Durchquerung der Lofoten im Juni 2019

Für mich eine der schönsten Weitwanderungen bisher. Die Landschaft und die Natur auf den Inseln im Nordmeer sind einfach traumhaft. Allerdings macht die gebirgige Topologie der Lofortveggen (die Lofortwand) durchaus aus der Weitwanderung auch gelegentlich eine Gebirgswanderung.
Es gibt keinen ausgewiesenen Weg, um die Lofoten zu durchqueren. Einzig ein Buch und entsprechende GPS Daten – die Norweger lieben Country-Cross-Wandern.

Es war sehr abenteuerlich und öfter auch ganz schön einsam. Das Essen musste für bis zu
5 Tage mitgetragen werden. Das Wetter war sehr wechselhaft und an der Westkante des Kontinents kam immer wieder ordentlich Regen herunter, was das Vorankommen im oft wilden Gelände nicht gerade erleichterte.

Die Wanderung durch die sogenannten Seealpen war eine Herausforderung, aber auch eine tolle Vorbereitung für den neuseeländischen Fernwanderweg Te Araroa, der ja im November 2019 starten sollte.

Durchquerung der Lofoten

Am 25. Juni 2019 startete ich auf eine Wanderung, die mir sehr gut im Gedächtnis bleiben sollte. Die Idee dazu kam mir bei den Überlegungen zur Vorbereitung auf den Te Araroa, der Langen Weg durch Neuseeland. Wie sollte ein Vorbereitung besser funktionieren als durch learning by doing ;-). So fing ich an zu recherchieren und die Lofoten schienen ein touristisch sehr gut erschlossenes Naturparadies zu sein. Das sollte einfach sein, dort Wanderwege zu finden. So dachte ich zumindest! Doch nichts von wegen „Mach das Internet auf und du wirst reichlich bedient mit Vorschlägen zu Wanderwegen“!

Dennoch sollte ich nicht komplett ohne Informationen bleiben. Es gibt in der Tat ein tolles Buch zum Thema, „Wandern auf den Lofoten“. Bestellt und hinein versunken …. konnte mich vor Begeisterung kaum zurückhalten, den nächsten Flug zu buchen.

Auf den letzten Seiten des Buches dann ein Vorschlag zur Durchquerung des Archipels. Juhuuuuu, super und topp, da geht der Weg lang! Abenteuer der Extraklasse ….. und so begann es denn auch schon mit dem Start der Reise .

Ich hatte beim Einsteigen in den Flieger noch die Gelegenheit, meinen super sicher verpackten 20kg schweren Rucksack zu fotografieren. Er lehnte entspannt am Gepäckwagen neben dem Flieger und so trennten sich zunächst unsere Wege. Leider nicht nur für den Flug, wie sich bei Ankunft in Oslo heraus stellte. Da stand ich in Sommerklamotten, weil bei 36 Grad zuhause gestartet und nichts zum Umziehen, denn….mein Rucksack war vergessen zurück geblieben. Mist aber auch! Und vor mir lag eine 24 Stunden Zugfahrt nach Bodö an der norwegischen Küste mit gemeldeten 5 Grad. Mein Kopf rotierte und es wollte mir kein Plan B einfallen. Einfach erst mal ignorieren und vielleicht kommt er auf dem längst leeren Gepäckband doch noch um die Ecke gebogen.

Zwei junge Männer teilten mein Schicksal, auch ihnen fehlte ein Rucksack. So brachte uns das Schicksal zusammen und für mich kam eine wärmende Hose dabei heraus. Dem Himmel sei Dank dass Hilfe selbst in kleinen Begegnungen lauern kann. Die Jungs konnten auf das Gepäck warten, 4 Stunden. Ich konnte nicht warten, denn mein Zug ging in einer Stunde. Man versicherte mir am zuständigen Schalter, es würde alles getan, mir den Rucksack nachzusenden. Na dann…..so ging es in die Bahn. Dort wurde ich mit Decken versorgt und der Aufenthalt wurde zumindest nicht unangenehmer.

Am nächsten Tag, als der Zug mich in den nächsten Abschnitt des Abenteuers entlassen hatte, war mein Rucksack noch nicht angekommen. Brrrrrr, was war das kalt und mein zweiter Weg (der erste ging zur Information wegen des Rucksacks) war dann auch direkt in die Stadt mir eine Jacke kaufen. Das Fleece begleitet mich seither auf jeder Wanderung, ich liebe es!

