Weitwandern in Neuseeland zwischen November 2019 und Januar 2020

Fragen und Antworten zum Thema Weitwandern
  Nur wo du zu Fuß war, warst du wirklich!


Welche Anfängerfehler gibt es beim Weitwandern?

Es gilt da wohl unendlich viele oder auch nur ganz wenige. Doch das hängt vor allem von jedem selbst ab. Pauschal sind es immer die gleichen, die sich in der Regel auf zum Beispiel das Gepäckgewicht beziehen und die Frage, was man tatsächlich braucht. Umso achtsamer jemand an das Thema heran geht, desto besser. Sprich: erst mal ein paar Tage, dann ein paar mehr bis hin zu sehr langen Touren. Umso mehr man dies berücksichtig, desto weniger treten gravierende Fehler auf. Wir wachsen ja bekanntlich an unseren Aufgaben. Auch das Terrain für solche Eingewöhnungstouren sollte mit Bedacht wählen. Denn eine bewusste Wahl hilft, dabei zu lernen und später nicht zu große Fehler auf der eigentlichen Fernwanderung zu machen.

Welche Vorbereitung auf die körperliche (und seelische) Belastung?

Eigentlich ist keine Vorbereitung notwendig. Was notwendig ist, ist die Tour dem eigenen „Ist-Stand“ entsprechend zu planen. Selbstüberschätzung ist der größte Fehler, den man macht, wenn man sich einfach ins Abenteuer stürzt.

Wie viele Paar Schuhe braucht man für so eine Tour?

Das ist individuell und abhängig vom Gelände, den gelaufenen Kilometer und den Schuhen selbst. Im Schnitt sagt man maximal 1500 Kilometer pro Paar Schuhe. Der Schuh verliert nicht nur an Sohle, sondern auch an anderen wichtigen Eigenschaften wie Stabilität, sprich es gibt Materialermüdung.

Was war deine Initialzündung dafür, Weitwanderer zu werden?

Eindeutig der Bedarf, die Gesundheit zu fördern und daneben die Liebe zur Natur. Später kam dann die Erkenntnis dazu, dass man nur auf diese Weise an Orte gelangt, die einem sonst verschlossen blieben.

Was ist die „Trail Magic“? Gibt es den Zusammenhalt unter den Mitwanderern?

Wenn es Mitwanderer gibt, gibt es sicherlich auch diesen Zusammenhalt. Es gibt einzigartige Begegnungen, welche so individuell sind wie der Weg, den man gewählt hat. Wenn Menschen sich auf einem langen Wanderweg finden, begegnen sie sich in einem Ausnahmezustand außerhalb ihres „normalen“ Lebens. Sie sind dann auch ganz nah an den eigenen Beweggründen, welche sie auf den Weg gebracht haben. Die sich daraus ergebenden Themen sind so vielfältig und bunt wie unsere Welt es zu lässt.

Was isst man auf so einer Weitwanderung? Wie viel Kalorien braucht man üblicherweise, wie viel auf solchen Wanderungen? Wie belohnt man sich?

Es gibt gewisse Grundregeln, aber die sind dennoch stark individuell bestimmt. Ich esse auf solchen Wanderungen industriell vorbereitete Trekkingnahrung. Die Hauptmalzeit wird nur mit kochendem Wasser aufgebrüht und fertig ist das Essen. Ansonsten sind es Müsli, Studentenfutter, Babyfertigbrei, Energieriegel und Suppe, die mich in der Hauptsache versorgen. So es die Infrastruktur zu lässt, wird in Ortschaften mit frischem Obst und Gemüse nachgelegt. Auf dem Weg sind es dann jedoch eher Nahrungsergänzungsmittel, die mir den Vitamin- und Mineralhaushalt im Gleichgewicht halten.

Üblicherweise braucht man um die 2000 Kalorien täglich. Auf einer solchen Wanderung erhöht sich der Bedarf je nach Belastung. Die meisten kommen nicht darum herum, ein paar Kilo des eigenen Körpergewichts zu verlieren. Der Bedarf erhöht sich, wenn man einen Durchschnitt überhaupt nennen kann, auf schätzungsweise etwa 3000 Kalorien. Tatsächlich hängt der Bedarf aber von einigen Parametern ab. Die tägliche Anzahl Kilometer sowie die zurückgelegten Höhenmeter, wie schnell man unterwegs, wie gut der Stoffwechsel. Irgendwann auf der Wanderung wird man auf jeden Fall abends auch mal mit Hungergefühl einschlafen.

Nach einem Wandertag besteht die Belohnung für den Kopf vor allem im Erfolgserleben und dem Erleben der Natur. Man kann sich nicht im üblichen Sinne belohnen auf einer solchen Wanderung. Du kannst dich am ehesten mit einem leckeren Tee und Füße hochlegen belohnen. Vor allem die Erholung und Entspannung sind wohl die größten Belohnungsmomente. Ein schönes Gespräch, resultierend aus einer Begegnung auf dem Weg oder abends in der Hütte, rundet so einen Tag dann ab.

Wie orientiert man sich? Kann man sich verlaufen?

Am besten orientiert man sich schon anhand einer guten Vorbereitung, so dass man eine annähernde Vorstellung über Gegebenheiten, Besonderheiten und Streckenangaben besitzt. Bei Fernwanderungen ist zum Beispiel auch das Anlegen vor Versorgungspunkten nützlich.

Die Wegzeichen, welche einem begleiten, gehören ebenfalls dazu. Heutzutage leisten Handys und entsprechende Apps sehr gute Hilfe bei der Orientierung. Allerdings darf man diese Technik nicht überbewerten und ist immer gut bedient, auch eine Karte oder ein zusätzliches GPS dabei zu haben. Wer mit Kompass und Karte zurechtkommt, ist auch gut dran. Denn der geht niemals die Batterie aus.

