Te Araroa im Film

Eigentlich sollte es ja bereits kurz nach dem Ende der Wanderung einen Diavortrag geben, in dem ich gerne über meine Erlebnisse erzählt hätte. Doch dann kam die Corona-Krise dazwischen - lang und länger. Inzwischen ist bereits über ein Jahr vergangen seit meiner Reise, doch die Bilder zum Teil noch wie gestern in meinem Gedächtnis. So beeindruckend waren die überraschenden Momente mit atemberaubenden Ausblicken und stillen Sonnenuntergängen entlang des Weges. Ebenso die Augenblicke, in denen auch mal Verzweiflung auftrat wegen der vielen Hindernisse, die sich in den Weg stellten und die Freude darüber, dass sich doch immer wieder Alles zum Guten fügte.

In diesem kleinen Film sind ein paar Eindrücke zusammen gefasst - leider ohne die Gerüche der frischen Meeresbrise, ohne die dampfige Schwüle im Urwald und das unglaublich rutschige Gefühl auf durchnässten Böden. Man muss sich das eben dazu denken ;-)



Fragen und Antworten zum Thema Weitwandern
  Nur wo du zu Fuß war, warst du wirklich!


Welche Anfängerfehler gibt es beim Weitwandern?

Es gilt da wohl unendlich viele oder auch nur ganz wenige. Doch das hängt vor allem von jedem selbst ab. Pauschal sind es immer die gleichen, die sich in der Regel auf zum Beispiel das Gepäckgewicht beziehen und die Frage, was man tatsächlich braucht. Umso achtsamer jemand an das Thema heran geht, desto besser. Sprich: erst mal ein paar Tage, dann ein paar mehr bis hin zu sehr langen Touren. Umso mehr man dies berücksichtig, desto weniger treten gravierende Fehler auf. Wir wachsen ja bekanntlich an unseren Aufgaben. Auch das Terrain für solche Eingewöhnungstouren sollte mit Bedacht wählen. Denn eine bewusste Wahl hilft, dabei zu lernen und später nicht zu große Fehler auf der eigentlichen Fernwanderung zu machen.

Welche Vorbereitung auf die körperliche (und seelische) Belastung?

Eigentlich ist keine Vorbereitung notwendig. Was notwendig ist, ist die Tour dem eigenen „Ist-Stand“ entsprechend zu planen. Selbstüberschätzung ist der größte Fehler, den man macht, wenn man sich einfach ins Abenteuer stürzt.

Wie viele Paar Schuhe braucht man für so eine Tour?

Das ist individuell und abhängig vom Gelände, den gelaufenen Kilometer und den Schuhen selbst. Im Schnitt sagt man maximal 1500 Kilometer pro Paar Schuhe. Der Schuh verliert nicht nur an Sohle, sondern auch an anderen wichtigen Eigenschaften wie Stabilität, sprich es gibt Materialermüdung.

Was war deine Initialzündung dafür, Weitwanderer zu werden?

Eindeutig der Bedarf, die Gesundheit zu fördern und daneben die Liebe zur Natur. Später kam dann die Erkenntnis dazu, dass man nur auf diese Weise an Orte gelangt, die einem sonst verschlossen blieben.

Was ist die „Trail Magic“? Gibt es den Zusammenhalt unter den Mitwanderern?

Wenn es Mitwanderer gibt, gibt es sicherlich auch diesen Zusammenhalt. Es gibt einzigartige Begegnungen, welche so individuell sind wie der Weg, den man gewählt hat. Wenn Menschen sich auf einem langen Wanderweg finden, begegnen sie sich in einem Ausnahmezustand außerhalb ihres „normalen“ Lebens. Sie sind dann auch ganz nah an den eigenen Beweggründen, welche sie auf den Weg gebracht haben. Die sich daraus ergebenden Themen sind so vielfältig und bunt wie unsere Welt es zu lässt.

Was isst man auf so einer Weitwanderung? Wie viel Kalorien braucht man üblicherweise, wie viel auf solchen Wanderungen? Wie belohnt man sich?

Es gibt gewisse Grundregeln, aber die sind dennoch stark individuell bestimmt. Ich esse auf solchen Wanderungen industriell vorbereitete Trekkingnahrung. Die Hauptmalzeit wird nur mit kochendem Wasser aufgebrüht und fertig ist das Essen. Ansonsten sind es Müsli, Studentenfutter, Babyfertigbrei, Energieriegel und Suppe, die mich in der Hauptsache versorgen. So es die Infrastruktur zu lässt, wird in Ortschaften mit frischem Obst und Gemüse nachgelegt. Auf dem Weg sind es dann jedoch eher Nahrungsergänzungsmittel, die mir den Vitamin- und Mineralhaushalt im Gleichgewicht halten.

