Weitwandern für einen guten Zweck

Texte vom Wegesrand

Fernwandern bedeutet immer auch, Menschen zu treffen. Überwältigende Gastfreundschaft, hilfsbereite Einheimische (Trail Angels) und Mitwanderer, die alle ihre eigenen (spannenden) Geschichten zu erzählen haben. Diese Begegnungen sind die Würze, der eigentliche Schatz des Weitwanderns neben dem Naturerlebnis und der Freude am Ende, es trotz oder gerade wegen aller Höhen und Tiefen während einer so langen Wanderung geschafft zu haben. Das Ziel ist im Moment noch fern, aber die ersten Begegnungen haben das Trampen auf dem TA schon bereichert.


Tag 17, Sonntag der 8.12.2019; Nelson

Nach einer sicher und gut geschlafenen Nacht startet der Tag mit dem angesagten Starkregen. Es geht heftig zur Sache mit den Überflutungen und betrifft die komplette Südinsel. Etliche von den wenigen Strassen, die es hier gibt, sind gesperrt. So ist derzeit von Queenstown nach Christchurch kein Durchkommen möglich! Ich hoffe sehr, die Situation entspannt sich bald wieder.

Mehr Sorge haben wir da im Moment aber wegen der drei jungen Männer, die quasi zwischen uns die wi,r mit dem Heli rausgeholt wurden, über den Waiau Pass gegangen sind. Der rückseitige Abstieg ist sehr, ser steil und die Frostgrenze liegt noch immer unter 1000 m.

Zwei Tage zuvor musste ein junger Mann aus Irland, der auch einen Notfallsender hatte, mit dem Heli herausgeholt werden.

Die Drei dagegen, ein Franzose, ein Engländer und ein Deutscher, die haben keinen Sender bei sich und nun bitte ich auch euch, ganz doll die Daumen zu drücken, dass sie es geschafft haben, sich in einer Hütte in Sicherheit zu bringen. Leider war es eine extrem lange Strecke über den Pass zur nächsten Hütte, ca. 8 Std. Wir hoffen das Beste und dass Schutzengel um sie sind.

Mein Tag war gefüllt mit Wäsche waschen und Ausrüstung in Ordnung zu bringen. Meine Regenhose zu flicken und die Vorräte an Essen aufzufüllen. Immerhin eine 8 km Wanderung ins Stadtzentrum und davon ein paar Eindrücke für euch.

Schön dass es nun Abend ist


Tag 16, der 7.12.2019; Rettung per Helikopter

Richtig viel und gut geschlafen, es fühlt sich erholt an in Körper und Geist. Ein Kaffee steht schon neben mir, frisch ist es in der großen Hütte, die immerhin Platz für 16 Leute bietet (es kommt nicht selten vor, dass hier TA-Wanderer mehrere Tage auf besser Wetter warten müssen, um über den Pass zu kommen). Wir können es heute ruhig angehen lassen und mit etwas Glück sind die Wassermassen auch nicht mehr ganz so gewaltig wie die letzten Tage.

Jetzt, einen Tag später, kann ich sagen, es kam komplett anders!!

Das junge Paar, mit dem ich ab der Lakehead Hütte bis hier zur Blue Lake Hut gewandert bin, hat für sich entschieden, noch einen Versuch zu unternehmen, um über den Pass zu gelangen. Das Wetter ist OK, kein Regen und wir sind gut erholt obendrein.

So entscheide ich mich dafür, die Beiden zu begleiten. Die ersten zwei Stunden des Weges kennen wir ja schon vom Tag zuvor. Es lässt  sich super an und wir kommen trockenen Fußes vorwärts.

Mit steigender Höhe wird der Pfad aber immer schlechter und verschwindet schließlich wieder im See. So müssen wir uns durch das wilde Grasgelände am Hang einen Weg suchen. Steil ist es und unter uns der See Constance. Ich gehe als Letzte in der Reihe und es ist extrem anstrengend mit all dem schweren Gepäck auf dem Rücken. Schließlich sind noch etwa 500 Meter zu überwinden, als es anfängt zu regnen. Der Regen verwandelt das Gelände innerhalb kürzester Zeit in eine sehr rutschanfällige Passage.

Philip steigt als Erster ab und kommt nach einem kleinen Stück schon ins Rutschen. Erst etwa 7 Meter unter uns kann er den Sturz abfangen. Leah will ihm folgen und gleitet aus, rutschte die sieben Meter ohne Halt zu finden hinunter. Sie versucht zu bremsen, doch letztlich wird sie nur durch ihren Freund gestoppt.

Ich versuche die Ruhe zu bewahren und einen anderen Abstieg zu finden, viel Möglichkeiten gibt es jedoch nicht. Ich gelange etwa drei Meter nach unten, als es auch mir die Füße wegzieht. Mich stoppt nach vier Metern - keine Ahnung, welcher Schutzengel da geholfen hat - kurz vor der etwa 2 m hohen Klippe ein Felsvorsprung, sonst wäre ich direkt im See gelandet. Die Situation geht uns im strömenden Regen durch Mark und Bein.

Mit mehr als äußerster Vorsicht überwinden wir die restliche Strecke, von der wir dann auch noch einige Meter im bis zu den Oberschenkeln  reichenden eiskalten Wasser zurücklegen müssen. In kürzester Zeit kriecht die Kälte nach der Anstrengung in uns hinein. Wir suchen im Talende auf einer Anhöhe Schutz, um schnellstens unsere Zelte aufzuschlagen und den nächsten Tag abzuwarten.

Und genau in dem Moment kommt das erste Gewitter über den Bergkamm daher und sorgt für noch mehr Unsicherheit bezüglich Blitze und Zelt. Ich sage zu den beiden anderen, egal wie, wir müssen ins Trockene. Die Zelte sind der einzige Weg, um trocken und warm zu werden.

Ich persönlich kann meine Zehen schon nicht mehr spüren. So muss es sich anfühlen, wenn einem die Zehen abfrieren. Ich muss mein Zelt aufstellen, so lange ich mit den Händen noch etwas tun kann, denn auch die sind steif von der Kälte.

Schnell hinein mit Sack und Pack ins Zelt, Schlafsack raus und die nassen Klamotten runter. Rein in den Schlafsack mit allen noch trockene Klamotten, dicht ran an den Körper. Koche mir auch sofort noch einen heißen Tee und nach einer halben Stunde geht es den Umständen entsprechend gut. Für den Moment jedenfalls, denn draußen tobt der Gewittersturm! Ich fühle ich mich in meinem Leichtzelt sicher und warm, bis auf die Füße. Die brauchen extrem lange, um wieder ins Leben zu finden. Zweimal musse ich raus, um das Zelt im Sturm noch einmal besser zu sichern. Das ist in dem Gelände nicht ganz einfach, denn mit jeder Schritt nach draußen - barfuß versteht sich – versinkt man sofort bis zu den Knöcheln im Untergrund. Der Hagel trägt auch nicht gerade zu einem wärmeren Untergrund bei. So wird es ein ständiges Füße erneut trocken und warm bekommen.

Mitten im Sturm kommt der junge Mann herüber und berichtet, dass es seiner Freundin nicht gut ginge mit all den Erlebnissen und sie wollen den Helikopter mit ihrem Notfallsender rufen. Wir einigen uns darauf, zusammen im Zelt noch etwas abzuwarten. Zumal nicht sicher ist, dass ein Helikopter überhaupt kommen könnte bei den Bedingungen. Das wäre auch für die Besatzung ja ein großes Risiko, zumal wir trocken und für den Moment auch sicher sind.

Später wird das Wetter etwas besser, es klart auf und wir besprechen alle Optionen. Letztlich müssen wir uns eingestehen, dass es weder ein „über den Pass“ geben konnte, noch ein Zurück zur Hütte. Unser Wetterbericht war etliche Tage alt und wir wussten, der Sonntag wird gar nicht gut. So setzen wir, um der Sicherheit willen, den Helikopter Notruf ab. Danach bauen wir die Zelte ab, verstauten alles in unseren Rucksäcken und warteten auf die Ankunft der Retter.

Ich kann an dieser Stelle nur das beherzte und professionelle Vorgehen der Besatzung des Helis betonen und in den Vordergrund rücken. Das sind außergewöhnlich tapfere und mutige Männer, die ständig im Einsatz um das Leben Anderer unterwegs sind. Ich fühle Dankbarkeit, aber auch Bewunderung.

Sie brachten trotz widriger Bedingungen den Heli sicher runter und packten uns ein. Fragten noch, ob wir zur Hütte zurückwollten. Wir antworteten allerdings einstimmig: „Nein“! Nur ganz raus aus dieser Wasserhölle!“

So nahmen sie uns kurzerhand mit nach Nelson. Dort sind wir jetzt in einem Hostel und erholen uns. Ich für meinen Teil muss nun einiges neu zu planen.