Aber auch sich zu verlaufen ist nicht unmöglich. Im Fall des Te Araroa ist das wegen der Wegzeichen und der Wegführung relativ unwahrscheinlich. Nicht zu unterschätzen ist allerdings das Wetter. Sobald dichter Nebel einsetzt und man befindet sich im freien Feld, kommt man um das Navigieren mit Handy oder GPS nicht herum. Im Wald und dichten Gelände gibt es oft nur ein Pfad und keine weitere Option, was die Gefahr des verlaufen sehr einschränkt.

Was ist das Schönste am Weitwandern?

Diese Frage kann ich natürlich nur für mich beantworten. Das Schönste ist zu erleben, wie der Alltag verblasst und der Körper sich ausrichtet. Es werden physisch wie psychisch die Zellen gelüftet. 24/7 in der Natur verändert alles. Stoffwechsel und Geist …. Die Natur wird ein Teil von mir und ich ein Teil von ihr. Begegnung bekommt einen nie zuvor erlebten Wert, vor allem dann, wenn man zuvor über mehrere Tage keinem Menschen begegnet ist. Deine Nahrung, die du selbst auf dem Rücken trägst, verdienst du dir sozusagen über jeden Wanderkilometer. Sie ist nicht nur existenziell, sondern auch aufs spezifischste nach dem eigenen Geschmack ausgewählt. Steckst du dir dann am Abend ein Stück Schokolade in den Mund, ist das weitaus mehr wie das Stück Schokolade, das man sich nach einem Arbeitstag gönnt.

Wie finde ich die richtigen Schuhe für mich?

Den richtigen, individuell für mich passenden Schuh finde ich, indem ich mich professionell beraten lasse. Eine gute Beratung ist nicht ganz einfach zu bekommen. Viel Erfahrung gehört dazu, gekoppelt mit dem Wissen über Füße, Schuhe, Gelände und Anspruch. So kann man grob sagen, dass für durchschnittliches Gelände und einen trainierten Fuß meist ein Trail-Halbschuh völlig ausreicht. Gerade bei einer langen Wanderung über viele Tage trainiert sich der Fuß dann auch selbst (Seitenstabilität) und diese Chance darf man ihm geben. Ich tue es jedenfalls und immer mit großer Zufriedenheit, denn es baut sich schnell die entsprechend benötigte Muskulatur auf.
Ein Halbschuh ist auch um einiges leichter vom Gewicht, ein Schuh ohne Membran zudem noch viel schneller getrocknet als der mit Membran. Als Entspannungsschuh (Zweitschuh) kann man sich eine leichte Sandale gönnen. So hat man gegebenenfalls auch einen Ersatzschuh zur Hand (z.B. nach einer Flußquerung) und muss in den Wanderpausen nicht auf Schuhe verzichten. Schuhe brauchen auch eine Regenerationszeit von etlichen Stunden bis zum nächsten Einsatz (Trocknen über Nacht z.B.).

Wie behält man die Nerven, wenn es scheinbar aussichtslos ist? Wie kommt man mit der Einsamkeit zurecht?

Eine gute Frage! Ich behalte die Nerven dadurch, dass es keine Alternative gibt als die, sie zu behalten. Es ist Kopfsache und das eigene, erworbene realistisches Wissen darüber, was geschehen kann, wenn ich die Nerven nicht behalte. Angst lähmt, sie nimmt uns Energie, die wir gerade in solchen Situationen sehr nötig brauchen. Also blende ich in scheinbar aussichtsloser Situation die Aussichtslosigkeit aus. Sorge so dafür, handlungsfähig zu bleiben.
Dafür hat jeder so seine mentalen Hilfsmittel. Bei mir ist es eine Art Ignoranz gegenüber all dessen, was die Situation noch verschlechtern könnte. Eine innere Ausrichtung darauf, was getan werden kann, denn etwas ist immer möglich.

Die Einsamkeit…..ich glaube, dass wenn man wohl dosiert mit dem Weitwandern startet, es so etwas wie Einsamkeit nicht gibt. Es ist das Alleinsein, welches einen begleitet und die unterscheidet sich wesentlich von Einsamkeit. Selbst in Gesellschaft kann man sich einsam fühlen, wenn die Menschen um einen herum negativ eingestellt sind.
Ein gut vorbereiteter Weitwanderweg dagegen kommt keiner schlechten Gesellschaft nahe. Selbst wenn ich meine einzige Gesellschaft bin, dann bin ich doch nur alleine, aber nicht einsam.
Einsamkeit kann jedoch - und ich habe sie auch schon erlebt - in einer Situation entstehen, in der wir Angst entwickeln und hilflos sind ….. Für mich ist ein effektives Mittel gegen Einsamkeit das Weinen und mein fester Glaube an eine schützende Hand, die über uns wacht. Manchmal hilft dann wie in Kindertagen schon mein steter Begleiter, der Teddy
😊

Ist das wandern alleine intensiver, ist man offener für die Eindrücke?

Definitiv ist es intensiver, weil man komplett im eigenen Erleben ist. Alles, was wir in dieser Zeit tun mit all seinen Folgen, liegt vollständig in unserer eigenen Hand.
Die Eindrücke landen unbeeinflusst einer anderen Betrachtung direkt bei einem selbst. Es findet keine Beurteilung außer der eigenen statt. Man erlebt sich selbst in seinen Wertungen, in den Gefühlen, in der Einzigartigkeit des Moments.
Ob man offener für Eindrücke ist, will ich so nicht sagen. Aber es ist anders, als wenn man sich zu zweit oder in einer Gruppe den Eindrücken nähert. Dann findet Austausch statt und das eigene Erleben der Eindrücke wird eine Gemeinschaftsansicht. Beides hat seine Vorteile und Eigenheiten.