Tatsächlich kam nach 2 Stunden der ersehnte Anruf und der Rucksack war angekommen. So konnte ich mich voller Vorfreude auf die kommende Zeit freuen und mich auf die Fähre zur Überfahrt nach Moskenes begeben. Das Wetter sollte die nächste Herausforderung bieten, kalt war es ja schon, aber nun kam auch noch Regen dazu. Schon bei der Ankunft und der kurzen Wanderung nebst Mitfahrgelegenheit nach Ä an der Südspitze der Lofoten sank meine Freude in die Nähe der vorherrschenden Temperatur von 3 Grad. Oh manno und der Rucksack war sooooo schwer und ich die Last gar nicht gewohnt. Da kam mir das kleine Cafe im Ort sehr gelegen, eine heiße Schokolade für die Seele und ein Keks wird helfen.

Da saß ich nun im Warmen und die Vorstellung auf eine lange Wanderung zu starten war gefühlt sehr in die Ferne gerückt. Etwas verloren war ich 2 Stunden später doch zumindest auf dem Weg, um mir einen Nachtplatz in der Nähe des Punktes zu suchen, an dem am nächsten Tag der Wanderweg starten sollte.

Ich stellte das Tarp am Ufer des Sees Ägvatnet auf und schimpfte mit mir: „Bist du blöd, nur mit einem Tarp auf den Lofoten campen zu wollen, grrrrr?!“ Ich mochte mich für den Moment ganz und gar nicht! (Anmerkung: Tarp ist nur eine aufgespannte Plane über dem Schlafsack, kein vollständiges Zelt mit Seitenwänden)

Egal, es ist wie es ist, also komm gefälligst zurecht, Andrea, du wolltest/willst es so.

Ich koche mir also noch einen Tee und fülle heißes Wasser in meine Trinkflasche. Sie sollte mir für die Nacht als Wärmflasche dienen, den Luxus gönne ich mir gerne :-). Ich schlief tief und fest, musste nicht frieren. Als ich am Morgen erwachte schien keine Sonne. Das Wetter war viel mehr kurz vorm Regen. Ein Kaffee und kleines Frühstück, danach flux zusammengepackt und auf den Weg.

Schon auf dem Weg zum hinteren Ende des Sees, wo es dann in die Berge gehen sollte, überkam mich ein ungutes Gefühl. So zeigte sich der Weg als kaum begehbar und zum Teil in den See abgerutscht. Ich schlug mich mehr schlecht als recht bis zum hinteren Ende durch. Landschaftlich ein Traum, aber zum Wandern….ich ertappe mich beim Schreiben, wie ich mit dem Kopf verneinend wackle.

Nach 3 Stunden trat ich den Rückweg an und überlegte einen Plan B.

So verschoben sich die Etappen meiner Durchquerung. Ich fing mit einer weniger Wetter abhängigen Etappe an und holte am Ende die ausgelassenen ersten 2 Etappen nach.

Was möchte ich erzählen über meine Lofoten Durchquerung?! Ohne jeden Zweifel sind diese 3 Wochen bist heute im Jahr 2021 eines der größten Naturabenteuer geblieben. Für die Durchquerung brauchte oder gönnte ich mir 14 Tage und die verbliebene Zeit von einer Woche nutzte ich, um noch einmal die Lofoten sowie Vesteralen bis hinauf nach Andenes zu erkunden. Das einwöchige Busticket kostet 99€ und beinhaltet „All you can drive“ :-).

Während der Wanderung durfte ich unendlich viele sagenhafte Natur erleben, ihre Kraft spüren und mich bisweilen dabei als das bekannte Sandkorn auf dem Strand des Lebens fühlen. Ein absoluter Höhepunkt war natürlich die Mitternachtssonne zu erleben. So führte mich eine Wanderung über viele Stunden am Abend hinauf und hinauf …... Etwas abseits des Weges stand ein kleines Zelt, in dessen Inneren die Bewohner wohl schon nach einem anstrengenden Aufstieg schliefen.