So spektakulär die Sicht aus dem Heli hinunter auf die Landschaft auch war und ich den 45-Minuten Flug genossen habe: der Blick hinunter lies klar und deutlich erkennen, wie erheblich das Ausmaß der Überschwemmungen tatsächlich für diesen Teil der Südinsel ist. Inzwischen weiß ich auch, dass es über den Te Araroa auch weiter südlich kein Vorankommen geben wird. An allen Seen, an denen ich Unterkünfte gebucht habe, ist Land unter. In Queenstown müssen sogar Teile der Stadt evakuiert werden.

Ich muss also sehen wie es weiter gehen kann. 2 Tage werde ich hier in der Nähe von Nelson noch sein und dann an der Küste zumindest einen einfachen Trail entlang Richtung Greymouth gehen. Von dort versuche ich per Zug oder Anhalter nach Arthur's Pass zu kommen. Diese Tage werde ich noch mit dem jungen Paar aus USA verbringen.

Es gibt aus diesen letzten Tagen nur ein paar Bilder, von der Helikopter Rettung gar keine aber es wird sich für den Weiterweg wieder ändern.


Tag 15, der 6.12.2019;  Blue Lake Hut

Heute ist der Geburtstag meiner Mom, die seit 2011 in die Reihen derer eingetreten ist, die am Himmel als heller Stern funkeln.

Sehr früh aufgestanden, weil es ein langer Tag werden sollte. Vom Blue Lake über Lake Constance und dann hinauf zum 1870 m hohen Waiau Pass....so der Plan!

Es sollte anders kommen, wir erwarteten den besten Tag der Woche, aber statt dessen regnet es. Dennoch brechen wir auf. Nicht lange und die Füße sind wieder nass und kalt. Die zunehmende Höhe bringt noch mehr Kälte und Wind. Der Pfad ist sehr anspruchsvoll (steil und alpin) und auch hier haben die Regenfälle ihre deutlichen Spuren hinterlassen. Am See vor dem endgültigen Passanstieg ist der Trail dann komplett im angeschwollenen See verschwunden. Der Umweg über den steilen Hang durch das störrige, lange Gras ist schier unmöglich. Zumal schon die Füße und Hände ganz kalt sind. Kann nicht mal mehr das Handy für ein Foto bedienen.

Nach reiflicher Überlegung kehren wir um und kmmmen nach 4 Std. wieder an der Hütte an. Wir werden die Nacht hier verbringen, ausruhen und morgen auf einer anderen Route nach Saint Anaud zurückkehren .

Es tut ganz gut nach, doch etlichen Tagen durch die Wildnis, die Beine mal für etliche Stunden freie Zeit hoch zu legen und still zu halten. Ganz schön ramponiert muss ich feststellen. Erst die Sandfliegen die mein Blut wohl schmackhaft fanden. Dann etliche Kontakte mit Ästen und Felsen haben für reichlich Blutergüsse gesorgt. Es ist so schade, dass natürlich mit dem schlechten Wetter auch die Sicht erheblich eingeschränkt wurde. Ich kann euch von unglaublichen Wassermassen erzählen, die mit ohrenbetäubendem Getöse zu Tale rauschen. Darinnen das Schlagen der Felsen und Steine aneinander. Wie klein wir doch sind und wie schwach gegen die Naturgewalten.

Hier knistert das Feuer im Ofen und für die nächsten Tage ist noch mehr Temperatur Rückgang gemeldet. Ab 800m Frost, wir sind auf knapp 1200. Morgen allerdings geht es ja raus aus der Wildnis und auch aus dem sehr alpinen Bereich.


Tag 14, der 5.12.2019; Blue Lake Hut

Die Gruppe startet früh um 6.30 Uhr. Es erwartet uns ein nasser Morgen nach Dauerregen die Nacht über. Der Anstieg auf den Travers Saddle und hinunter zur West Sabine Hut dauert 6 Std. mit permanent nassen Füßen. Es gibt sogar ab und zu Sonne, allerdings gemischt mit heftigem Wind. Es ist ein anspruchsvolles Wandergelände und in den Flüssen (zuvor nur Bäche) unglaublich viel Wasser. So richtig bekommen wir das allerdings erst nach der Mittagspause zu spüren. Aus den drei geplanten Stunden werden 4,5 Stunden.
Der Pfad ist oft einfach weggespült, Bäume entwurzelt und ein Durchkommen heftig schwierig und nicht ungefährlich. In der Gruppe ist man da schon sicherer und so kommen wir ohne Verletzungen mit ein paar dreckig und nassen Klamotten in der Blue Lake Hut an. Sind froh, es geschafft zu haben  und der Ofen spendet Wärme, wohltuend und entspannend 😊.


Tag 13, der 4.12.2019, Upper Travers Hut

Nach gut erholsam geschlafener Nacht gehen ein Paar aus den USA, ein Engländer, ein Deutscher und ich auf den Weg. Es sollte durch das Hochwasser eine sehr anstrengende Wanderung werden. Am Vormittag bleiben wir vom Regen verschont, haben allerdings extrem viele Flussläufe zu furten. Das ist zum Teil sehr anspruchsvoll und wir halten uns immer zu dritte in einer Reihe fest aneinandergeklammert. Alleine wäre es für mich nicht machbar gewesen. So aber in der großen Gruppe bleiben alle zusammen und helfen gemeinsam die Flüsse zu queren.

Kurze Rast nach 5 Std. in der John Tait Hut um die Füsse aufzuwärmen und heißen Tee mit kleiner Mahlzeit zu sich zu nehmen.

13.30 Uhr, es regnet inzwischen in Strömen und wir sind wieder auf dem Weg. Mindestens 3 weitere Stunden sind es bis zur Upper Travers Hut. Den kompletten Tag heute in nassen Schuhen und mit zunehmender Höhe wird das Wasser immer kälter. Ich fühle meine Füße kaum noch und stehen bleiben geht gar nicht. Es wird schließlich neben den Richmond Ranges der schwierigste Tag bisher. Nichts desto trotz, geht es mir gut und wir sitzen nun in einer warmen Hütte. Bin satt und zufrieden, eine beachtliche Leistung wie ich finde. Bilder gibt es wegen des heftigen Wetters nur ganz wenige. Wie gesagt, stehen bleiben ging gar nicht.

Es ist erst 18 Uhr, aber dennoch werde ich mich hinlegen, sobald mein Tee getrunken ist. Die Beine lang machen und einfach liegen – wie herrlich so einfache Dinge doch sein können. Bin dankbar für diese Erlebnisse, die ganz besonders für mich sind.


Tag 12 Dienstag der 3.12.2019; Lakehead Hut

Die jungen Leute haben mich mit nach St Arnaud genommen, so dass ich ein paar Dinge erledigen kann. Die Flüsse sind dermaßen angeschwollen und der Campingplatz beinahe komplett unter Wasser, zelten unmöglich.

Will versuchen im Infocenter die Lage am Trail zu erfragen, um das weitere Vorgehen zu planen. Der Regen hat jetzt gegen 13 Uhr etwas nachgelassen. Es ist schon sehr besonders, wenn man so komplett nur zu Fuß und ohne sein Schneckenhaus (Campercar) unterwegs ist.

Im Visitorcenter konnte ich dann das erste Mal mit der neuen Pin für meine Kreditkarte meine Sachen bezahlen. Habe mir einen Hütten-Pass gekauft, denn wenn das Wetter so instabil ist, braucht es auf die Nacht ein festes Dach.

Der Regen hat gegen Nachmittag nachgelassen und die Dame im Center meinte, es dürfte kein Problem auf dem Weiterweg geben.

Weit gefehlt! Doch der Reihe nach: Zunächst zurück zum Campingplatz, dort standen alle meine Sachen. Während des Zusammenpackens kam ein Paar aus Chile an, um etwas zu kochen. Wir unterhielten uns und sie waren der Überzeugung, bei dem Wetter solle ich doch lieber bleiben und mit ihnen essen. Das roch so lecker, einfach unwiderstehlich. Es war so nett mit den Beiden, ich musste noch bleiben.

Nichts desto trotz ging ich um 16 Uhr noch auf dem Weg entlang des Sees zur Lakehead Hut. Der Weg war oft ein kleiner Bach und die kleinen Flüsse, die es zu queren galt, waren zum Teil zu reißenden Fluten angeschwollen. Das war zum Teil sehr gefährlich, durch die an den Beinen zerrenden Wassermassen über den schlüpfrigen Flussboden zu waten.