Wie schützt man sich vor Verletzungen? Was geht man ein, was lässt man lieber sein?

Durch Achtsamkeit, unter Umständen auch, indem man sich, wenn die Gefahr für Verletzung wächst, mit anderen zusammen tut. Was geht man ein, was lässt man sein, das ist sehr individuell. Man sollte immer die Natur und das Wetter im Blick behalten. Speziell in Neuseeland würde ich sagen, wer dort wandern geht, sollte sich mit einem Rettungssender ausstatten (kann vor Ort geliehen werden).. Ich selbst hab es, wie etliche andere, nicht getan, was definitiv ein Fehler war. Allerdings habe ich mich in entsprechenden Situationen mit Leuten zusammen getan, die über ein solches GPS verfügten.

Was ist positiv am Wandern?

Durch die relativ geringe spontane Belastung ist Wandern ideal, um das Herz-Kreislauf-System zu stärken, die Ausdauer wird trainiert und die Atmung verbessert. Der zusätzliche Kalorienbedarf fördert den Stoffwechsel. Darüber hinaus wirkt sich Wandern positiv auf die Psyche aus.

Man darf allerdings nicht glauben, dass durch eine Wanderung Probleme, die sich über Jahrzehnte angesammelt haben, einfach auflösen lassen. Das ist ein Irrtum, den so mancher unbedarfter „Jakobsweg-Wanderer“ begeht. Die Konfrontation mit sich selbst – man hat täglich viele Stunden zum Nachdenken dafür – kann fatal sein.

Doch wer diesen Schritt wohlüberlegt und vorbereitet geht, wird vermutlich feststellen, dass er es gar nicht abwarten kann, bis es wieder los geht.


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Texte vom Wegesrand

Fernwandern bedeutet immer auch, Menschen zu treffen. Überwältigende Gastfreundschaft, hilfsbereite Einheimische (Trail Angels) und Mitwanderer, die alle ihre eigenen (spannenden) Geschichten zu erzählen haben. Diese Begegnungen sind die Würze, der eigentliche Schatz des Weitwanderns neben dem Naturerlebnis und der Freude zu guter Letzt, es trotz oder gerade wegen aller Höhen und Tiefen während einer so langen Wanderung geschafft zu haben.

Änderung:
Am 7. Dezember musste ich leider das Ziel aufgeben, den Te Araroa Trail komplett in diesem Urlaub durchwandern zu können: Das fürchterlich schlechte Wetter ließ die Träume etlicher Ta Araroa-Wanderer platzen. Der Weiterweg ist wegen zahlreicher Hindernisse von überschäumenden Flüssen ohne Brücken bis Erdrutschen, die den Weg begraben haben, nicht möglich. Also heisst es, Alternativen finden. That is Life!

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21.01.2020, zurück in Deutschland

Was am 17.11. mit dem Abflug in Frankfurt begann, endete heute morgen mit der sicheren Landung in Frankfurt wieder. Dazwischen liegen so viele faszinierende, dramatische und schöne Momente und Tage - übervoll ist das Füllhorn mit Erzählungen, Bildern und Anekdoten. Aber nun heisst es erst einmal richtig zu Hause ankommen. Aus dem Rucksack kullern mir kleine Sammelstücke und sogar Sand vom Strand entgegen. Alles Erinnerungen an eine der intensivsten Wochen meines Lebens.

Tag 61; Rückflug 2.Teil

Ein kurzweiliger Flug mit dem besten Service den ich je erlebt habe. Singapore Airline jederzeit gerne wieder!!!
Leider hatte ich keinen Platz am Fenster. Dennoch konnte ich ein paar tolle Bilder als Rückblick machen. Gleich noch einmal hier am Flughafen Singapore den Schmetterling Garten besuchen. Die Stadt Rundfahrt ist leider ausgebucht. Also irgendwie die 5 Stunden rum bringen.

 

Tag 60; Rückflug nach Deutschland

Wenn alles gut läuft werde ich am Dienstag um 6:30 Uhr wieder deutschen Boden berühren. Es war sehr schön in Neuseeland und es ist ein Ort, wo es mich in meiner Rente hinziehen könnte. Aber jetzt bin ich erst einmal froh, wieder zu Hause zu sein bei meinen Freunden, Bekannten und den Menschen, die auf mich bauen.

Hier sind noch ein paar letzte Bilder aus Neuseeland - Antarktisausstellung, in Frischhaltefolie verpacktes Gepäck und ein paar weitere "Splitter" von den letzten Stunden...


Tag 59, Sonntag der 19.1.2020 - letzter Tag am anderen Ende der Welt!

Seit 9 Uhr bin ich mit dem Bus unterwegs nach Christchurch, wo alles begann.

Die Landschaft zieht an mir vorbei und ebenso die Erinnerung der letzten zwei Monate. Die Momente voller Emotionen, Augenblicke der Sprachlosigkeit, bis hin zum Freudentanz. Die vielen Begegnungen und Erlebnisse......
Sinniere darüber, was ich mitnehme, wenn es morgen wieder nach Hause geht.

An dieser Stelle möchte ich mich nun von euch verabschieden und hoffe, wir sehen uns zu einem Abend voller Fragen und toller Bilder. Bei einem Glas Wein, Wasser, Bier, Saft oder was auch immer.

Danke, dass ihr mit dabei ward und meine Spendenaktion unterstützt.

Wenn euch die Bilder und Geschichten gefallen, dann werden sich die Ärzte ohne Grenzen, die Johannes Diakonie, der Hospizverein Eberbach, sowie die Klinik Clowns Rhein Neckar über eine Unterstützung ihrer Arbeit sehr freuen.

