Wintertrailrunning auf dem Westweg im Schwarzwald
25 Kilometer und 1500 Höhenmeter unter widrigen Umständen und engem Zeitfenster

Seit etlichen Tagen schon schwirrt mir ein Abenteuer im Kopf herum. Wohl bemerkt im Kopf und weniger in den Beinen! Der Winter mit seinen Einschränkungen durch Erkältung und Winterschlaflastigkeit bremsen die Lauflust ja doch schon gelegentlich.

Ich träume also von einem Lauf im Schnee, möglichst mit Sonne und einem dicken Batzen Freude. Auf einem Weg, der mir nicht fremd und entsprechend einzuschätzen ist . Eine Strecke über die Schwarzwaldberge ...

Ahhhhh, da fiel es mir ein: der Jakobsweg ... eine Etappe des Westweges, welcher von Pforzheim nach Basel führt. Jawohl!!!! Das sollte es sein!!!

Um 10.30 startete ich alleine (ohne meinen geliebten Begleiter Frank) auf einen Lauf der besonderen Herausforderung. Es soll eine Tour werden, die ich schon mal vor 1,5 Jahren in den Anfängen meines Laufens gewanderlaufen bin. Damals, kurz nach dem Tod meiner Mom. Da hatte ich gerade die Schulter OP hinter mir. Die Wanderung war ne riesen Herausforderung. Es regnete die ganze Zeit, es war matschig und man hatte Null Sicht.

Länge etwa 25 Kilometer mit 1500 Höhenmetern, die aber super verliefen.

Heute also die gleiche Strecke, nur unter anderen Bedingungen. Meinen Rucksack hatte ich mit viel Bedacht gepackt. Bei einer Wetterlage wie der gegebenen beziehungsweise zu erwartenden ist Leichtfertigkeit der größte Fehler, den ich mir antun könnte. Was muss also mit ….. 500 ml Apfelschorle wenig geistreich ;-) Ein paar trockene Kekse, Banane, Traubenzucker, Salz, Schmerztabletten, Rettungsdecke, Geld und Handy. Eine Garnitur leichte aber warme Winterwäsche, eine leichte Regenjacke und einen warmen Schal plus paar Socken.

Am Leib hatte ich ein Funktionsshirt, eine dünne Polarfleecejacke und eine Windstopperjacke, Handschuhe natürlich, Mütze und Schal. Untenrum ... eine kurze Laufhose und darüber die Langlaufhose mit Windschild im Frontbereich, Laufsocken, Trailschuhe mit Gamaschen gegen das Eindringen von Schnee.

Mein Kopf war mit der Ausrüstung zufrieden, ich war mir bewusst, dass es kein Spaziergang werden würde, wusste, dass ich durchaus nur wenig Handyempfang haben würde. War mir der Achtsamkeit auf den Weg und den Anspruch bewusst, hatte mögliche Zwischenfälle im Geiste durchgespielt und somit fühlte ich mich sicher und motiviert.


Ich lief mich auf knapp 5 Km in der Ebene ein. Von Gutach nach Hausach und von dort an der Burg vorbei nach oben. Es hatte angefangen zu schneien, als ich los lief und ich war etwas verhalten, als ich den Himmel sah. Es zog sich zu und ich war versucht zu trödeln ... da kam sie die SMS ... "Jetzt lauf, Mädel!". Alle hopp dann lauf ich halt, schmunzelt.... Es lief gut an und bis es an den ersten Aufstieg ging war mir warm und ich war geschmeidig, fröhlich und voller Laufdrang.

Steil ging es rauf aber dafür hatte es aufgehört zu schneien, ich wanderte stramm aufwärts, zum Laufen war der Pfad und die Steigung absolut nicht geeignet. Dennochwar ich so unglaublich gut in der Zeit und war mit diesem Empfinden kaum zu bremsen.

Rauf rauf rauf und immer mehr wuchs der Schnee neben mir an, zunächst war der Pfad noch frei aber mit jedem Höhenmeter - und es ging auf über 800 rauf - wurde der Schnee mehr und mehr. Ohhh, wie spürte ich doch meine Waden, Himmel ne, war ich lange nicht mehr bergwärts unterwegs, das konnte ja heiter werden. Es war richtig Arbeit, mich da hoch zu bringen. Umso glücklicher war ich, als ich die erste Schutzhütte (Gutacher Hütte) erreicht hatte. Ein herrlicher Blick trotz inzwischen wieder eingesetztem Schneefall. Ich genoss es ohne Gleichen und freute mich so sehr. Mir war warm und ich fühlte mich total wohl.

Die Hütte war geöffnet und ich trat ein. Dachte, ich trink ein paar Schlucke und schau, ob ich Handyempfang hatte. Doch: kein Empfang, also gut, dann halt nicht. Ich schrieb ein paar Worte in das Gästebuch und weil mir kalt wurde, machte ich mich wieder auf den Weg.

Nun gings erst mal bergab ... runter runter runter, oh weh und mir war frisch mit eiskalten Hände trotz Handschuhe. Aus dem Laufen wurde nix bei dem Schnee... ich mühte mich, sehnte mich nach dem nächsten Anstieg, in der Hoffnung, doch wieder warme Hände zu bekommen.

Ich hatte mir noch nie so sehr gewünscht, dass es bald wieder rauf geht, wie heute! Es kam die Schneegrenze und da endlich gings wieder an den nächsten Anstieg, hurra ... danke danke danke, dachte ich nur. Dank auch meinen Beinen welche die Steigungen wunderlicher Weise total gut und angemessen leicht wegzustecken schienen, freuuuuu ... !!!!