Etwa 19 Uhr dann Ankunft in der Hütte, einer großen mit ca. 28 Schlafplätzen. Drin gab's gleich ein ordentliches Hallo, denn es waren 6 junge Leute aus USA und Australien schon einen Tag dort. Der starke Regen machte auch für sie ein Weitergehen unmöglich. Es war warm und es gab ein Platz zum Klamotten trocknen bzw. Schuhe und Füße. Bin so froh, dass ich noch keine Blasen bekommen habe bei den vielen nassen Füßen über Stunden und Kilometer.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kamen noch zwei Wanderer an. Ein Engländer und ein junger deutscher Mann aus Stuttgart. Gemeinsam werden wir morgen sehen, ob ein Weiterkommen möglich ist. Die waren sehr froh, dass sie heute aus den Richmond Ranges raus gekommen waren. Gestern mussten wohl zwei Wanderer mit dem Hubschrauber herausgeholt werden. Sie waren beim Furten zwischen zwei Flüsse geraten und kamen nicht mehr weiter. Mein Gefühl hatte mich also nicht betrogen, als ich gestern Nachmittag auch direkt raus bin aus diesen Bergen.

Nun einfach nur noch schlafen.....

Noch vor den neuen Berichten: Tag 17, der 7. Dezember; Helikopterbergung wegen Schlechtwetter

Genaues ist noch nicht bekannt, aber Andrea ist wieder in der "Zivilisation". Die letzten Tage war das Wetter sehr schlecht und die Wegqualität durch den Nelson Lakes National Park hatte sich dramatisch verschlechtert. Mark Weatherall, Leiter des Te Araroa Trust, hatte daher insgesamt 5 Vermisstenmeldungen in den letzten zwei Tagen. Zwei davon wurden per Helikopter gerettet - darunter auch Andrea. Eiseskälte, andauernder Regen, Schneefelder und heftig angeschwollene Bäche verhinderten das Vorwärtskommen. Im Moment erholt sie sich 200 km Luftlinie nördlicher in Nelson an der Tasman Bay in einem Hostel.

Noch vor den neuen Berichten: Tag 16, der 6. Dezember; Malborough County, Nelson Lakes National Park

Die Strecke nach dem schön an einem See gelegenen Ort St. Arnaud ist der einsamste Teil der Südstrecke. Langestreckte Flußtäler wechseln mit hohen Pässen ab, die einen ins nächste Tal leiten. Die Handyverbindung ist in diesem menschenleeren Gebiet des Richmond-Gebirges nur selten verfügbar. Zusätzlich gibt es keine Steckdose, wo man mal sein Handy aufladen kann.

Nach St. Arnaud geht es den Traver River entlang, bis der Te Araroa zum Sabine River wechselt. Dieses Tal führt hinauf zur schön gelegenen Blue Lake Hut (1338 m). Von hier geht es zum höchsten Punkt des gesamten Te Araroa: der Waiau Pass ist 1870 m hoch und kann auch im Sommer zugeschneit sein. Seine Überquerung bietet fantastische Ausblicke auf die umgebenden 2000er - allerdings nur, wenn das Wetter es zulässt. Vom alpin-felsigen Waiau Pass geht es fast 30 km lang den Waiau River hinab bis zum Zusammenfluss mit dem Ada River.
Schon aus dieser Wegbeschreibung kann man ablesen, wie oft Bäche und Flüsse gequert werden müssen in diesem menschenleeren Gebiet. Hier ist der Te Araroa zum Teil der einzige Weg durch die urwüchsige Natur.

Entlang des Boyle Rivers geht es wieder zu einem niedrigeren Pass, nach dessen Überquerung Andrea dann Boyle Village erreicht (kleine Ansiedlung). Spätestens da sollte sie sich wieder melden können. Bis dahin ist Sie dann bereits 364 km des Te Araroa gewandert.

Tag 10, der 1. Dezember; Mt. Richmond Forest Park, Richtung Athur`s Pass

Eine der schönsten Dinge beim Weitwandern ist gewiss die einfache Struktur des Wanderalltags. Es sind im Grunde genommen drei große Abschnitte: Essen, Laufen und Schlafen. Es gibt nicht viel mehr zu tun an solch einem Wandertag und so konzentriert sich das Wanderleben auf die essenziellen Dinge des Lebens: Nahrung, Bewegung, Schlaf – und das Erlebnis, sich durch eigene Körperkraft jeden Tag ein Stück weiter auf der Landkarte bewegt zu haben. Man wird nicht abgelenkt durch Handy oder Laptop, Fernseher oder einen Anruf, sondern kann sich vollkommen auf die Landschaft und auch die kleinen Wunder am Wegrand konzentrieren.

An den Pausentagen wird einem intensiv bewusst, wie bequem das Alltagesleben zu Hause in vielen Dingen ist. Kein tägliches Filtern des Trinkwassers. Und wenn man Hunger hat, kann man einfach in den Supermarkt gehen.
Dennoch ist die Einfachheit des Wanderalltages durch nichts zu ersetzen. Entweder alleine oder mit freundlichen Mitwanderern erfährt man sich selbst und die Natur so unmittelbar, wie es auf keine andere Weise möglich ist.

Heute ist der 13ter Geburtstag meines Patenkinds und der 2te Todestag des Vaters meines ältesten Sohnes. Ein besonderer Tag also heute und wenn ich es mir recht betrachte, wird auch der Weg heute ein solcher werden.
Zunächst aber ein eher schmales Frühstück, denn ich muss etwas haushalten und viel wichtiger ist, am Abend eine ordentliche Portion zu haben. Damit man ruhig durchschläft und nicht vom knurrenden Magen geweckt wird. Wobei zu Hause eine „ordentliche Portion“ locker meist das Doppelte ist wie hier.

Es ist 4.30 Uhr, sehr ausgiebig und erholsam geschlafen. Der übliche Wandermorgenalltag und sobald es hell wird möchte ich los. Da außer mir niemand in der Hütte ist, stört das frühe Aufstehen auch nicht.
Es wird ein weiter Weg heute, hinüber über den Mt. Ellis mit 1615m und danach wieder durch Wald mit einigen Fluss Überquerung ein stetiges hinunter.

5 Stunden später: 11 Uhr, Mittagspause in der Hunter Hut bei Regen, Wind und Wolken. Mein lieber Scholli, so nasse, kalte Füße hatte ich ewig nicht, brrrr was ein Wetter. Die Kamera musste tief in den Rucksack, durch den Wind kroch die Nässe überall rein. Stehenbleiben ging auch nicht, ruck zuck war man durchgefroren. Die Landschaft sehr spektakulär, zumindest das wenige, was zu sehen war. Diese Flusstäler sind gigantisch und die Spuren des vergangenen Winters noch deutlich zu erkennen.

Der Ofen in der Hütte trocknet die Sachen wärmt etwas die kalten Füße.
Nach der Mittagspause geht es und wie es aussieht wohl trocken weiter, zumindest obenrum. Der Tee und das trockene Brot schmeckten wie selten so gut.

Der Nachmittag bleibt bis auf wenige Tropfen trocken und die Gegend ist unglaublich faszinierend. Durchquere etliche Flusstäler, in denen natürlich die Naturgewalten des Wassers so richtig sichtbar sind. Unterschiedlich gefärbter Gesteinschotter bis feinsandig Flächen lassen kahle Hänge besonders hervortreten. Die gehörnten Gesellen begegnen mir immer wieder.

Als ich 18 Uhr an der wunderschön gelegenen Hütte ankomme, ist für diesen Tag die Grenze erreicht. Mein Körper sagt mir, dass ich diesen Punkt nicht überschreiten sollte.
Ich bin für meinen Körper zu schnell unterwegs und muss da eine Lösung finden. Der Start des langen Weges mit der Erkältung war nicht optimal. Gestern meldete sich dann auch die linke Schienbeinsehne. Ok, habe sie zusätzlich auch noch ein wenig mit einer Schürfwunde im Kampf gegen den toten Wächter aus der anderen Welt geärgert. Mal sehen wie das sich die nächsten Tage auswirkt.
Heute jedenfalls erst mal die Rückkehr in ein klein wenig Zivilisation, um auch das erste Futterpaket entgegen zu nehmen. Tatsächlich kam es gerade so hin mit der Menge Lebensmittel über die vergangenen Tage. Üppig war es nicht, aber ich erinnere mich an August mit seiner spartanischen Kuskus-Variante.
Die Porters Creek Hut auf einer Höhe von 900m  ist wie alle bisherigen eine einfache 6 Kojen Hütte mit Ofen, Wasser Zugang und Plumpsklo im Wald. Es genügt und ich bin froh, dass es diese Option noch gibt. Nach einem so langen Tag ist es schön, sich nicht ins Zelt drücken zu müssen. Zumal es am nächsten Morgen doch alles heftig nass ist. Ihr seht, bin doch auch verwöhnt und anspruchsvoll 😀.