Üblicherweise braucht man um die 2000 Kalorien täglich. Auf einer solchen Wanderung erhöht sich der Bedarf je nach Belastung. Die meisten kommen nicht darum herum, ein paar Kilo des eigenen Körpergewichts zu verlieren. Der Bedarf erhöht sich, wenn man einen Durchschnitt überhaupt nennen kann, auf schätzungsweise etwa 3000 Kalorien. Tatsächlich hängt der Bedarf aber von einigen Parametern ab. Die tägliche Anzahl Kilometer sowie die zurückgelegten Höhenmeter, wie schnell man unterwegs, wie gut der Stoffwechsel. Irgendwann auf der Wanderung wird man auf jeden Fall abends auch mal mit Hungergefühl einschlafen.

Nach einem Wandertag besteht die Belohnung für den Kopf vor allem im Erfolgserleben und dem Erleben der Natur. Man kann sich nicht im üblichen Sinne belohnen auf einer solchen Wanderung. Du kannst dich am ehesten mit einem leckeren Tee und Füße hochlegen belohnen. Vor allem die Erholung und Entspannung sind wohl die größten Belohnungsmomente. Ein schönes Gespräch, resultierend aus einer Begegnung auf dem Weg oder abends in der Hütte, rundet so einen Tag dann ab.

Wie orientiert man sich? Kann man sich verlaufen?

Am besten orientiert man sich schon anhand einer guten Vorbereitung, so dass man eine annähernde Vorstellung über Gegebenheiten, Besonderheiten und Streckenangaben besitzt. Bei Fernwanderungen ist zum Beispiel auch das Anlegen vor Versorgungspunkten nützlich.

Die Wegzeichen, welche einem begleiten, gehören ebenfalls dazu. Heutzutage leisten Handys und entsprechende Apps sehr gute Hilfe bei der Orientierung. Allerdings darf man diese Technik nicht überbewerten und ist immer gut bedient, auch eine Karte oder ein zusätzliches GPS dabei zu haben. Wer mit Kompass und Karte zurechtkommt, ist auch gut dran. Denn der geht niemals die Batterie aus.

Aber auch sich zu verlaufen ist nicht unmöglich. Im Fall des Te Araroa ist das wegen der Wegzeichen und der Wegführung relativ unwahrscheinlich. Nicht zu unterschätzen ist allerdings das Wetter. Sobald dichter Nebel einsetzt und man befindet sich im freien Feld, kommt man um das Navigieren mit Handy oder GPS nicht herum. Im Wald und dichten Gelände gibt es oft nur ein Pfad und keine weitere Option, was die Gefahr des verlaufen sehr einschränkt.

Was ist das Schönste am Weitwandern?

Diese Frage kann ich natürlich nur für mich beantworten. Das Schönste ist zu erleben, wie der Alltag verblasst und der Körper sich ausrichtet. Es werden physisch wie psychisch die Zellen gelüftet. 24/7 in der Natur verändert alles. Stoffwechsel und Geist …. Die Natur wird ein Teil von mir und ich ein Teil von ihr. Begegnung bekommt einen nie zuvor erlebten Wert, vor allem dann, wenn man zuvor über mehrere Tage keinem Menschen begegnet ist. Deine Nahrung, die du selbst auf dem Rücken trägst, verdienst du dir sozusagen über jeden Wanderkilometer. Sie ist nicht nur existenziell, sondern auch aufs spezifischste nach dem eigenen Geschmack ausgewählt. Steckst du dir dann am Abend ein Stück Schokolade in den Mund, ist das weitaus mehr wie das Stück Schokolade, das man sich nach einem Arbeitstag gönnt.

Wie finde ich die richtigen Schuhe für mich?

Den richtigen, individuell für mich passenden Schuh finde ich, indem ich mich professionell beraten lasse. Eine gute Beratung ist nicht ganz einfach zu bekommen. Viel Erfahrung gehört dazu, gekoppelt mit dem Wissen über Füße, Schuhe, Gelände und Anspruch. So kann man grob sagen, dass für durchschnittliches Gelände und einen trainierten Fuß meist ein Trail-Halbschuh völlig ausreicht. Gerade bei einer langen Wanderung über viele Tage trainiert sich der Fuß dann auch selbst (Seitenstabilität) und diese Chance darf man ihm geben. Ich tue es jedenfalls und immer mit großer Zufriedenheit, denn es baut sich schnell die entsprechend benötigte Muskulatur auf.
Ein Halbschuh ist auch um einiges leichter vom Gewicht, ein Schuh ohne Membran zudem noch viel schneller getrocknet als der mit Membran. Als Entspannungsschuh (Zweitschuh) kann man sich eine leichte Sandale gönnen. So hat man gegebenenfalls auch einen Ersatzschuh zur Hand (z.B. nach einer Flußquerung) und muss in den Wanderpausen nicht auf Schuhe verzichten. Schuhe brauchen auch eine Regenerationszeit von etlichen Stunden bis zum nächsten Einsatz (Trocknen über Nacht z.B.).

