewohnt und kann sich mehr als am Anfang auf die Landschaft und das bewusste Erleben konzentrieren.
Die Versorgung wird hier wieder schwieriger und man muß zum Teil erhebliche Abstecher vom Trail machen, um Lebensmittel nachzukaufen. Leider ist inzwischen auch das eher feuchte Washington nicht mehr sicher vor Waldbränden. Was 2022 Ende August, Anfang September dazu führte, dass man gar nicht mehr zum Northern Terminus kam.

17. September 2022 -Seattle und dann nach Vancouver

Nach zwei Tagen Erkundung der großen Stadt Seattle war ich doch froh, im Flixbus nach Vancouver zu sitzen. Als Kind der Natur können die vielen Hochhäuser, das dichte Gedränge und der Verkehr auch bedrückend werden. Ausserdem sind die Preise für die Sehenswürdigkeiten echt deftig.

Hier in Vancouver ist es sonniger und das lässt die Stadt auch gleich schöner aussehen. Mit Salty teile ich mir noch bis Dienstag ein Zimmer. Dann fliegt er zurück und ich werde von einem schön gelegenen Campingplatz am Meer noch ein paar schöne Tagestouren mit leichtem Gepäck machen - so mein Plan. Jetzt aber schlafe ich erst einmal - bald wieder mehr von meinen letzten Tagen hier drüben, nun in Canada!

In Seattle passierte noch was Tolles. An unserem letzten Tag in der Unterkunft checkte ein Mitwanderer ein, den wir ganz früh zu Beginn unseres gemeinsamen PCT-Abenteuers kennen lernten: Tom vom Big Bear, wo wir am 22. April das erste Mal zusammenkamen. Was ein schönes Wiedersehen nach so vielen Monaten. Da gab es den Abend über viel gegenseitig zu erzählen! Am nächsten Tag flog er zurück….. Was für ein Zufall also: gleiche Unterkunft in der großen Stadt Seattle, gleicher Tag und vor allem: auch gesehen! Denn wenn hier jeder auf seinem Zimmer ist, sieht man einander nicht mehr.

14. September 2022 - In der Großstadt Seattle

Salty und ich teilen uns ein Zimmer in einer günstigen (und dementsprechenden) Unterkunft, bis er am 16.9. zurück in die Schweiz fliegt. Bis dahin erkunde ich noch ein wenig die riesige Stadt mit ihrer weltberühmten, 184 Meter hohen "Space-Needle".

11. September 2022 - Snoqualmie-Pass und bald Fahrt Richtung Seattle

Inzwischen zerschlägt sich leider auch der Plan, den PCT Richtung Süden noch zu wandern. Neben Sperrungen wegen Wildfiren auf dem Pfad kommen nun auch Sperrungen der Zufahrtsstrassen zum Trailhead dazu. Es könnte also passieren, dass ich mitten im Nirgendwo stecken bleibe, ohne die Möglichkeik, eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen. Deswegen werde ich übermorgen in Richtung Seattle fahren. Am 29. September geht mein Rückflug - bis dahin möchte ich noch wandern. Allerdings bin ich noch nicht sicher, wo das geht (und ganz ehrlich: zwei Wochen bei den Preisen für ein Zimmer kann und möchte ich mir auch nicht leisten).

Die Menschen hier sind sehr hilfsbereit und haben schon etliche Thruhiker mit nach Westen genommen. Einige haben sogar ihren Flug umgebucht, um nun vorzeitig nach Hause zu reisen. Gestern kamen Salty und ich in eine Restaurant in ein Gespräch mit einem Paar mittleren Alters. Wie fast immer auf dem Trail habe ich Sie auch den QR-Code zu meiner Webseite scannen lassen und habe erzählt, dass ich einen Spendenlauf mache. Und was soll ich sagen: zum Abschied legten sie mir ein Bündel 20 Dollarscheine hin. "Für die Kosten für das Zimmer hier!" Die Menschen sind wirklich so freundlich. Vor wenigen Tagen war mir etwas ähnliches ja schon in Mazama mit dem "Süssigkeitenpaket" der beiden älteren Herrschaften passiert, in dem sich ein 50 Dollar-Schein fand. Unglaublich!