Tag 9 - Sa. 30. November 2019

5.30 Uhr und die Vögel zwitschern wie wild. Das kleine Schwalbenpaar unterm Dach hat eben begonnen, seine drei Jungen mit Frühstück zu versorgen 😊
Der See neben der Hütte liegt ganz still und der junge Mann aus Dänemark schläft auch noch. Der ist unglaublich minimalistisch unterwegs, dagegen bin ich tatsächlich noch königlich ausgestattet 😁
Er isst jeden Tag mit kaltem Wasser angerührten Kuskus, gutes Öl rein, paar Nüsse und zum Nachtisch Schokolade. Meins wäre es nicht muss ich zugeben – zu wenig bei der Anstrengung jeden Tag.
6.30 breche ich in den noch jungen Tag auf. Es geht heute viel durch den Zauberwald. Der zeigt sich heute von seiner anderen Seite. Stellt euch vor, erst will so ein übler Raketenwurm - die lauern da überall in den Bäume - sich meinen Fuß schnappen und festhalten. Danach greift mich einer der stummen Wächter an und verletzt mich am Arm. Ehrlich hab nix gemacht, wollte nur dran vorbei. Schließlich hab ich kleinbeigegeben, denn gegen Dutzende dieser Sorte hab ich keine Chance 😅. Der Wald ist echt dicht und der Weg schmal!

Als dann ein erster, ne nicht Fluss, eher noch Bach kommt, denke ich mir: Wie mache ich ein tolles Foto. Wutsch, saß ich bei dem Versuch für das Foto auf dem Hosenboden und bekam einen nassen Hintern. Das wäre ja noch ok, aber kommt nicht ein Wassertroll und nimmt den versehentlich losgelassen Wanderstock mit bis zur nächsten, tieferen Wasseretage.
Ich Rucksack aus und in den Bach geklettert, schön vorsichtig mich angeschlichen und dem Troll den Stock wieder entrissen. Die Landschaft versetzt einen einfach in die Welt von J.R.R. Tolkien und seine Mittelerde.

Bald darauf kommt die erste echte Flussquerung. Boahhh spannend, ein Fuß vor den anderen setzen und mit den Stöcken den Halt sichern. Bin ich froh, dass das Wetter so toll ist. Wenn der Fluss richtig Wasser führte, dann gute Nacht.

Es folgen neun weitere Flussquerungen an diesem Tag. Also ein Stück Wanderung auf der einen Seite und ein Stück weiter auf der anderen Seite usw.
Dazwischen Ausblicke auf spektakuläre Wasserfälle und Pools, eine tolle Wanderung die Schlucht hinauf bis zur Baumgrenze.

Da bin ich nun in der Top Wairoa Hütte und es ist 16.00 Uhr. Werde über Nacht bleiben und es mir gemütlich machen.
Spüre die Beine, das sind die Nachwehen von gestern. Heute kann ich es sagen: Gestern wollte ich aussteigen. Himmel war das ein übler Abstieg von 1700m auf ca.1200m. Extrem steil und geröllig. Mir taten so sehr die Knie und ich habe mich nen bissel gezerrt bei den Schottersurfmanövern.
Über Nacht erholt sich zum Glück alles wieder.


Tag 8. - Freitag 30. 11.

Richtig lange geschlafen. Habe während der Nacht ab und zu durchs Fenster den wundervollen Sternenhimmel beobachtet. Hier oben stört keine Lichtglocke über einer Stadt die Sicht. Der Wind hat sich gelegt und jetzt in den frühen Morgenstunden (4 Uhr), erlaube ich mir den, kleinen Ofen zu befeuern. An Brennholz besteht kein Mangel und Socken nebst T-Shirt sind nicht ganz trocken geworden über Nacht.

Nachdem ich gemütlich gefrühstückt habe marschiere ich dann bei Tagesanbruch früh los. Muss ja den Abstecher ins kleine Tal zur Hütte nun wieder nach oben auf den Kamm und zu TA zurück gehen.
Bin gespannt, wie sich der Tag heute entwickelt und freue mich auf neue skurrile Altholzgestalten 😊 und vielleicht ein paar tierische Begegnungen. Von dem einzigen auf dem TA wandernden Paar aus Holland habe ich nach einer gemeinsamen Nacht nur noch einen Hütten Eintrag gelesen. Mal sehen ob, sie noch auf dem Weg sind. Sie machten einen recht unerfahrenen Eindruck und der Weg fordert Ausdauer. Ausserdem sahen ihre Rucksäcke deftig schwer aus. Spätestens heute müsste ich von ihnen lesen, es sei denn sie können fliegen, was wir nicht hoffen.
Diese Ziegen auf den Bildern, sie leben hier tatsächlich wild, hab extra mal nach dem Knopf im Ohr Ausschau gehalten 😁.

Nach anstrengender Wanderung neigt sich schließlich der Tag zur Neige. Die felsige Route über den Mt. Rintoul hatte es in sich. Das Wetter war Gott sei Dank super schön, bei schlechten Wetter gar nicht machbar. Bin 12 Std. gewandert heute und habe doch nicht wirklich Kilometer gemacht. Dafür aber wieder einen Zauber Wald genossen.
Wie Wächter aus einer anderen Welt säumen die Kreaturen aus Todholz den Weg. Mystisch und reizvoll - ich liebe Wald und jetzt hier noch viel mehr.
Bin sehr müde und keine Muße, noch viel zu erzählen. Heute seit Tagen zum ersten Mal wieder Gesellschaft in der Tarn Hütte. August ein junger Mann aus Dänemark, er ist tatsächlich in Sandalen unterwegs. Ich drücke ihm die Daumen, trainiert hat er nicht - wenn das mal gut geht.
Heute hatte ich richtig viele Begegnungen. Eine Gruppe junger Leute aus Nelson, mit einem Jackrussel namens Mus 😀. Der hatte einen coolen Platz auf dem Rucksack.


Tag 7, der 28. November; Mt. Richmond Forest Park, Old Men Hut

Als ich um 6 Uhr aufstehe, muss ich festzustellen, dass es auf 1000 m Höhe doch recht frisch wird in der Nacht.
Um 7 Uhr bin ich dann schon auf dem Weg zur Slaty Hut, 3 Std, wo ich Pause mit Essen und Trinken mache. Hier oben in den Bergen gibt es nur jeweils an den Hütte Wasser. Es ist also nicht 100 % sicher, dass Wasser gibt. Dies bedeutet, dass immer eine Ration auf Vorrat mit dabei sein muß.
Der Weg führte bis hier hin steil, bisweilen sogar alpin im Auf- und nur wenig Abwärts. Über Geröllfelder und dann wieder dichten Zauberwald, wie ich noch nie einen gesehen habe. Um die Hütte offenes Gras und Gestrüpp.
Plötzlich war mir, als brüllte ein Puma, schaue mich suchend in der Landschaft um. Da wieder..... "es war aber doch nur mein Bauch".😁

Allerdings gab es rings um mich in den Büschen auch sehr seltsame und mir nicht bekannte Tiergeräusche.
Um ca. 11 Uhr bin ich wieder auf dem Weg in Richtung Old Men Hut. Diese Hütte liegt zwar abseits des Weges, aber um zur nächsten Hütte zu gelangen, wird es zu spät und zu anstrengend. Ich spüre meine Waden von gestern und merke, der Körper braucht Ruhe. Zum Weg glaube ich, muß ich nicht viel sagen, die Bilder zeigen es. Steil, bisweilen ausgesetzt, dabei ordentlich windig. Der Wald sehr mystisch und manchmal hatte es den Eindruck, als ginge es geradewegs durch eine Kunstausstellung voller bizarrer Figuren aus Altholz - aber richtig alt.
Die Old Men Hütte ist zauberhaft schön und ordentlich, fühle mich richtig wohl vom ersten Moment an. 16 Uhr, das ist eine wunderbare Zeit, um so richtig den Körper baumeln zu lassen. Die Seele tuts tagein, tagaus.

Was ich noch sagen möchte.
Wer ein Weihnachtsgeschenk sucht, wie wäre es mit ein paar gewanderten Kilometern. Im Nachhinein ein Bild mit Widmung für die gute Sache. Ne Spenden Bescheinigung gibt's zudem noch direkt von den Einrichtungen. 🤗
Die Meisten von uns haben doch sowieso von Allem zu viel 😉

Tag 6, der 27. November; Mt. Richmond Forest Park

Mit 4 Uhr aufstehen hat nicht ganz geklappt, aber 4.30 (16:30 Uhr deutsche Zeit). Es dämmert gerade. Als einziger Gast in der Hütte habe ich sehr gut geschlafen. Die Vögel zwitschern und das Rauschen der Flüsse ist laut aber irgendwie beruhigend. Kaffee kochen Müsli richten....derweil Hab und Gut zusammen packen.