Es ist nie zu spät, anderen zu helfen um anderen zu helfen!

Nun sage ich "Danke", denn ich war dann mal danke sagen:
Danke an meine Schutzengel für ihren Aufwand an mir, für die schützende Hand welche ich zu jeder Zeit meines Lebens über mir fühle. Danke für meine tolle Arbeitsstelle, Kollegen, Freunde und Familie. Danke Ach Herr ich will dir danken, dass ich danken kann 🙏🎼🎶🎵🎶 - so lautet der Text in einem Volkslied.

Hier stehen die Weizenfelder im vollen Korn und warten auf die Ernte. Wie reich ist doch unsere Erde und wieviel gute Gründe gibt es, dankbar zu sein. Immer wieder den Mut zu finden, auf der positiven Seite zu bleiben oder dorthin zurück zu finden. Das Leben ist das kostbarste, was uns geschenkt ist, nur dieses Eine, ja "nur" dieses EINE! 

DANKE!

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Den Termin für unseren Abend gebe ich hier in der Gruppe sowie auf der Homepage und im Ortsblatt bekannt. 

Jetzt lasse ich Neuseeland langsam ausklingen, die Melodien eines langen Weges leiser werden und einen Platz in Geist und Herz einnehmen.


Tag 58, Samstag der 18.1.2020


Um 6.30 Uhr ist aufstehen angesagt, denn um 8.30 Uhr fährt das Wassertaxi nach Ulva Island. Ich freue mich auf die Vogelinsel und hoffe auf einen spannenden Spaziergang.


Frühstück und die Sachen verpackt, dann den kleinen Rucksack mit Verpflegung für den Tag  befüllt. Schon ist die Zeit da, dass ich gehen muß. Auf dem Weg zur Anlegestelle gebe ich den großen Rucksack im Office der Fluggesellschaft ab. Pünktlich und nach nur 10 Minuten Fahrt kommen wir auf Ulva Island an. Gemütlich verteilen sich die Leute auf die unterschiedlichen Wege. Manche mit Führer und viele auch ohne.

Am ersten Strand begegnet mir eine Austernfischer Familie mit ihren zwei Jungen. Das ist schön, sie zu beobachten. Im Hintergrund in den Bäumen ordentlich Vogelgezwitscher 😊. Am nächsten Strand gibt es eine Robbe, die im Schatten schläft und sich dabei gelegentlich selbst mit Sand bewirft. Auf den Abschnitten durch den Busch gibt es eine große Vielfalt an Vögel.

Neugierig schleicht ein Weka um mich, klein und diebisch 😀. Ich hab das mit dem Dornenbusch und dem gestohlenen Beutel vom Anfang meiner Reise nicht vergessen! Leise schleiche ich weiter auf dem Weg. Da bewegt sich doch etwas. Ich halte inne und schau unter den Farnbüschen entlang. Denke an ein weiteres Weka, nein ganz still bleibt es stehen und wir schauen uns an. Vorsicht richte ich die Kamera aus, um unsere Begegnung zu dokumentieren.

Mit dieser Begegnung, die sich jeder Neuseeland Besucher wünscht, endet sozusagen meine Neuseeland Reise.

Der Te Araroa, der lange Weg, der etwas anders ausfallen musste als geplant, endet hier auf dieser Insel. Dennoch ist es ein langer Weg gewesen, ein Te Andrea eben.


Tag 57, Freitag der 17.1.2020, Stewart Island

Um 6 Uhr sind alle schon auf und ich hoffe auf einen Platz im Boot. Falls nicht, nehmen die Anderen meinen großen Rucksack mit und ich mach mich auf die Socken. Das begeistert mich nicht, aber ist eine 0ption: Das wäre allerdings ein 12 Std. Fussmarsch.

Das Taxi kommt, der Fluss liegt ruhig und mit High Tide die mögliche Fahrzeit der Wassertaxis.
Juhuuuuu es gibt einen Platz auch für mich 😎.
Die Fahrt wird ruhig und traumhaft auf dem Fluss Richtung Meer. Um 9 Uhr legt das Boot im Hafen von Oban an.

Bringe den Rucksack ins Hostel und mach mich auf zur Küstenwanderung für 3-4 Std.
Ist eine sehr schöne Wanderung und auf dem Rückweg wird der Hunger mit Fish and Chips gestillt. Im Hostel dann Wäsche waschen und endlich duschen!
Der Nachmittag vergeht mit hier und da durch die Gassen stromern. Man findet sich leicht zurecht bei den paar Straßen 😀.

Das Boot für den morgigen Ausflug nach Ulva Island, einer kleinen vorgelagerten Vogelinsel, ist gebucht.
Bin auf dem Hügel für den Sonnenuntergang und genieße die Aussicht. Danach durch das Dunkle der Nacht auf die Suche nach Kiwi gehen.


Ich staune nicht schlecht, wieviel Menschen die gleiche Idee haben. Es wimmelt von roten Lichtern rund um den Sportplatz 😊. Frage mich ob tags hier auch so viel los ist 😀. Die hiesige Sportart: Kiwi nightlife trampling.
Es ist kurz vor Geisterstunde als ich zurück im Hostel bin.


Tag 56, Donnerstag der 15.1.2020

Es waren etliche Leute zum Übernachten in der Hütte und ich werde sie gewiss an der Fresh Water Hütte wieder treffen. Dorthin zurück führt die heutige Wanderung. Wie fast immer schleiche ich mich - und darin bin ich sehr gut - leise aus dem Schlafraum. Frühstücke und packe meine Habseligkeiten dort zusammen.

Es ist nahe 7 Uhr und ich auf dem Weg, vielleicht mit einer Kiwi Sichtung unterwegs – die Hoffnung stirbt zuletzt 😉 Heute entscheide ich, dass die Schuhe bleiben trocken 😇. Es kommen die Sandalen an die Füße und durch den Matsch geht es barfuß 😁.