Abends: Zwei Tage habe ich nun damit zugebracht, irgendwie noch ein zusammenhängendes Stück Wanderstrecke zu finden. Die Feuer am Stevenspass haben inzwischen sogar zu Evakuierungen der Anwohner geführt. Der ganze Nordwesten des Waldgebietes zwischen Snoqualmie Pass Richtung Mt. Rainier und Mazama, Winthrop und Stehekin ist in (Rauch)Wolken gehüllt. Die Sicht ist stark reduziert und je nachdem, wie der Wind steht, treibt es die rauchige Luft in Nase und Lunge. Der Highway 2 zwischen Seattle und Leavenworth wurde vorsorglich gesperrt.
Inzwischen berichtet auch die Seattle Times über diese Waldbrände, die dazu führen, dass die Luftqualität hier in den Cascades bis in den ungesunden Bereich reinrutscht. Auch am White Pass brennt es und die Sorge geht um, dass diese Brände der Vorbote sind für massive Änderungen des Klimas mit immer häufigeren Bränden. Das Schlimmste wäre, wenn es zu einem Feuersturm käme, der letztes Jahr die weiten Waldbereiche in Kalifornien zerstört hat, durch die ich zwei Wochen lang gewandert bin.

Also irgendwie soll es nun wohl ein Ende haben und ich kann mich nicht mehr dazu aufraffen, irgendwo noch einmal etliche Tage auf einen Trail zu gehen. In einem fremden Land mit fremden Regeln, einer Sprache, die ich bei weitem nicht gut beherrsche und riesigen Distanzen, die zum Teil nur schwer zu überwinden sind….und abseits des PCT werden vermutlich auch die Trailangel seltener werden. Denn der PCT ist eben jedes Jahr den Sommer über ein Hikerspektakel, auf das sich die Anwohner auch bereits eingestellt haben. Wie es jedoch am PNT wäre – ich weiß es nicht.
Insofern werden Salty und ich nun bald nach Seattle „umsiedeln“, weg vom Qualm und der schlechten Sicht, und dort mal schauen, was noch an Tagestouren eventuell zu machen ist. Und dann hat mir mein Sohn eine bezahlbare Unterkunft in Vancouver gebucht, so dass ich vielleicht doch noch meine Freundin besuchen kann.

Gedanken zu Amerika entlang des PCT: Was mich selbst überrascht hat ist, wie sehr mir dieses Amerika gefallen hat, das ich nun fünf Monate lang kennen lernen durfte. Natürlich ist mir klar, Amerika ist mehr wie der PCT. Doch neben den verschiedenen Klimazonen, den Wüsten, dem Hochgebirge, den endlos wirkenden Wäldern, die ich erwandert habe, sind mir eben auch die Ortschaften, die kleinen Ansiedlungen und die Menschen ans Herz gewachsen. Ich mag diese Bauweise der amerikanischen Städtchen mit ihren Holzhäusern, den Veranden davor und den offenen Gärten. Sie haben oft den Charme von antiquierten Orten, die wir Älteren aus Wild-West-Filmen zu kennen meinen. Ein wenig fühlt man sich um dreissig, vierzug Jahre zurückversetzt, ohne dass es rückständig wirkt. Beschaulich ist wohl eher passend. Auch die Menschen wirken nicht so gehetzt und nehmen sich Zeit für einen. Und vor allem habe ich die Zuvorkommenheit und die Hilfsbereitschaft lieben gelernt. Es gab positive Erlebnisse, die in Deutschland (oder anderen Mitteleuropäischen Staaten) so kaum denkbar sind. Ob es noch immer daran liegt, dass Amerika entstanden ist aus Menschen so vieler unterschiedlicher Nationalitäten?
Auf jeden Fall ist Gastfreundschaft hier ein hohes Gut. Ob das auch ausserhalb des PCT so ist, kann ich nicht beurteilen. Aber entlang des Trails war es so!

10. September 2022 - Leavenworth und zwei Wanderungen

Kurz vor der Grenze Sperrung des PCT und Umkehr

Meine junges deutsches Paar, das mich im Auto mit nach Leavenworth genommen hat, war nun zwei Tage mein Wanderbegleitung. Mit leichtem Gepäck haben wir einen Teil des Enchantment-Trails (Verzauberungsweg, 5-Sterne Wanderung in Washington) und den Icicle River Roundtrail gemacht. Beides sehr schöne Touren und am ersten Tag auch mit traumhaftem Wetter.

Dennoch bin ich etwas unglücklich. Hier werden immer wieder Strecken des PCT wegen Waldbränden gesperrt und irgendwie ist es auch sonst blöd. Überall auf den wenigen Long Distance Trails in Washington braucht man (wie fast überall) ein Permit. Und die sind selbst so spät im Jahr echt rar und schlecht zu bekommen. Noch habe ich fast zwei Wochen und möchte sie nicht sinnlos herumhängen. Aber es ist das Ziel weg, der echte Antrieb.