Um 6 Uhr geht es dann auf dem Track, wie himmlisch die kühle Luft sich anfühlt. Die Erkältung schleicht auf die Bronchien, aber lassen wir das. Ich melde es, wenn ich wieder ganz gesund bin 😏.
5 Stunden werde ich brauchen bis zur Browning Hut. Der definitiv schmalste Pfad ever führt komplett durch den Mt. Richmond Forest Park, Das Vorankommen ist schwierig, immer wieder versperren umgestürzte Bäume den Pfad. Das Umgehen der Hindernisse durchs dichte Farngestrüpp ist hart.
Alle Wanderpfade - zumindest was ich bisher gesehen habe - sind mit dem gleichen orangen Dreieck markiert. Wer da nicht achtsam ist, kann schon mal auf einem anderen Weg landen.

Es geht hoch und runter, sehr steil und ich bin dankbar um die Baumwurzeln. Sie haben sich zu wahren Stufen heraus entwickelt und erleichtern das Hinaufsteigen ungemein. Der ansonsten eher weiche Untergrund erschwert Halt zu finden. Meine Füße und ich werden ganz neue Freunde!
Es würde mich nicht wundern, wenn um die nächste Biegung ein Flugsaurier herangleiten tät 😀 das Gelände wäre passend. 

Ich muss recherchieren, habe so etwas wie ein kleines, fast schwarz Wildschwein gesehen und wilde Hornträger, aber keine Ahnung, was für Tiere das sind. Jedenfalls ein beliebtes Jagdrevier, also muss es wohl was geben.

11 Uhr Pause in der Browning Hut und gleich geht es weiter. Die Zeit fliegt dahin, während es an die ersten zu querenden Flusspassagen geht. Bei der zweiten schon nasse Füße, danach alle weiteren mit dicken Steinen sicher gemeistert 😊. 

Bin ich froh, dass das Wetter so super und der Wasserstand entsprechend niedrig ist. Den Browning River entlang geht es weiter zur Hacket Hut. Dort mache ich ein Mittagsschläfchen und dann geht es noch einmal 5 Std weiter zur Starfaell Hut. Um 19. 30 Uhr komme ich dort an. Zuerst ist Essen und Trinken angesagt. 
Außer mir keine Menschenseele weit und breit, allerdings Bewohner unter der Hütte. Wie ihr gemerkt habt, endlich wieder Handy Empfang, so dass Bilder und die Notizen zu euch gelangen können. Wie das die nächsten Tage weiter geht weiß ich nicht. Wenn es geht, sende ich, wenn nicht dann nicht 😊. Die Hütte ist wie alle sehr einfach, ihr seht es auf den Bildern. Jetzt Augen zu und erholsam schlafen.

Hier geht es zur Spendenseite


Ehe ich mich wieder auf den Weg mache noch ein Wunsch:

Eine Freundin fragte mich vor der Reise, wie das gehen soll mit dem „Kilometern kaufen und spenden“. Ich sagte, das mit den Kilometern sei ein Sinnbild.

Als ich aber die ersten Kilometer gegangen war und so an ihre Worte dachte, da kam mir der folgende  Gedanke: Ich widme die Kilometer 2-20 dieser lieben und sehr engagierten Pfarrerin. Sie tut so viel Gutes und ich bin schon auf dem Franziskusweg unter ihren Segenswünschen gut gepilgert.

Doch nach dem Kilometer 20 sind noch viele Kilometer übrig ich möchte den Lesern dieser Seite ganz persönlich diese restlichen 1380 Kilometer anzubieten. Wer also ein paar haben möchte, der schreibt mir:

„Andrea, ich mag zum Beispiel die Kilometer 35 - 40 und spende dafür“.
Schauen wir was wir gemeinsam tun können.

Alle Spender, von denen ich Kenntnis bekomme, werden auf der Homepage veröffentlicht (außer, jemand möchte das nicht). Gerne darf es auch eine Gruppe, Verein oder Firma sein. Ich freue mich auf jeden Kilometer, an dem ich da etwas mithelfen kann. um die genannten Einrichtungen zu unterstützen.

 Werde Teil des Ganzen....


26.11.2019 Wieder auf dem TA in den Richmond Ranges, Malborough Region

Ich bin die erste am Morgen. So sehr gut war der Schlaf leider nicht mit der verschnupften Nase und zwei Schnarchnasen in der Nachbarkoje obendrein. Ganz leise sein, das kann ich gut 😁. Frühstück und Katzenwäsche am Fluss, dann um 7 Uhr Abmarsch. Bin mir etwas unschlüssig, wie weit es heute gehen sollte. Die Hütten liegen zum Teil ungünstig von der Distanz her.

Na ja, erst mal auf den Weg, dann wird es sich schon irgendwie zeigen. Das Wetter auch einfach wieder traumhaft. Es geht gleich am Morgen mal über zwei Schwingbrücken und ich bin vor lauter Fotografieren auf den schwankenden Teilen beinahe seekrank geworden 😅. Hoch, runter und nicht wenige Höhenmeter führte der Weg bis zur nächsten Hütte (Middy Creek).

Nun musste ich mich langsam entscheiden. Ja, ich gehe in der Nähe von Wasser und wechsle deshalb den Weg. Nicht den TA weiter zur Rock Hut, sondern auf dem Pelorus Trail zur Roebuck Hut.

War der TA schon schmal, wird es nun noch schmäler. Kaum 2 Schuhe nebeneinander geht es die steilen Urwald Hänge entlang. Immer wieder steil hinauf, um dann wieder steil zur nächsten Schwingbrücke nach unten zu führen. Ein stetes, kräftezehrendes Auf und Ab. Überall uralte Baumleichen und der Pfad nicht selten von umgestürzten Bäumen versperrt. Der Weg wird zu einem Abenteuer erster Güte und an Natur kaum zu überbieten. Die riesigen Farne streichen mir über den Kopf, das Rauschen des Flusses tönt von unten herauf.

An einem Wasserlauf, der ohne Brücke zu queren ist, lasse ich mich für eine Pause nieder.
Plötzlich direkt neben mir ein Vöglein klein. Und es hat gleich auch noch den Freund mitgebracht. Sie sitzen beide da und breiten ihre Flügel in der Sonne aus. So schön ist das, dass ich gar nicht weiter will.

Gegen 15 Uhr erreiche ich die Roebuck Hut und freue mich nach den unzähligen Swingbridges auf das gemütliche „Beine still halten“. Ganz wundervoll liegt die Hütte da am Zusammenfluss zweier Flüsse, welche jeweils mit einer Schwingbrücke zu überqueren sind. Sie ist von außen verriegelt, also ist niemand drin. Beim Blick ins Gästebuch zeigt sich, dass das letzte Mal am Sonntag hier jemand übernachtet hat.
Ganz ehrlich, wegen mir muss niemand mehr kommen!

Wäsche gewaschen, Powerbank mit Solarstrom geladen, lecker Nudeln mit Fisch (😊 nein, der Fisch nicht selber gefangen). Das Bad im Fluss ist super erfrischend, denn der Tag war hitzig und schweißtreibend. So gestaltet sich der abentliche Alltag auf der Wanderung.
Jetzt ist es mittlerweile 19 Uhr und ich freue mich auf tiefen erholsamen Schlaf. Morgen früh um 4 Uhr ist die Nacht um ☺️.

(Anmerkung: Der Pelorius River Track wird als "herausfordernd" von der Nationalpark-Organisation bezeichnet, die auch den Te Araroa betreut. Er ist eine Variante des TA und führt anstelle über die Bergkämme den Fluß entlang. An der geräumigen Browning Hut trifft die Variante wieder auf den Hauptweg.)

25.11.2019, Tag 4, Pelorius River

Früh um 5.30 Uhr, die Sterne sind bereits dem Tageslicht gewichen und die Sonne kommt leicht rosa schimmernd über die Berge. Schnell ist das Müsli und der Kaffee bereitet und die Katzewäsche am Bächlein erledigt.

Es geht weiter, etwa 7 km trennen mich vom Ende des QCT und ein wenig Zivilisation wartet auf mich. Es ist so herrlich, in den Tag hinein zu wandern....

Ziemlich abrupt kommt man aus dem dichten Wald in die kleine Feriensiedlung Anakiwa, wo der Weg nun als Te Araroa weiter führt.Wegen der Erkältung bin ich in meinem Zeitplan etwas hinten dran. So entscheide ich, eine der wenigen Möglichkeiten der Anbindung an Straßen zu nutzen, um wieder nach vorne zu kommen.

Nachdem ich in in dem kleinen Ort Havelock Obst und Manuka Bonbons eingekauft und einen (richtigen) Kaffee getrunken habe, nimmt mich ein nettes Camperpaar mit. Es geht ruck zuck und ehe ich mich versehe, bin ich an der Pelorus River Bridge.