Es ist schön, zu dieser Zeit auf dem Weg zu sein. Da sitzt ein Vogel in der Morgensonne, dort nimmt einer das Morgenbad und niemand stört sich wirklich an dem einsamen Früh-Wanderer. Kurzweilig ist der Weg und wieder kann ich ein paar bezaubernde Blickwinkel eingefangen.

Es ist 12 Uhr und die Freshwater Hut ist erreicht.

Schnell mache ich mir etwas zu Essen und dann geht es hinauf auf den Rocky Mountain. 3 Std. Hin und zurück, das passt, denn das Wassertaxi kommt erst um 18 Uhr. Ich habe keinen Platz reserviert und hoffe halt, dass ich noch mitkomme.

Nach einer entspannten Mittagspause geht es gemeinsam mit einem jungen Paar aus Dunedin (sehr englische Stadt an der Ostküste) hinauf auf den Berg. Huiiiiii, da geht es steil aufwärts. Aber zuvor, wir trauen unseren Augen kaum, kreuzt ein Kiwi unseren Weg!
Ohhhh wie groß ist da die Freude und ich doch gerade noch schnell genug mit der Kamera, ehe er flott wieder zwischen den dichten Farnpflanzen sich unseren Blicken entzieht.

Da war der Pfad hinauf auf den Berg schon gar nicht mehr so steil, das Adrenalin verleiht Flügel 😂
Oben angekommen werden wir noch einmal belohnt: die Aussicht ist einfach hervorragend! Das Tal des Frischwasser-Flusses, die Hütte, ja die Dünen und die Bucht von gestern – alles ist wunderbar zu sehen von da oben. Immer wieder bestätigen wir uns gegenseitig unser Glück, Kiwi und Aussicht nebst Traumwetter!!!

Während wir da oben in der Sonne liegen, formt sich mein Entschluss, noch die Nacht in der Hütte zu verbringen und erst morgen früh um 7.45 Uhr mit dem Wassertaxi nach Oban zu fahren.
Mit mir bleibt noch ein Paar aus UK in der Hütte, die auch das Taxi am Morgen nehmen wollen.

So bleibt ein weiterer Abend für eine erneute Kiwi-Pirsch.

Um 18 Uhr verabschieden wir uns und ich frage auf dem Boot nach, ob noch ein Platz am Morgen frei ist. Die Chance steht gut, meint der Skipper. 

Die Exkursion im roten Licht der Stirnlampe ist spannend, bleibt aber Kiwi-los. Dafür streicht eine Katze um die Hütte und sie, nebst Ratten und Wiesel sind eine große Bedrohung für die einheimische Vogelwelt. An erster Stelle für die Kiwis, welche ja Fußgänger geworden sind. 

Schließlich ist es nah an Mitternacht ich sinke müde in den Schlafsack.

 Tag 55, Mittwoch der 15.1.2020

Bin um 7 Uhr als Erste auf dem Weg. Ich liebe einfach die Zeit und das Licht am Morgen.
Es geht durch eine Ebene, umgeben von Wasserflächen und kleinen Bächen. Moorland und Feuchtwiesen, ein ganz besonderer Genuss für die Sinne. Allerdings auch für die Füße 😂. Wie viele Schuhe das tiefe Schwarz wohl schon verschlungen hat😉. Meine ganz knapp nicht, allerdings war es mega anstrengend, das Bein da wieder raus zu bekommen mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken. Ich komme allerdings auch vor lauter Fotografieren kaum voran, überall tolle Motive und das bei sonnigem Wetter.

Um 12 Uhr Ankunft in der Mason Bay Hut. Diese Hütte bietet Platz für 20 Wanderer.
Ohhhh, wie ich mich auf den Strand freue, Wellen, Wind, Dünen und Seevögel. Schließlich wird aus dem Strandbesuch ein herrlicher Strandspaziergang. Mit spannendem Wellenkino.....und die Zeit wellt vorbei...


Zurück in der Hütte und ich bin voller Hoffnung auf einen Abend mit der Sichtung eines Kiwis. So viele Fußspuren schon gesehen, sie sind da!
Essen kochen, bissel mit den anderen Wanderern unterhalten und später will ich dann auf Kiwi Pirsch gehen.
Die Sonne steht noch relativ hoch, lässt aber einen tollen Sonnenuntergang erahnen. Ich musse raus, hinauf in die Dünen, welche mich mit ihrem farbenfrohen Bewuchs magisch anziehen.
Gar nicht so einfach, einen Weg durch den Sand zu finden, aber es klappt. So genial ist diese faszinierende Sandwelt, ich denke an die Diavorträge der „Wunderwelten“ in Heidelberg.
Mein Fotoherz schlägt schneller, so beeindruckt bin ich. Ruckzuck steht dann die Sonne tief und will jeden Moment hinter den Hügeln versinken. Schnell noch ein Foto vom Sonnenuntergang.


Es ist dunkel, bis ich zur Hütte zurückkomme. Viele schöne Momente, doch leider kein Kiwis. Zu selten und zu scheu ist dieser Vogel und zu kurz meine verfügbare Zeit, um an diesem Ort auf Lauer zu liegen.