Rauf auf den nächsten Berg und wieder wurde der Schnee mehr und mehr und noch mehr. Kaum  war der Pfad noch zu sehen und noch weniger die Beschilderungen, auweia ... wenn das nicht bald besser wird, muss ich runter, so komm ich nicht durch.

 

Ich genoss den Anblick der dick verschneiten Bäume, deren Äste zum Teil so tief hingen, dass ich darunter durchschleichen musste. Ein Winterwunderland eben. Das Ganze hatte auf diese Weise etwas Romantisches neben den Schwierigkeiten, die es auch noch zu bieten hatte. Schwer waren die Wegweiser zu erkennen und ich musste oft hin und her und schauen, wo die Dinger hinzeigen, hach ... Abenteuer eben.

Waaaas ist daaaas? Jetzt sperren die auch noch den Weg, so ein Mist... "Bitte umgehen sie die Absperrung, Vorsicht Eisschlag" ... uhhhh wer braucht denn so was. Ich also durch die Wildnis, im Tiefschnee und über gefällte Bäume. Manno war das anstrengend. Hoffentlich ist bald wieder ein Weg in Sicht.

Doch dann: seh ich richtig? Das kann nicht wahr sein!

Ich bin tatsächlich geschlagene 45 Min. durch den Tiefschnee im Kreis gestiefelt, grrrrr! Es ist bitterkalt und Wut und Unsicherheit beschleichen mich. Menno! Wo geht denn der richtige Weg ab? Ich musste suchen ... Gott sei Dank ich hab ihn gefunden! Erleichterung und dann aber flott weiter.

Ich war so toll in der Zeit gewesen und nun ... Kein Handyempfang und ich wusste nicht mal, wer mich abholte, ob Frank oder seine Eltern. Sicher, sie würden warten, aber es ärgerte mich, dass ich nun so hintendran war und das auch nicht aufholen konnte.

Egal, ich konnte es nun nicht mehr ändern. Also nicht die Laune verderben lassen und so flott wie geht durch die verschneite Landschaft. Ich freute mich über jede Fußspur, die ich zu sehen bekam, selbst wenn‘s nur vom Hase oder Reh war.

Fußspuren ... menschliche gab's auch und ich dachte beim Anblick darüber nach, ob die wohl von einem Winterpilger stammten und wie es ihm ergangen sein musste auf dem Weg.

Nachdem ich wieder einen Berg unten war, gings baldig wieder rauf ... rauf rauf rauf und steil, ich hatte zu tun. Wieder wurde der Schnee mehr und mehr, bald war es kaum mehr möglich den Pfad zu erkennen. Ich kam an eine Kreuzung und entschied mich vom Wanderpfad auf den Radwanderweg zu wechseln, wobei mir da schon wieder klar war, dass dies noch eine Zeitzugabe war und bestimmt 2-3 km mehr bedeutete. Dafür allerdings war der Weg um Längen besser zu belaufen und zu wandern.

Alla hopp ... noch gab es Fahrspuren, in denen es gut zu laufen war, leicht ansteigend und es lief gut. Rauf und rauf und ... Mist, keine Fahrspur mehr, so nahm der Schnee mir doch das Tempo und bald konnte ich nur noch wandern. Es hatte einen besonderen Reiz durch den leichten Tiefschnee zu stauben. Der Genuss wäre noch größer gewesen, hätte ich nicht dieses kleine Zeitproblem im Nacken. Ich war mittlerweile 4 Std. unterwegs, hatte nur paar Schlucke Apfelschorle getrunken das wars. Ich nahm mir die Banane und mampfte sie vorsichtshalber. Hunger hatte ich keinen, aber ich dachte, unter 5 Std. wird das wohl nix und so tat ich halt was für mich, muss ja nicht schaden.

Als ich dann irgendwann an die Straße kam, beschloss ich ihr zu folgen, denn von Schneelaufen hatte ich wirklich genug. Die Straße war wenig befahren und ich konnte gut laufen, nicht mehr schnell, aber doch zumindest laufen.

So schaffte ich es nach 4:40 Stunden die Wilhelmshöhe zu erreichen, mir standen - und das gibt es selten - die Tränen vor Stolz und Erleichterung in den Augen. 28 km und ich hatte nur noch einen Wunsch, rein in die warme Stube und einen lecker Cappuchino und ein feines Stück Kuchen.

Franks Eltern hatten schon auf mich gewartet und sie telefonierten gerade mit Frank und sagten …. „sie ist noch immer nicht da“ Ahhhhh Türe geht auf und ich da reingestapft. Aller Augen sahen auf mich, lächelt*. Hach was war das schön endlich wieder Menschen, lächelt herzlich. Kein Mensch auf knapp 5 Std – boahhh, ganz schön einsam war das.

Ich bin sehr stolz und hoffe dass mich morgen kein Muskelkater plagt, Pferdesalbe ist schon eingerieben - grins.

 

Nun ist zwei Tage später ... meine Beine leicht und ich durch das Schreiben aufs höchste für den nächsten Lauf motiviert. Ich liebe diese Art zu laufen, ganz besondere Erlebnisse in mir und um mich herum, welche immer wieder dazu führen, gar nicht mal die Leistung, sondern viel viel mehr das tolle, kurzweilige, fröhliche und anregende Erleben zu spüren!

Nun hoffe ich, das euch mein Abenteuer beim Lesen ebenso gefallen hat wie mir…. mit herzlich läuferischem Gruß!

 

Andrea

 

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