Von dort nach einer kurzen Rast, um die Einkäufe im Rucksack zu verstauen, weiter auf dem Te Araroa Weg. Eine Schotterstraße ohne Schatten führt in das Tal hinein und die Sonne knallt erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel. Auweia erklingt das innere Stimmchen und ermahnt mich. Kein Auto kommt diese Schotterstrasse entlang und die Aussicht auf weitere 12 staubig-heisse Kilometer wischte mir das Lächeln aus dem Gesicht. Keine Bank im Schatten, so wie die letzten Tage und ich denke: So ein „Queensweg“ verwöhnt ganz schön. Sicher ist die Aussicht auf das Flusstal beeindruckend, aber dennoch, Strassentrampeln ist nicht mein Ding.

Doch dann: Vor mich hin träumend dringt ein vertrautes Geräusch an mein Ohr. Drehe mich um und da kommt ein Motorrad des Weges. Stoppt neben mir und wir wechseln ein paar Worte bezüglich, woher, wohin und wozu 😉.

Ich frage ganz unverblümt, ob er mich ein Stück mitnehmen könne. Jupppp tat er und so kam ich auf echt deutscher BMW-Wertarbeit bis zum Einstieg in den wieder schmalen Pfad des Trails. Ein Foto zum Abschied mit meinem Trail Engel und ab in die Wildnis. Da erst merke ich, dass es ab jetzt ja überhaupt keinen Handy Empfang geben wird und vermutlich die nächsten Tage auch nicht.

Auweia und ich habe nix mehr von mir hören lassen zuhause.

Ich verdränge den Gedanken, denn es ändert ja nichts. Eine wirklich wilde Busch Wanderung beginnt, schmal der Pfad, zeitaufwendig, eben echter Urwald. Jeden Moment denke ich, es müsse plötzlich beim Blick nach oben ein Dinosaurier da stehen und vergnügt an den Blättern der riesigen Bäume kauen. Es fehlt nicht viel zu dieser Vorstellung. Wüsste ich nicht, dass es weder gefährliche noch giftige Tiere in Neuseeland gibt: bei diesem Anblick würde ich das niemals vermuten.

Der Pelorus River hat in seinem Verlauf ein paar schöne Badepools gebildet und es verlockt.

Niemals zuvor war ich nach einem Bad so schnell wieder angezogen. Diese Sandflies sind wahre Monster! Und ich weiß bereits jetzt, ich werde noch mehr mit ihnen zu tun bekommen. (Anmerkung: wer diese Tierchen nicht kennt, hat keine Vorstellung. Sie treten nicht wie in Deutschland in kleinen Gruppen auf, sondern es sind immer gleich Tausende oder Millionen. Und der Biss ist erheblich unangenehmer wie von deutschen Schnaken.)

Um 19 Uhr erreiche ich die Captain Creek Hütte. Zwei Paare, 1 Holländer und 1 Australier haben es sich in der 6 Kojen Hütte bereits gemütlich gemacht. Für mich ist zum Glück auch noch eine übrig. Wie üblich unter den sehr offenen Menschen auf dem TA wird gemeinsam gekocht und geräumt, erzählt und viel gefragt.

Trampers Midnight ist, wenn es dunkel wird ;-) und mit der Nacht kommt der Schlaf.

24.11.2019 Tag 3 auf dem QC-Trail  

Kaum hatten sich gestern Abend die diebischen Hühnchen zum Schlafen zurückgezogen, schien es, als lauerten schon andere Augen auf die kommende Nacht. Ich war sehr müde und schlief schnell ein. Zwei junge Franzosen hatten ihr Lager hinten im Wald aufgeschlagen. Ihre Rucksäcke jedoch ließen sie im Unterstand (Shelter).

Keine Ahnung wie lange ich geschlafen hatte, als ich jäh wach wurde, ein Gekeife und Gezanke neben mir im Dunkeln. Nun mit Opossums war zu rechnen, nur warum kriegen die sich ausgerechnet neben mir in die Wolle.

Ich schnappe mir also den Wanderstock und schlage Rabatz 😀. Es rumst und poltert, als die Opossums wieder aus dem Holzunterstand verschwinden.

Nach dem Erlebnis hieß es: weiterschlafen....

Gegen morgen dann, nachdem ich tapfer das Quartier verteidigt hatte, habe ich in der Dämmerung dann ein paar Fotos gemacht, um das Rätsel um den nächtlichen Lärm zu lüften. ….die Bilder kommen mit denen des ganzen Tages (sieh Bilder). Ein herrlicher Tag, lang mit 39000 Schritten schon gut gegangen. Inzwischen ist es 19 Uhr, habe gut gegessen und bin frisch gewaschen aus einem Wasserfall wieder heraus. Habe heute zum ersten Mal Wasser gefiltert und eben entschieden, dass ich zu müde bin, um noch 5 km zum nächsten Camp zu gehen. Ich bleibe hier am Weg mit hoffentlich freiem Blick in die Sterne. Das war vergangene Nacht schon wundervoll. Die Erkältung will noch anhänglich sein, ich gönne meinem Körper in diesem Fall etwas Gute. Ibuprofen und Parazetamol, das unterstützt die Regeneration und die Erkältung mags auch nicht. 

23.11.2019 Tag 2 auf dem Trail

Um 5 Uhr mit den Hühnern aufgestanden. Fühle mich schlapp und trotz aller Freude etwas niedergeschlagen von der Erkältung. Der Kaffee wird es richten, denke ich und ein lecker Müsli wird für einen guten Start sorgen. Neben mir ein metallenes Geräusch und als ich aus dem Zelt krabble, sehe ich, woher es rührt. Die Bauern hatten eine Falle aufgestellt und prompt ist ein junges diebisches Hühnchen („Weka“ genannt) hinein gegangen. Oh denk ich, muss das sein, menno! 

Kurzum, der Tag fängt gut an, obwohl der Kaffee nach Erkältung schmeckt und das Müsli kaum in mich rein wollte. 

6.30 Uhr Abmarsch, hinein in einen spannenden Tag. Ich bin im ganzen Leben noch nicht durch solchen Farnwald gegangen und habe noch nie so gewichtige, uralte Kiefern gesehen. Die Ausblicke den ganzen Tag über sind immer wieder traumhaft. 

Um 17 Uhr muss ich Schluss machen für heute, ich bin nicht fit. Zwischendurch musste ich schon 2 x ein Erholungsschlaf von je 30 Minuten einlegen. Inzwischen bin ich auf dem kleinen Campingplatz, auf dem nix außer Toilette und Wasser geboten ist.   

Bin ich satt und zufrieden, wenn auch sehr erschöpft. Ich merke und darum etwas langsamer machen, die Erkältung zieht Saft.   

Werde mich heute früh schlafen legen und dann wieder mit den Hühnern aufstehen. Der Ausblick hier ist so gigantisch, da bleibt das Zelt im Rucksack und ich schlafe auf der Terrasse 😊  


22.11.2019 Endlich unterwegs, erste Tag auf dem Queen Charlotte Trail

Die meisten namenhaften Tracks in Neuseeland haben Campsites und die Strecke wird regelmäßig frei gehalten von der Vegetation, Wegzeichen werden ausgebessert und umgestürzte Bäume aus dem Weg geräumt. Das alles kostet Geld, weswegen auch die Trails selbst Geld kosten. Es ist ein Permit notwendig und manchmal ist auch die Anzahl der Wanderer pro Tag begrenzt.
Zum Glück hat mir die Dame am Schalter den Preis für den Queen-Charlotte-Track in zwei Teile geteilt, so dass ich mit der (gesperrten) Kreditkarte bezahlen konnte
. Am Morgen habe ich mit dem Boot übergesetzt zum 

Erster Tag am Te Araroa Treck.

Bei zunächst etwas bewölktem Himmel ging es um 8 Uhr los mit dem Boot. Es war windstill und angenehm von der Temperatur - gut zum an Deck die Fahrt zu genießen.

10 Uhr dann Start an Ship Cove und dem James Cook Denkmal. Straff führt der Pfad gleich bergauf durch unglaublichen Urwald. Riesige Farne, Farnbäume sowie Baumpalmen, wovon nicht wenige über 200 Jahre alt sind. Ein Traumpfad beginnt....

Immer wieder begegnen mir die neugierigen Busch Hühner und ich freue mich. Am ersten Rastplatz, ich habe Hunger auf eine Suppe und packe munter den Rucksack aus, um ans Essen nebst Küche zu gelangen. Suppe gekocht und dann gegessen, derweil die Bilder von der Kamera auf das Handy gesendet. Netzverbindung gibt es keine, dafür das Zwitschern der Vögel und das Rauschen eines Baches.