Tag 54, Dienstag der 14.1.2020, Stewart Island

Die Nacht war so erholsam, glatt bis 7 Uhr geschlafen. Den Kaffee bereite ich am Strand zu und genieße dabei die Aussicht, es wird ein herrlicher Tag.
Doch der Weg heute sollte hart werden. Nicht der Teil bis zur Nordarm Hut, denn dieser gehört zum Great Walk Rakiura National Park. Jedoch die dann folgenden 6 Stunden bis zur Freshwater Hut. Meine Herrn, was ich auf dem TA an Matsch nicht hatte, hole ich die kommenden Tage hier nach.
Mit einem steten Auf und Ab und fortwährend im Matsch verläuft der Pfad die Küste entlang. Ein paar kleine Bäche sind zu queren und auf den glitschigen Steinen lasse ich Vorsicht walten.
Ganze drei Leute begegnen mir bis zur Hütte. Gegenüber den ca. 20 in 1,5 Std. Great Walk, ganz schön mager. Aber ich mag das.


Es ist bereits 19 Uhr, als ich die Hütte am gleichnamigen Fluss (Fresh Water) erreiche. Da sind schon ein junges Paar, eine Frau mit ihren zwei Kindern und ein junger Mann vor mir angekommen. Allerdings komfortabler, nämlich mit dem Wassertaxi.
Die Hütte ist gemütlich und bietet Platz für 16 Leute. Platz ist also noch. Ankommen, frisch machen, Essen und Trinken. Das Wichtigste nach einem langen Wandertag. Und dann bald ab in die Koje.


Tag 53, Montag der 13.1.2020, Stewart Island

Jetzt weiß ich, warum die Betten aus Metall sind: da hat heute Nacht jemand schwer gesägt, Holz hätte unweigerlich nachgegeben 😀.
8 Uhr und frisch geduscht ans Frühstück. Nochmal richtig satt essen, ehe es die nächsten 5 Tage eher wieder einmal schmal zugehen wird.
Zum Supermarkt und noch ein paar Vorräte für die kommenden Tage besorgen. Um 16 Uhr geht der kleine Kiwi Flieger hinüber nach Stewart island. Der Flug wird ca. 20 Minuten dauern und ist eine echte Alternative zur Fähre. Auch preislich erschwinglich mit hin und Rückflug für umgerechnet ca. 150€.

Wie ich auf der Insel Zugang ins Netz habe, weiß ich noch nicht. Werde rundwandern, in Hütten oder dem Zelt übernachten. Das Wetter sieht bisher für die nächsten Tage ganz gut aus. Wobei die Temperaturen von Sommer weit entfernt sind, ca. 4 - 14 Grad und damit fast vergleichbar den Januartemperaturen in der Heimat..
Freue mich auf die tolle Natur, von der ich schon Einiges gelesen habe und sehe hoffentlich ein Kiwi. Dieser Nationalvogel, der sich nur zu Fuß und nur des Nächtens auf die Futtersuche begibt.

15:30 Uhr und ich sitze am Miniflughafen und warte auf den Kiwi Flieger. Da draußen steht ja einer, die Größe passt zum (winzigen) Flughafen 😀.
Ich denke an meinen Kollegen, der auch leidenschaftlich mit diesen kleinen Fluggeräten 😉 unterwegs ist. Seine Buschpiloten-Geschichten 😎….ich weiß, er würde gerne hier fliegen!
Hoffe es gibt Gelegenheit für ein paar Fotos gleich noch. 


Es wird ein super Flug in einer 10-Sitzer Maschine 😎. Nach der Landung kurz im Hafen ein Päuschen, doch dann lockt das traumhaft schöne Wetter sogleich zum Loswandern.
Ein toller Weg durch Farnwald mit gelegentlichen Ausblicken auf die herrliche Küste.
Recht bald aber wird es dunkel und so pö-a-pö ändert sich die Stimmung der Landschaft. Ich liebe diese Stunden hinein in eine sternklare Nacht. Schlage mein Zelt auf etwas auf, was mal ein Campingplatz war. Übrig ist nur noch die Toilette und dass so versteckt, dass sie von mir den ersten Platz in Sachen Sauberkeit bekommt.
Im Halbdunkel stolperte irgendetwas Pelziges vor mir auf den Pfad. Verschwand ein paar Sekunden später wieder im Dickicht. Ich glaube es war ein Opossum. Die Vögel zwitschern ihr Abendlied und ich stehe und lausche.
Mit einem genialen, klaren Sternenhimmel über mir krabble ich gegen 0 Uhr in den Schlafsack.


Tag 53, Montag der 13.1.2020

Red.: Heute Nacht um vier Uhr (16 Uhr Ortszeit) ist Andrea wohlbehalten von Invercargill nach Oban geflogen und wird die letzten Tage ihres Urlaubes auf dieser Wanderinsel verbringen. Da nur so wenige Menschen dort leben wird es mit dem Versenden von Nachrichten im Hinterland von Oban schwierig werden.

Tag 52, Sonntag der 12.1.2020

Es geht gemütlich in den Tag, die beiden Frauen, mit denen ich den Tag verbringen werde, holen mich um 10.30 Uhr ab. Das Wetter zaubert einen tollen Regenbogen über die Berge und den See. Bestimmt renne ich 10x raus, um noch und noch ein Foto zu machen 😁.

Die Fahrt und der Tag sind so kurzweilig und wir haben viel Spaß zusammen. Bis in die Nacht hinein noch hier und da Sehenswürdigkeiten und kleine Wanderungen. Ein gelungen reicher Tag, Danke. In Invercargill hab ich ein Hostel gebucht, das Reptilien Haus 😉.

Müde fall ich gegen 23 Uhr ins Bett.

Tag  51, Samstag der 11.1.2020

Früh um 7 Uhr, die Sandflys warten schon vor dem Moskitonetz. Scheinbar wissen sie, dass ich raus zur Toilette muss. Prompt stürzen sie sich auf mich und umso mehr von ihnen, desto schneller ist die Morgentoilette erledigt. Zelt und Habseligkeiten verstaut und ich auf dem Weg. Sogleich entsteht ein Kontakt mit zwei Frauen aus den Niederlanden, Pauline und Machteld. Sie sind gestern auch über den Pass gekommen. Zeigen ein wenig Bewunderung ob meiner 16 Stunden Wanderung. Wir treten den Weg zum Carpark gemeinsam an und unterhalten uns über das Reisen durch Neuseeland.