Wie behält man die Nerven, wenn es scheinbar aussichtslos ist? Wie kommt man mit der Einsamkeit zurecht?

Eine gute Frage! Ich behalte die Nerven dadurch, dass es keine Alternative gibt als die, sie zu behalten. Es ist Kopfsache und das eigene, erworbene realistisches Wissen darüber, was geschehen kann, wenn ich die Nerven nicht behalte. Angst lähmt, sie nimmt uns Energie, die wir gerade in solchen Situationen sehr nötig brauchen. Also blende ich in scheinbar aussichtsloser Situation die Aussichtslosigkeit aus. Sorge so dafür, handlungsfähig zu bleiben.
Dafür hat jeder so seine mentalen Hilfsmittel. Bei mir ist es eine Art Ignoranz gegenüber all dessen, was die Situation noch verschlechtern könnte. Eine innere Ausrichtung darauf, was getan werden kann, denn etwas ist immer möglich.

Die Einsamkeit…..ich glaube, dass wenn man wohl dosiert mit dem Weitwandern startet, es so etwas wie Einsamkeit nicht gibt. Es ist das Alleinsein, welches einen begleitet und die unterscheidet sich wesentlich von Einsamkeit. Selbst in Gesellschaft kann man sich einsam fühlen, wenn die Menschen um einen herum negativ eingestellt sind.
Ein gut vorbereiteter Weitwanderweg dagegen kommt keiner schlechten Gesellschaft nahe. Selbst wenn ich meine einzige Gesellschaft bin, dann bin ich doch nur alleine, aber nicht einsam.
Einsamkeit kann jedoch - und ich habe sie auch schon erlebt - in einer Situation entstehen, in der wir Angst entwickeln und hilflos sind ….. Für mich ist ein effektives Mittel gegen Einsamkeit das Weinen und mein fester Glaube an eine schützende Hand, die über uns wacht. Manchmal hilft dann wie in Kindertagen schon mein steter Begleiter, der Teddy
😊

Ist das wandern alleine intensiver, ist man offener für die Eindrücke?

Definitiv ist es intensiver, weil man komplett im eigenen Erleben ist. Alles, was wir in dieser Zeit tun mit all seinen Folgen, liegt vollständig in unserer eigenen Hand.
Die Eindrücke landen unbeeinflusst einer anderen Betrachtung direkt bei einem selbst. Es findet keine Beurteilung außer der eigenen statt. Man erlebt sich selbst in seinen Wertungen, in den Gefühlen, in der Einzigartigkeit des Moments.
Ob man offener für Eindrücke ist, will ich so nicht sagen. Aber es ist anders, als wenn man sich zu zweit oder in einer Gruppe den Eindrücken nähert. Dann findet Austausch statt und das eigene Erleben der Eindrücke wird eine Gemeinschaftsansicht. Beides hat seine Vorteile und Eigenheiten.

Wie schützt man sich vor Verletzungen? Was geht man ein, was lässt man lieber sein?

Durch Achtsamkeit, unter Umständen auch, indem man sich, wenn die Gefahr für Verletzung wächst, mit anderen zusammen tut. Was geht man ein, was lässt man sein, das ist sehr individuell. Man sollte immer die Natur und das Wetter im Blick behalten. Speziell in Neuseeland würde ich sagen, wer dort wandern geht, sollte sich mit einem Rettungssender ausstatten (kann vor Ort geliehen werden).. Ich selbst hab es, wie etliche andere, nicht getan, was definitiv ein Fehler war. Allerdings habe ich mich in entsprechenden Situationen mit Leuten zusammen getan, die über ein solches GPS verfügten.

Was ist positiv am Wandern?

Durch die relativ geringe spontane Belastung ist Wandern ideal, um das Herz-Kreislauf-System zu stärken, die Ausdauer wird trainiert und die Atmung verbessert. Der zusätzliche Kalorienbedarf fördert den Stoffwechsel. Darüber hinaus wirkt sich Wandern positiv auf die Psyche aus.

Man darf allerdings nicht glauben, dass durch eine Wanderung Probleme, die sich über Jahrzehnte angesammelt haben, einfach auflösen lassen. Das ist ein Irrtum, den so mancher unbedarfter „Jakobsweg-Wanderer“ begeht. Die Konfrontation mit sich selbst – man hat täglich viele Stunden zum Nachdenken dafür – kann fatal sein.

Doch wer diesen Schritt wohlüberlegt und vorbereitet geht, wird vermutlich feststellen, dass er es gar nicht abwarten kann, bis es wieder los geht.


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