Es ist ungewohnt, um 23:30 Uhr zu wandern und der Blick von oben auf die Sonne ist unbeschreiblich. Sie berührte gerade mal sanft das Meer für einen Moment, verharrte am Horizont, um sich bald darauf schon wieder in die Höhe zu erheben und damit ihren Aufstieg für den neuen Tag anzukündigen. Ich saß auf meiner Isomatte in den Schlafsack gehüllt. Um mich herum Schneefelder, in deren Zwischenräumen sich der Sommer ankündigte. Wo sich die zarten Pflänzchen der wärmenden Sonne entgegen drängten und braune Moose zu saftigem Grün wechselten. Die Lebensadern sich neu mit Energie füllen, das wirkt ansteckend. Selbst mitten in der sonnenhellen Nacht ist dieser Prozess nicht zu übersehen und mehr als spürbar.

In der Hand den Becher dampfenden Tees, auf dem Schoss die Trinkflasche mit heißem Wasser für Wärme auf den sich senkenden Kreislauf. Entspannung stellt sich ein, der Blick wandert ruhig über die Landschaft. Der nahe Teich ist teilweise noch vereist und zeigt sich in dem Licht der Mitternachtssonne von einer anmutigen Seite. Wie nebensächlich erscheint mir gerade die Überlegung, auf welchem Tinden ich da gesessen habe. Allein das Erleben ist von großer Bedeutung, wo die Seele sich öffnet und die Gefühle sich niederlassen. Es war der Kongstindan ;-)

Eine weitere traumhafte Mittsommernacht gab es am Strand Kvalvika. Schon der Strand an sich ist ein Highlight, aber dort eine Nacht zu verbringen ein unvergessliches Erlebnis!

Ich müsste Dichter sein, um Worte zu finden, solch großartige Natur zu beschreiben. Mich macht es noch immer still, andächtig und wortlos. Ich kenne zwei Arten von Sprachlosigkeit. Die eine, wohl bekannteste, wenn wir etwas Schlimmes erleben und die andere, wenn uns etwas ebenso intensiv aber positiv beeindruckt und berührt. So könnte ich meine Verfassung in diesen großartigen Augenblicken beschreiben. Es ist Andacht, es ist Gebet, es ist Dankbarkeit, es ist Ruhe und Einkehr, es ist Vertrauen, es ist Musik, es ist Raum und Zeitlosigkeit. Nie bin ich mir und dem Leben so nah und fern zugleich. Den Gefühlen so Herr/Frau ;-) und ausgeliefert im selben Moment.

Gerade zieht er gedanklich an mir vorbei, der Seeadler in der Bucht oben auf den Vesteralen. Anmutig und ein Zeichen der Freiheit. Für mich das Glück des Augenblicks. Tränen lösen sich aus den Augenwinkeln und Ergriffenheit breitet sich aus. So sind es die Momente reinsten Seins, welche mich an diesen einsamen Orten erfüllen, Raum ergießt sich nach außen und schafft neuen Raum im Innersten. Es sind die Tränen, die befreien von kleinen und großen Lasten - mit den Wellen werden sie hinausgetragen. Fallen sie ins Meer...... oder auf fruchtbaren Boden.

Die Überleitung auf unvergessliche Begegnungen, nicht nur mit mir selbst, sondern auch mit ganz besonderen Menschen fällt nicht leicht, Doch diese Begegnungen sind unverzichtbarer Bestandteil einer solchen Reise:

Ich wanderte an der Küste und auf einem Parkplatz stand ein VW Bulli mit der Nummer meiner Heimat OG....

Natürlich lies mich der Anblick nicht unberührt und heimatliche Gefühle streiften meinen Geist. Ich muss wohl träumend dagestanden haben, als die dazugehörigen Menschen plötzlich auftauchten. Wir kommen ins Gespräch und sie wollten wissen, wohin ich mit dem nicht geringen Gepäck unterwegs sei. So allerliebst die Reaktion und Frage, womit sie mir etwas Gutes tun könnten. Ich musste nicht lange überlegen, denn die Stechmücken hatten mich die vergangenen Tage mächtig traktiert. Mein Fenistil war alle und so beschränkte sich meine Bitte ganz nah am was Gutes tun: „Habt ihr vielleicht eine Tube Fenistil“

Große Augen, aber tatsächlich, meine Gönner hatten eine Tube für mich und ich war so glücklich. Eine größere Freude hätte man mir in diesem Moment nicht machen können. Es war eine wirklich herzliche Begegnung und es sollte Tage später eine erneute Überraschung geben.

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