Beim Zusammenpacken dann denke ich, warum liegt das Feuerzeug im Gras und wo bitte ist die orangene Hülle der Miniküche? Weg, einfach weg!

Da denk ich mir, hoppla das neugierige Huhn. Kann das sein, hmmmm..... Schau in die Büsche und was leuchtet mir aus den Dornen entgegen. Ja genau, der Beutel! So mache ich dann auch gleich noch die Bekanntschaft mit üblem Buschwerk.

In Afrika die diebischen Affen und hier das Busch Huhn, ist ja kaum zu glauben 😀

Der Traumpfad, dessen Verlauf ihr auf der Karte sehen könnt, ist unglaublich kurzweilig und ich wäre am liebsten ständig am Fotografieren. Gefühlt komm ich nur schleichend voran.

Gegen 17 Uhr führt der Weg am Ufer zu einem Bauernhof mit Campingplatz. Ich beschließe den Wandertag zu beenden. Bin dafür, dass es mir durch eine Erkältung nicht ganz so gut geht, zufrieden mit den 30170 Schritten 😉.

Nun, satt und zufrieden, liege ich lang im Zelt. Ohhhh so königlich nach einem Wandertag die Beine lang zu machen und einfach in die Entspannung zu gleiten.

Dies ist die erste Nacht in meinem Leichtgewicht-660g-Raumwunder-Tiny-House 😁.
Genießt die Bilder, sobald wieder Verbindung zur Außenwelt möglich ist. 

21.11.2019 Queen Charlotte Trail

Leider habe ich mich wohl erkältet auf dem Flug....der Sitznachbar. Was mich die nächsten Tage auf dem Weg erwartet, seht ihr auf dem Bild. Schwarz-rot ist der Trail.

Alles, was ich brauche steckt im Rucksack, der leider doch schwerer ist als ich gehofft hatte. Es ist, wie es ist und so, wie es ist soll es auch sein (sonst wäre es ja anders).

Ich freue mich auf meine  ersten Tag auf dem Trail. Das Wetter zeigt sich von seiner guten Seite und die kommenden Tage sieht es nach allerbestem Wanderwetter aus.

20.11.2019 Picton

Heute fahre ich mit dem sehr schönen Coastal Pacific Train und zuletzt dann per Fähre an den Ausgangspunkt des Te Araroa Fernwanderwegs. Von Picton ganz im Norden der Südinsel Neuseelands aus werde ich dann als erstes Teilstück der 66 km lange Queen Charlotte Trail gehen. Er ist als gut markiert und einfach zu gehen eingestuft. Die anderthalb Tage in Christchurch waren wichtig, aber nun brenne ich darauf, mit meinen Wanderschuhen durch das Malborough County zu schreiten.

19.11.2019 Christchurch

8:30 Uhr in Neuseeland, 20:30 in Deutschland - und dennoch hat sich jemand von der Volksbank gemeldet - leider ist das Problem mit der Keditkarte nicht gelöst worden, so dass Plan B nun greift.

Gestern muß in der Früh ein Tornado durch die Stadt gezogen sein und etliche Schäden verursacht haben. Mehr dazu siehe hier: 

https://www.nzherald.co.nz/nz/news/video.cfm?c_id=1&gal_cid=1&gallery_id=214177


18.11.2019 Christchurch

Der Flug verlief problemlos, die Zwischenstopps waren spannend. Dann Einreise nach Neuseeland mit intensiver Zollkontrolle. Und danach...gings gleich ins Gefängnis!

....nein, keine Sorge, nicht in ein aktives Gefängnis, sondern in die "Jailhouse Accomodation" ;-)

Wetter ist fabelhaft und einen Tag habe ich zur Akklimatisierung, bevor es auf den Track geht.

Das kann passieren 

Nachdem ich gut in Neuseeland angekommen bin, müssen natürlich noch einige Dinge eingekauft werden, die ich nicht im Flieger mitnehmen wollte oder konnte. Doch als ich mit der Kreditkarte bezahlen will, taucht ein erstes Problem auf: ich habe wohl nicht die passende PIN-Nummer dabei. Nach drei vergeblichen Versuchen stehe ich nun etwas hilflos mit meinen paar getauschten Neuseeland-Dollars da. Nun hoffe ich, dass meine Bank die Karte wieder freischalten kann.
Ist zwar ärgerlich, aber notfalls gibt es bereits einen Plan B. 

Wo ich übernachte

Das 1874 erbaute Gebäude der "Jailhouse Accommodation" in Christchurch ist tatsächlich ein ehemaliges Gefängnis. Es wurde zu einer Art Jugendherberg umgewandelt und bietet mir Schlafgelegenheit für zwei Nächte inklusive grob gespiebte Luft.   


Die Welt ist klein


Meine "Zelle" teile ich mit Sarah aus Neuseeland. Und wie es der Zufall will, gibt es ein verbindendes Element: sie hat 8 Jahre in Heidelberg gewohnt und hilft mir über die sprachlichen Hürden, die das Englisch in Neuseeland so mit sich bringt.


17.11.2019 Abflug

Pünktlich um 18:05 Uhr hebt der Langstreckenflug LH 728 aus dem kalt-nassen Frankfurt ab. Die nächsten 12 Stunden bis Shanghai werde ich überwiegend sitzen.


15.11.2019 - noch zwei Tage bis zum Abflug

Start auf dem Trail ist der 21.11.2019. Anderthalb Tage Vorbereitung und Akklimatisierung in Christchurch nutze ich, um letzte Vorbereitungen zu treffen. Das betrifft vor allem auch kleine Versorgungsdepots postlagernd entlang des Weges zu verschicken.
Ab Donnerstag kommender Woche verwandle ich mich dann in einen "Tramper" - so werden die Wanderer auf den Trails in Neuseeland genannt.


12.11.2019, Schönbrunn, noch 5 Tage

„Den Flüssen folgend, so kann man den nächsten Wander-Abschnitt beschreiben :-)“

Von Havelock aus geht es den Pelorus River entlang und dann durch abwechslungsreiche Wildnis und Bergland (Rintoul Track) nach St. Anaud. Dort nehme ich nach ca. 12 Wandertagen mein erstes Paket mit Verpflegung in Empfang. Ein Bett im Hostel lies sich nicht mehr buchen, alles voll und so hoffe ich zumindest auf einen Platz auf dem Campingplatz. Ein wenig Zivilisation nach den langen Tagen im Busch wird sicher gut tun.

Von Saint Anaud aus geht es, mit einem wieder schweren, voll mit Lebensmittel gepackten Rucksack weiter. Entlang des Lake Rotoiti und danach dem Travers River folgend. Über den Travers Saddle mit 1787 m und hinunter zum Sabine River, diesem folgend zum Lake Constance.

Ein Flusstal wechselt ins Nächste und vermutlich werden meine Füße auf diesem Abschnitt gut gewaschen werden. Immer wieder gilt es Flüsse zu furten und nur wenige sind mit Brücken, so genannten Swingbridges, versehen.

Boyle Village ist die nächste kleine Ansiedlung von Häusern. Voraussichtlich werde ich dort am 9.12. vorbei wandern, so ich mich in etwa an meine Vorplanung halten kann.

Weiter geht es auf dem Hope Kiwi Track, das Hope River Tal entlang. Dann Wechsel auf den Harper Pass Track und hinein in die spektakuläre Landschaft der Southern Alps.

Sechs Tage nach der kleinen Siedlung erreiche ich hoffentlich wohlbehalten Arthur's Pass, um dort mein zweites Paket Verpflegung entgegen zu nehmen. Vielleicht habe ich Glück und erwische irgendwo ein Bett und etwas Gesellschaft in dem kleinen Ort am höchsten Pass (920 m) der Südalpen.

 04.11.2019 Ein kleiner Einblick in die Vorbereitungen

Frische Lebensmittel sind das, was am meisten zu kurz kommen wird während dieser langen Wanderung. Da bleibt nichts anderes übrig als ein wenig mit Nahrungsergänzung nachzuhelfen. Der Bedarf über so viele Tage und der doch recht hohen Kalorien- und Vitaminverbrauchs ist schwer zu decken. Frische Lebensmittel haben ein hohes Eigengewicht und da ich mein eigener Esel :-) bin und keinen weiteren Träger zur Seite habe, heisst es wohl überlegt packen und die Wahl sehr bewusst zu treffen.

  • Was befindet sich in meinem Futtersack :-) …. die mitgeführte Küche wiegt zuzüglich einem Gaskocher nur sagenhafte 80 Gramm, dazu ein Titantopf der 1100ml fasst und mir zur Bereitung von kochendem Wasser dient. Eine Brotdose als Teller sowie für eventuelle Frischkost zu r Aufbewahrung. Löffel, Messer und Gabel. Feuerzeug, Gaskartusche, kleines Mikrofasertuch zur Reinigung, Wasserfilter zum entkeimen jeglichen Trinkwassers.