Im Moment hoffe ich, dass mich die beiden eventuell doch noch nach Mount Rainier mitnehmen. Wir haben uns zwar schon verabschiedet, aber ich habe ihnen geschrieben. Dort könnte ich noch den 86 Meilen Rundweg um den Vulkanberg herum laufen. Ansonsten hänge ich echt etwas in der Luft. Und die Preise sind wirklich exorbitant: Zeltplätze kosten 40-50 Euro, Zimmer 150-200 Euro und selbst Mehrbettzimmer in Hostels kosten deutlich 50 EURO aufwärts. Da ist man froh, wenn man wieder in der Wildnis übernachten kann ;-)

Im Laufe des Tages habe ich mir nun den PNT (Pacific Northwest Trail, 1250 km) angeschaut. Er startet im Osten am Rand der Rockies und geht entlang der kanadisch-amerikanischen Grenze nach Westen Richtung Seattle. Dabei durchquert er mehrere Naturparks und geschützte Gebiete. Jedes dieser besonderen Gebiete hat eigene Regelungen hinsichtlich des Back-Country-Camping. Es sind etliche Permits notwendig, die alle jeweils einzeln zu besorgen sind. Das ist in der Tat zu komplizert, um es vom Trail aus zu organisieren - immer auch mit dem Risiko, dass man kein Permit für die Tage erhält, an denen man durch den Park wandern würde.

Deswegen fahre ich nun zum Snoqalmie-Pass (siehe Karte) und wandere auf dem PCT southbound Richtung Mt. Rainier. Salty ist auch dort und vielleicht wandern wir doch wieder zusammen.

8. September 2022 - Winthrop - Mazama und zurück

Ein richtig geschäftiger Tag war das heute. Vom Campingplatz ging es zunächst in die bezaubernde kleine Stadt - schon ganz früh, um den Charme der Gebäude noch ohne die Hektik zu genießen. Ausserdem ist gerade Oltimertreffen der Wohnmobile hier.

Doch zunächst ging es dann mit einem freundlichen Menschen nach Mazama, wo ich beim Goat`s Beard Shop mir mein Versorgungspaket mit warmen Sachen abgeholt habe. Da kamen dann auch gleich noch warme Leggins und warme Socken dazu, damit ich in den Nächten schlafen kann und nicht bibbern muß. Dort traf ich dann auch noch ein junges deutsche Paar, dass auch in Winthrop eine Unterkunft hat. Sie werden mich morgen mitnimmt nach Leavenworth. Da wollten sie nämlich auch hin.
Ich werde dort den Enchantment Trail um den Cannon Mountain herum entlangwandern. Das ist ein 5*-Wanderweg und eine wunderbare Alternative zu dem Versuch, noch in Oregon einige der übersprungenen Meilen zu gehen (denn dort ist jetzt nur frisch verbrannter Wald zu sehen). Von der Frau, die mich wieder von Mazama nach Winthrop mitnahm, habe ich erfahren, dass man zwar einen Permit braucht, wenn man auf dem Enchantment Trail übernachten will, aber kein Permit braucht, wenn man die 36 Kilometer an einem Tag absolviert - das sollte ich mit leichtem Gepäck bei meinem Training doch hinbekommen!

Und vielleicht wandere ich danach mit dem jungen Paar noch ein paar Tage auf dem PCT vom Stevenspass südwärts - mal sehen.

Abends hat mich dann ein älteres Ehepaar mit ihrem uralten Wohnanhänger (die etwas größer sind wie die meisten in Deutschland) noch zum Essen eingeladen. Dafür habe ich - mit meinem halt nur mäßigen English - von dem Trail erzählt: ein gegenseitiges Geben und Nehmen eben. Ein anderes Paar hat mich nun auch noch zum Frühstück morgen früh eingeladen und ich habe einen dicken Packen mit Riegeln, Getränkedosen und Süßigkeiten bekommen - so herzlich die Menschen hier!

So fügte sich das heute alles so richtig glücklich und ich habe nicht nur alles erledigt, sondern habe einen vollen Bauch und sogar eine 1A-Mitfahrgelegenheit.

Was nicht nur ein wenig stört ist der nun schon etliche Tage in der Luft liegende Brandgeruch der Wildfire. Immer wieder verdunkelt sich auch der Himmel etwas, obwohl die Waldbrände viele zig Kilometer entfernt sind.