So ergibt sich für Morgen eine Mitfahrgelegenheit nach Invercargill und ich freue mich darüber.

Zurück im Hostel buche ich einen Flug auf die kleine Wanderinsel Stewart Island. Dort leben knapp 400 Menschen dauerhaft, der Rest in der Freizeit und Touristen, die gerne einen Kiwi sehen möchten, so wie ich 😊.

Der Rest des Tages, mit Essen und Ausruhen verbringen. Es stürmt wieder sehr heftig und die Vorstellung, oben in den Bergen zu sein, macht ein extrem ungutes Gefühl. Hoffentlich ist für die vielen Wanderer, die am Morgen zum Kepler Track aufgebrochen sind, alles gut. Der Track über den Pass wird gesperrt, sie werden in der Hütte bleiben müssen oder zurück gehen.

Ich bereite mich auf die nächsten Tage vor.....

Tag 50, Freitag der 10.1.202

Meine Enttäuschung ist nach kaum geschlafener Nacht nicht wirklich verschwunden. Freue mich jedoch auf den Weg durch das als sehr reizvoll beschriebene Burn River Tal bis zur gleichnamigen Hütte mit Campingplatz - ein Plätzchen für das Zelt dort ist gebucht.

Nach Kaffee und Müsli bin ich um 7 Uhr auf dem Weg. Zunächst den See Manapouri entlang bis zur Mündung des Burn River. Kurzweilig geht es an Vögeln vorbei, welche zum Teil wirklich sehr nah kommen. Weiter geht es durch Farnwald, der ganz plötzlich in Mooswald übergeht. Ich genieße die Stille und die vielen verschiedenen Grüntöne.

Es ist gerade 12.30 Uhr, als ich mir den Campingplatz ansehe. Keine 2 Minuten und es kommen gefühlt Millionen von Sandflys, die mich als Blutspender haben wollen. Grrrrr.... wie fürchterlich ist das denn. Da will ich nicht bleiben, einen halben Tag in dieser Mücken Hölle. Alles in mir schreit: Neeeeiiiinnnn!

Selbst mein Bauch sagt bei der Vorstellung, dass es morgen regnen soll und einen 12 Std. Marsch vor mir liegt: Geh, Andrea, geh weiter und geh heute über den Pass! Wenn es nicht geht, dann bleib zum Schlafen im Shelter (eine Nothütte) oder stell das Zelt irgendwo abseits des Weges auf.

Der Rucksack, aus dem mein Vesper kommen sollte, ist schwarz vor lauter Mücken. Boahhhhh so krass, ich packe zu, schultere den Sack und nix wie weg hier. 

Der Weg führt sofort steil hinauf bis über die Baumgrenze hinauf. Die entgegenkommenden Wanderer versprechen mir einen traumhaft schönen Ausblick, wenn ich erst über der Baumgrenze bin.

So kommt das dann auch, jedoch gibt es zuvor eine Kea Begegnung. Der schlaue Vogel machte sich genüsslich an einer toten Ratte zu schaffen. 

Auf diesem Weg finde ich auch endlich die Traube mit Erdbeer-Pilzen, die hier auf Bäumen wachsen und essbar sind. 

Unterwegs treffe ich auch noch auf die Hüttenwirtin der Hütte, die auf dem Campingplatz steht, auf dem ich nicht bleiben wollte. Sie frage nach meinem Namen und der Buchung. Erfreut war sie nicht gerade, dass ich einfach so weiter wandere - hat ihr wohl nicht zugesagt.

Oben über den Bäumen, oh ja die Aussicht war gigantisch und wurde mit jedem Höhenmeter noch besser. Zum Teil geht es über Treppen aufwärts (halt ein Great Walk), es wird allerdings tatsächlich immer alpiner. Windig zudem, so dass ich flott alles überstreife, was greifbar ist. Nebst der Mütze auch die Handschuhe. 

Es ist tatsächlich toll da oben, vergessen glatt, dass mal was gegessen werden muss. Erst um 17 Uhr, eine Rast zum Essenkochen und Trinken. Himmel, ist das lecker, denn zumindest der Hunger ist riesig und Essen verwöhnt die Geschmacksnerven. 😀 2 Portionen verdrückt und zum Nachtisch Schokolade. 

Um 18 Uhr bin ich wieder auf dem Weg und es warten nochmal etliche Höhenmeter auf mich, ehe es wieder talwärts geht. 

20 Uhr Ankunft an der Luxmore Hut. Die Wirtin hat mich schon erwartet, diese seltsame Frau, die da so weit gehen will an einem Tag. Sie bietet mir die Option zu übernachten an, ich müsse nur die Differenz von den Campingplätzen zur Hütte bezahlen. 

So erfahre ich aber auch, dass der Pass morgen wegen Sturm gesperrt sein wird. Beim „Klogang“ überlegte ich mir: Nein! So gut das Wetter im Moment und sogar noch etwas Sonne, ich gehe bis zum Campingplatz noch die weiteren 3,5 Std.

Habe sogar die Hoffnung, ein Kiwi zu sehen und das will ich mir nicht entgehen lassen. 

So tingele ich gemütlich in der Abendsonne talwärts. Es wird dunkel und bin erschrecke ganz schön, als im Halbdunkel plötzlich neben mir ein großer Hirsch die Flucht ergreift. 

Kurz darauf umkreist mich eine kleine Eule, huiiiiii ich denke, die landet gleich auf dem Rucksack, so nah fliegt sie. Rollt ganz neugierig und aufmerksam den Kopf.   

