Herzlich willkommen auf sechs Monate Pacific Crest Trail

Der Fernwanderweg PCT könnte eingeteilt werden in seine Hauptabschnitte "Südliches Californien, High Sierra, Nördliches Californien, Oregon und Washington". Ich habe es so gemacht, wie die meisten anderen auch und die Monate gewählt, die ich unterwegs war.

Wandertagebuch April
Wandertagebuch Mai
Wandertagebuch Juni
Wandertagebuch Juli
Wandertagebuch August
Wandertagebuch September

 

April    San Jacinto Berge und Mojave Wüste
05.4. Start am Southern Terminus, mexikanische Grenze
08.4. Scissors Crossing
11.4. Hinein in die San Jacinto Berge
16.4. Gipfelbereich des San Jacinto
21.4. Von den San Bernadino Bergen bis Big Bear Lake
26.4. Silverwood nach Cajon
28.4. Wrightwood

Mai    Mojave Wüste und High Sierra
03.5. Soledad Canyon; Tritt in den Zeltnagel ☹
05.5. „Krankentransport“ nach Lake Hughes
7-8.5. Durch die Mojavewüste im Antilope Valley nach Neenach, Windkraftanlage
12.5. Tehachapi, Ruhetag
17.5. Walkers Pass, Owens Peak Park
19.5. Kennedy Meadows, Tor zur High Sierra
26/27.7. Mt. Whitney und Forrester Pass (4000m), der höchste Punkt des PCT
28.5. Lone Pine, Ruhetag

Juni    High Sierra und Nord Kalifornien; Weg der hohen Pässe
01.6. Pässe bei Mt. Wynne / Mt. Pinchot (Mather Pass, Muir Pass)
05.6. Zwei Monate unterwegs, Lake Thomas A. Edison
08.6. Kurzabstecher Mammoth Lake
13.6. Nieselregen am Benson Pass
16.6. Kennedy Meadows North, Ende der High Sierra
22.6. Pausentag am Lake Tahoe
25.6. Donner Lake
27.6. Zwischenstopp in Sierra City

Juli    Oregon und Corona
01.7. Belden
05.7. Old Station
07.7. Hat Creek Rim bei Cassel; 48 km gewandert
09.7. Four Corners nach Mt. Shasta
15.7. Zeroday in Mt. Shasta
17.7. Ruhetag in Etna, meine Wanderbegleiterin  Lydia ist schwer krank
21.7. Ich habe Fieber und schleppe mich nur noch dahin
24.7. Corona-positiv, Tage der Verzweiflung und völligen Erschöpfung
28.7. Trotz Schwäche und Hitzewelle in Oregon zurück auf Trail

August    Erholung, Oregon, Washington
02.8. Die Kraft kommt nur langsam zurück; nach nächtlicher Sturzflut
springen Salty und ich von Chemult nach Brent
07.8. Neustart in Brent
08.8. Mt. Hood, Eagles Creek Trail
09.8. Cascade Locks, die Grenze von Oregon nach Washington
18.8. Trout Lake
16.8. White Pass
19.8. Mt. Rainier, Wanderung entlang drei großer Vulkanberge
25.8. Snoqualmie Pass
31.8. Zeroday in Stehekin

September    Vorzeitiges Ende des PCT, Tagestouren, Seattle und Vancouver

03. September: Der PCT ist wegen Waldbrände ab Harts Pass gesperrt. Die Grenze nach Canada ist wegen Corona geschlossen. Ich wandere den PCT rückwärts - Plan war, übersprungene Teilstrecke zu erwandern, was aber wegen der Waldbrände nicht gelang.