Nahrung:

Da gilt es die Einfuhrbestimmungen des Landes zu beachten. 10 kg höchstens. Alle Lebensmittel müssen industriell verschweißt sein und ein entsprechend langes Haltbarkeitsdatum aufweisen. Zudem muss das gesamte Gepäck aufgelistet sein.

  • Riegel in verschiedenen Geschmacksrichtungen.
    Müsli und Porridge.
    Studentenfutter, Fertiggrießbrei (nur Wasser drauf).
    Kartoffelbrei, Fertignudelgerichte, Kaffee und Tee, Milchpulver, Nahrungsergänzung, Gemüsebrühe, Reiswaffeln, Knäckebrot, Erdnussbutter, Nudeln und ….. was Süßes.

So ganz hab ich es noch nicht durchgeplant, jedenfalls hält sich die Vielfalt in sehr überschaubaren Grenzen.

Wenn ich schon mal dran bin, kann auch gleich die Packliste hier verinnerlicht werden.

  • Ultraleichtes Zelt, Zelt wegen Moskitonetz dem Tarp vorgezogen.
    Schafsack Daune mit Temperatur Bereich comfort von 3 bis 8 Grad.
    Rucksack 70 L. Verschiedene leichte wasserdichte Packbeutel für alle Utensilien.
    Solarladepaneel, Powerbank, GPS Garmin, Handy, Ladegerät, Kamera, kleines Stativ, Ersatzakkus, Stirnlampe, Erste Hilfe Set, Wanderstöcke, Wasserbeutel, Notizheft und Stift, Brille, Sonnenbrille und und und....
  • Schuhe

    Eine der schwersten Entscheidungen, denn Schuhe entscheiden maßgeblich darüber, wie sehr man auf solch einer Wanderung leidet. Leicht sollten sie sein, dauerhaft wasserdicht und dabei eine gute Führung und Stabilisierung bieten. Immerhin drücken weit über 10 kg Rucksackgewicht zusätzlich auf die Füsse - Umknacksen sollte man da besser nicht. So wurde die Suche nach dem besten Schuh trotz einer ordentlichen Auswahl gut eingelaufener Schuhe langwierig. Nichts schlimmer, wie ständig Blasen an den Füssen oder von Feuchtigkeit schwere Schuhe.


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Über mich

Mein Name ist Andrea Dorner-Schölch und ich bin 57 Jahre jung.

Vor vierzig Jahren verschlug es mich von meiner Heimat Lahr im Südschwarzwald in den Odenwald und zur Johannes Diakonie, die zu meiner beruflichen Heimat wurde. Die ausgedehnten Wälder und steilen Täler entlang des Neckars (zum Beispoel der 127 km lange Neckarsteig von Heidelberg bis Bad Friedrichshall) wurden zu meiner Wanderheimat und inspirierten mich schließlich dazu, den Schritt von den Tageswanderungen zu Trailrunning und Weitwandern zu machen.

Das Weitwandern betreibe ich erst seit 10 Jahren, nachdem meine beiden Söhne ihr eigenes Leben zu leben begonnen hatten. In diesen zehn Jahren habe ich viel gelernt, was bei einer solch langen Wanderung notwendig ist. Vor allem auch, wie man richtig läuft, so dass die fast ununterbrochene Belastung nicht zur Last wird. Insofern bin ich guten Mutes, die Wanderung bis zum Ende zu schaffen.

Freuen tue ich mich auch auf Bekanntschaften, die sich auf solch einem Weg fast von selbst ergeben. Immer wieder trifft man auf solchen Fernwanderwegen Menschen, die aus den unterschiedlichsten Motiven diese Art des Erlebens gewählt haben. Ich bin gespannt....


Über den Te Araroa - Erlebnisse und Eindrücke

Schon vor unserer Haustüre locken wunderschöne Langstreckenwanderwege. Regionale Weitwanderwege können ausgedehnt werden zu Europäischen Fernwanderwegen. Die Überquerung der Alpen gilt als eines der Highlights jedes Wanderers hier in Europa.

Weltweit gibt es eine ganze Menge Weitwanderwege. Im Osten Amerikas entführt der Appalachian Trail Wanderer für 3.500 km in die dortigen Wälder und Landschaften. Der Kungs Leden führt 800 km quer durch den Norden Schwedens und der Pembrokeshire Coast Path in Südengland ist mit 300 km für manche nur ein Spaziergang, obwohl er reich an landschaftlicher Schönheit ist.

Rund 18.000 km entfernt von Europa liegt das wohl europäischste Land der Welt: Neuseeland. Genau 12 Zeitzonen trennen Europa von diesen beiden Inseln, die einsam 2.000 km vor der Südküste Australiens in der Tasmanischen See liegen. 1642 von dem Reise-Pionier Abel Tasman entdeckt, ist die Inselgruppe heute Ziel vieler Wanderer. Gilt doch die Natur Neuseelands noch als ursprünglich und in weiten Bereichen naturbelassen.

Für Weitwanderer erfüllte sich 2011 ein lang gehegter Wunsch: Neuseeland verband etliche Fernwanderwege zu einem durchgehenden Weitwanderweg. Sein Name ist Motto: Te Araroa bedeutet „Der lange Weg“. Auf 3030 km durchquert der durchgehend markierte Wanderweg von Cape Reinga im Norden bis Bluff im Süden die beiden Inseln.

Dabei ist der Te Araroa alles andere als ein gut mit Infrastruktur versorgter Weg, wie man ihn zum Beispiel im Eifelsteig oder dem Rothaarsteig findet. Oft ist man tagelang weit ab der Zivilisation unterwegs. Daher muß alles, was man unterwegs benötigt, dann selbst getragen werden. Selbst mit modernen Hilfsmitteln wie sehr leichten Zelten, Kochgeschirr, Funktionskleidung wird der Rucksack schnell sehr schwer. Da es auf dem Te Araroa permanent auf und ab geht, hat man einen hohen Energiebedarf. Lebensmittel für 8 Tage müssen also leicht und dennoch nahrhaft und energiereich sein. Zur Wasserversorgung habe ich mich für eine Filterpumpe entschieden, denn ausreichend Wasser ist eindeutig eines der schwersten Gewichte im Rucksack.  

Nach zwei Überquerungen der Alpen, einer Streckenwanderung quer über die Lofoten und der Begehung des sehr schönen Weitwanderwegs Laugarvegur in Island weiß ich, dass die ersten vier bis fünf Tage hart werden. Das Gewicht des Rucksacks verhindert zunächst, dass man die angestrebten 25-30 Kilometer jeden Tag erreicht.

Meine Entscheidung, den Te Araroa alleine zu wandern, habe ich bewusst gefällt. Wer allein läuft, kann sein eigenes Tempo laufen und so viele Pausen einlegen, wie er mag. Man wird nicht abgelenkt und kann bei allen Entscheidungen nur sein eigenes Wohlbefinden und Budget im Blick behalten. Wer allein läuft, ist jedoch im Falle von Komplikationen dann auch komplett auf sich allein gestellt. Oft gibt es keine Handy-Verbindung, so dass man keine Hilfe rufen kann, wenn man sich verletzt. Also lieber langsamer und vorsichtig. Besondere Herausforderung sind dabei die vielen Flußüberquerungen, denn es gibt bei weitem nicht überall Brücken. Meine beiden Wanderstöcke werden mir da hoffentlich immer helfen, aufrecht zu bleiben.

Spätestens nach zwei Wochen muß dann aber auch immer wieder ein Besuch in der Zivilisation eingelegt werden. Die Wäsche und der ganze Wanderer müssen mal wieder gereinigt werden. Und die Füsse dürfen auch mal einen Tag Ruhe genießen. Nicht überall konnte ich ein Hostel vorbuchen, so dass ich auf dem Weg entscheiden muß, wo und wann ich eine solche Pause einlegen kann.

Überhaupt werden viele Entscheidungen erst vor Ort getroffen, denn Wetter, Zustand des Weges, Versorgungssituation und körperliches Befinden können schnell einen vorgenommen Plan über den Haufen werfen. Dennoch gehe ich datürlich nicht unvorbereitet durch dieses Abenteuer. Weitwandern ist schon mein ganzes Leben eine Leidenschaft.







Neben den ausgebauten Weitwanderwegen verbinden "Routes" als Bindungsglied diese zu dem Fernwanderweg Te Araroa. Sie sind nur leidlich markiert und gepflegt, meist ist es dem Orientierungssinn des Wanderers überlassen, wie er den richtigen Weg findet. Ausserdem müssen auf der Südinsel über 200 größere Bäche und Flüsse gequert werden - die meisten davon ohne Brücke.

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