Freundliche, glückliche Gesichter auf den letzten Meilen des PCT

Noch etwas anderes möchte ich gerne mit euch teilen. Und das ist die wahnsinnige Herzlichkeit, mit der ich auf meinem Weg zurück Richtung Süden von den meisten auf dem Trail begrüßt wurde. Manchmal kam ich kaum vorwärts vor lauter Hallo und Gesprächen. Und wenn ich auch hier nur selten meinen Trailnamen erwähnt habe, ich bekam ist so oft zu hören die letzten Tag: Hello Happy!
Ein junger Mann sagte mir sogar, dass er mich wiedererkannt hatte, obwohl wir uns das letzte Mal in der Wüste Südkaliforniens gesehen hatten.
So viele glückliche Gesichter, von denen ich euch ein paar hier zeigen möchte. Alle sind sie Thruhiker, die so weit wie möglich bis hier in den Norden Washingtons gewandert sind. Weit über 4000 km mit den eigene Füssen erwandert, durch Hitze, Kälte, Schnee, Sand, verbrannte Wälder, immer mit Hunger und oft auch Durst. Mit Blasen an den Füßen, schmerzenden Knien, Rücksäcken die reiben und alle mit dem ein oder anderen Sturz. Aber eben alle auch glücklich - manche froh, dass es vorbei ist und andere wie ich bedauern es fast, dass das große Abenteuer Pacific Crest Trail jetzt bald zu Ende ist.

7. September 2022 - Stehekin - Chelan - Winthrop

Zunächst nur "kurz" für alle, die mitlesen: Mir geht es gut und ich habe wunderbare Tage hinter mir. Von Stehekin bin ich mit der Schnellfähre über den endloslangen Lake Chelan gefahren, um mir Geld in Chelan zu besorgen. Und nun bin ich auf dem Weg nach Mazama, wo ein warmes Inlet für meinen Schlafsack wartet. Denn....der Herbst rückt eindeutig heran und die Nächte sind ganz schön kalt inzwischen.
Später mehr - erst einmal muß ich schlafen!

Die Tage der Wanderung südwärts auf dem PCT sind einfach nur traumhaft gewesen. So viele tolle Menschen getroffen – solche, die ich kannte und auch neue. Wer hier oben ankommt, hat eine bestimmte Grundhaltung zu anderen Hikern und Trailangels entwickelt – wenn er sie nicht schon vorher hatte. Herzliche Wiedersehen und so schöne Gespräche auch mit ganz unbekannten Hikern.
Dank zweier junger Männer kam ich nach vier Meilen auf der Straße Richtung Stehekin schnell zur dortigen Bakery. Ich kann euch gar nicht sagen, wie gut das alles bei denen schmeckt. Besonders die Zimtschnecken, aber eigentlich alles. Die beiden Männer haben mir dann noch eine halbe Pizza, einen Kaffee und eben eine Zimtschnecke spendiert – so viele freundliche Menschen in den letzten fünf Monaten ist wahrlich ungewohnt.

Später habe ich dann auf einem Quad einen Ride in die Stadt hinein erwischt. Beide Campingplätze schon überfüllt, weil keiner mehr hinauf kann zum Northern Terminus. Neben dem Feuer hat Canada inzwischen wegen COVID die Grenze für den PCT zugemacht. Die Hikerbox quoll über vor Lebensmittel, die nun nicht mehr gebraucht wurden. Ich konnte zwar noch duschen und Wäsche waschen, aber einen Platz habe ich nicht mehr bekommen.
Als ich dann so die Strasse entlang trottete, beobachteten mich zwei ältere Herrschaften. Da man auf so einem Trip Hemmschwellen abbaut, die einen „zu Hause“ daran hindern, so etwas zu tun, fragte ich sie einfach, ob ich auf ihrer Terrasse übernachten dürfte. Und siehe da: es wurde ein herrlicher Gesprächsabend und ich konnte Cowboy-Camping auf ihrer Terrasse machen – mit dem klaren Sternenhimmel über mir.

3. September 2022 - Waldbrände und Umkehr .... und ein Bär

Seit Tagen wandere ich durch eine schöne aber sehr einsame Landschaft. Und nun, am Harts Pass wird endgültig klar: die letzten 40 km Luftlinie kann ich nicht weiterwandern. Mehrere Waldbrände, die bereits seit Tagen in der Luft liegen, versperren den Weiterweg bis zum Northern Terminus. Es hat keinen Sinn, den Versuch zu unternehmen, irgendwie doch noch den einsam liegenden Abschlußort des Pacific Crest Trails zu erreichen. Ich mache mich auf den Rückweg, wandere den Menschen entgegen, die ich während des vergangenen halben Jahrs auf dem PCT getroffen und überholt habe.

Bärenkino!! Noch auf dem Weg nach Norden habe ich endlich auch einmal einen Bären aus nächster Nähe (nein, es war schon noch ein gewisser Abstand da, aber nicht viel) beobachtet. Die schlagen sich jetzt die Bäuche voll mit süssen, reifen Blaubeeren und sehen dabei gar nicht gefährlich aus. Ich denke, ich habe ein paar tolle Fotos und Bilder gemacht.

 

E-Mail
Karte
Infos