7.9. Stehekin, Clelan, Winthorp mit Tageswanderungen
14.9. In Seattle


Der Pacific Crest Trail ist ein Fernwanderweg im Westen der USA. Er führt durch die Wüste, leitet über schneebedeckte Gipfel, durch Busch- und Bärenland bis zu den Wäldern in den Northern Cascades. Mit einer Länge von 4265 Wanderkilometern und 120.000 Höhenmetern warten körperliche Strapazen, ständiger Hunger, Wetterumschwünge und mangelnder Komfort auf den Wanderer. Doch trotz dieser Aussichten starten jedes Jahr von Neuem viele Fernwanderer auf dem PCT.
Für die meisten bedeutet das, etwa 20 kg Gepäck gut sechs Monate lang täglich 30-40 km weit zu tragen. Die meisten sind mit dem Ziel unterwegs, aus dem Süden kommend den nördlichen Zielpunkt zu erreichen.
Die PCTA (PCT-Association) unterhält den Weg und sorgt dafür, dass jedes Jahr nur maximal 50 Fernwanderer pro Tag starten. Innerhalb des Startfensters, in dem es nicht noch zu sehr Winter ist und dem Zeitpunkt, zu dem es unwahrscheinlich ist, dass man vor dem nächsten Wintereinbruch das Ziel erreicht, können maximal 5.000 Wander-Permit erworben werden.
Doch längst nicht jeder kommt an. Denn wer den PCT laufen will, braucht nicht nur eine erhebliche Auszeit von seiner Arbeit oder seinem Studium, sondern vor allem eine gewisse Bereitschaft, sich zu quälen. Denn der PCT ist eine gewaltige Schinderei. Mit körperlichen und seelischen Tiefpunkten, die man überwinden können muß, will man ankommen.
Obwohl der Weg von der PCTA instandgehalten wird, ist der PCT dennoch alles andere als ein normaler Wanderweg. Oft sieht man viel Tage lang keine Siedlung, keine Straße, keine Dusche, keinen Laden, nicht mal eine Schutzhütte. In seiner Konsequenz bedeutet diese Abgeschiedenheit, dass man immer Essen und Trinken für etliche Tage mitschleppen muß.
Vor allem in Südkalifornien bis etwa Kennedy Meadows sind Wasserquellen knapp. Da kann eine ausgefallene Auffüllmöglichkeit schnell zu einer Lebensgefahr werden. Denn es kann auf langen Strecken durch die wüstenhafte Landschaft am Rande der Mojave Wüste sehr heiß werden. Handyempfang gibt es sehr häufig keinen, dafür Schlangen, Waldbrände und nördlicher auch Bären.
Wer das Glück hat, einen Termin im April oder frühen Mai zu ergattern, hat vermutlich noch erträgliche Temperaturen in der Mojave Wüste. Dafür kann es in der High Sierra bei über 3000 m Höhe noch arg winterlich sein. Manche überspringen diesen Abschnitt, um ihn nach dem Erreichen des Northern Terminus dann im Hochsommer bei besserem Wetter nachzuholen.
Trail-Alltag – alles ausser bequem
Wenn der Tag sich dem Abend zuneigt, ist es Zeit, einen Platz für die Nacht, denn schneller wie gedacht wird es dunkel. Eilig noch eine warme Suppe und dann kriecht man erschöpft ins Zelt und den Schlafsack. Die Nächte sind oft kalt und unbequem. Selbst in der Wüste können die Temperaturen bis unter den Gefrierpunkt fallen. Die Zeltplane beschlägt vom Kondenswasser und die Klamotten werden klamm und kalt, der Körper schmerzt und im Morgengrauen muß man bereits wieder aufbrechen.
Selbst wenn man viel isst, kann man auf Dauer kaum genug Kalorien zu sich nehmen, wie man verbraucht. Nach den ersten Wochen kennt man alle Stellen, an denen es scheuert, reibt und drückt. Insbesondere Blasen an den Füßen können den Anfang schmerzhaft trüben. Dennoch, acht Stunden sollte man konstant jeden Tag wandern – mit Lust oder mit Überwindung.
Ab Kennedy Meadows verlässt man die „niedrigen Bergkämme und schmalen Schluchten“. Es geht hinauf auf über 3.000 Meter: Die High Sierra ist erreicht. Selbst bis in den Frühsommer hinein kann es zu Wintereinbrüchen kommen. Dann werden die Pässe mit 3.400 bis 4.000 m Höhe gefährlich oder sogar unpassierbar. Das Stapfen durch aufgeweichten Schnee ist extrem kräfteraubend. Kaum jemand kann schon wegen der täglich zu bewältigenden Höhenmetern den Schnitt der letzten Wochen aufrechterhalten. Zu gefährlich auf den oft steilen und felsigen Auf- und Abstiege, als dass man sie mit allzu schnellem Schritt begehen könnte.
Für viele ist die High Sierra der schönste Teil des PCT. Und wer es bis nach Seiad Valley geschafft hat und die Grenze nach Washington überschreitet, hat gute Chancen, auch noch den Rest des Weges zu schaffen. Denn bis hier her haben viele bereits aufgegeben. Neben Verletzungen oder schlichtweg Verschleiß ist es vor allem sehr schwer, die Motivation hoch zu halten. Schlecht geschlafene Nächte, immer wieder nur Müsli und Suppen, jeden Tag die gleiche Routine und immer wieder Schmerzen und Erschöpfung zehren an der mentalen Ausdauer.
Doch muß keiner einen Abbruch als Niederlange empfinden. Wer 1.000 und mehr Meilen durch das Hinterland der Zivilisation gewandert ist, hat bereits eine großartige Leistung gezeigt.

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