Es war eine tolle Nachtwanderung bis….ganz unvermittelt der Campingplatz auftaucht. Im Licht der Stirnlampe geschwind das Zelt aufgebaut und rein in den Schlafsack. Den leisen Wellen des Sees lauschend einschlafen. 

50000 Schritte mit 1000 Höhenmeter und 15 Stunden on Tour. Fühle mich gut und zufrieden mit dem Tag.

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Red.: Hätte Andrea gestern (Tag 50) nicht beschlossen, weiter über den Pass zu gehen, statt in der gebuchten Hütte zu bleiben, würde sie heute dort oben feststecken. Der Weg ist so exponiert, dass die Naturschutzbehörde DOC wegen des angekündigten Regensturms den Weg sperren wollte. Also lief sie noch drei weitere Stunden in die Nacht hinein bis zur nächsten Campsite - 50.000 Schritte und 1000 Höhenmeter.

Und während in Australien, keine 2000 km entfernt, Buschfeuer die gesamte Ostseite Australiens verwüsten, sind an der Südspitze Neuseelands Temperaturen um 10°C gemeldet.

Das derzeitige, gewaltig sich ausbreitende Sturmtief über dem Meer zwischen dem Fjordland und Antarktis wird sich in den kommenden zwei Tagen abschwächen, so dass eine letzte Rundwanderung auf Stewart Island möglich sein wird. Die 70x40 km große Insel liegt etwa 30 km südlich von Neuseeland. In der einzigen Ortschaft Oban wohnen etwa 600 Menschen. Durch Schutzmaßnahmen gegen Katzen und Ratten versucht man auf der in sich abgeschlossenen Insel die Restbestände des Südlichen Streifenkiwi zu erhalten. Die Insel ist über mehrere Wanderwege erschlossen,

Tag 49, Donnerstag der 9.1.2020

Um 7 Uhr starte ich vom Hostel aus auf den Kepler Track. Diesen hoch gelobten, teuer zu bezahlenden Great Walk. Der erste Tag soll mich durch Wald mit wenig Ausblicken zur Moturau Hut bringen. Das Wetter ist super und der Wald, hmmmm…: ein wenig, als ginge man Stunden durch einen Park auf wirklich sehr gut angelegtem Weg.  

Es ist gerade mal 12.30 Uhr, als ich an der Hütte ankam. Ich ärgere mich kurz über meine eigene Blödheit (Verzeihung), warum habe ich diese Hütte überhaupt gebucht?!

So lungere ich etwas den Rest des Tages in der Gegend herum, vornehmlich am Strand, um wenigstens ein paar schöne Bilder zu machen.

Das Essen ist auf den in der Hütte vorhandenen Gaskochern schnell zubereitet. Und wenigstens lernt man so auch ein paar nette Leute kennen. Werde mich heute früh zum Schlafen hinlegen.

Tag 48, Mittwoch der 8.1.2020

Heute ist ein Tag zum Ausschlafen, also bis 7 Uhr 😀. Dann bricht der Tag unvermeidbar an auf dem Campingplatz mitten im Zentrum von Te Anau.
Beginne den Tag gemütlich im nicht ganz so kalten Aufenthaltsraum mit Frühstück und Gedankennachhängen.
Gegen 10 Uhr ist das Zelt abgebaut und ich bin Richtung Hostel unterwegs. Dort stelle ich meinen Rucksack ab und gehe eine Runde den See entlangwandern.

Im DOC Besucherzentrum habe ich danach meine Genehmigung für den Kepler Track morgen bekommen (Red.: Neuseeland schützt seine großen Wanderwege davor, überlaufen zu sein. Da man nur an bestimmten Stellen übernachten darf, soll so ein wildes Campen verhindert werden. Man braucht also eine Erlaubnis. Die Anzahl der ausgegebenen Permits pro Tag ist begrenzt)

Beim anschließenden Besuch in der Vogelstation kann ich mich an den Takahe gar nicht satt sehen. Wie clever die den Deckel der Futterbox öffnen und genüsslich Speisen 😎.
Am Nachmittag bin ich dann nach Manapouri getrampt und dort auch eine Stunde am See gewandert.

Es war und ist ein entspannter Tag. Gerade gut gekocht, Gemüse mit Pasta und jetzt einfach abhängen 😀.
Morgen will ich spätestens um 7 Uhr auf dem Weg sein. Morgens an einem See, das ist immer spannend.
Heute nächtige ich in einem Tipi, schön mit Bett.


Tag 47, Dienstag der 7.1.2020; Milford Sound

Habe tief geschlafen bis 4.30 Uhr und nun: alla gut, dann halt aufstehen und meine wenigen Habseligkeiten mit in den Aufenthaltsraum nehmen. In Ruhe frühstücken und packen. Himmel ne, durch das ganze Essen wird der Rucksack gefühlt doppelt so schwer.

An dieser Stelle muss ich euch sagen, dass der Te Araroa nun für mich zu Ende ist. Da sind mehrere Gründe: Die Zeit würde sowieso nicht mehr ausreichen, um bis nach Bluff zu wandern. Zusätzlich hat das Wetter hat einen erneuten Tiefpunkt erreicht. Die Flüsse sind allesamt immer noch zu hoch und ich kann meiner Gesundheit keine weiteren Flussdurchquerungen mehr zumuten – vor allem nicht bei so kalten Tagestemperaturen wie heute wieder: ca. 12 Grad.

So habe ich mich entschieden, noch ein paar weniger abenteuerliche Mehrtageswanderungen zu unternehmen (wobei weniger abenteuerlich nicht bedeutet, dass es nicht eine grandiose, umwerfend schöne Landschaft ist, sondern nur, dass der Wanderweg einen solchen Namen auch ernsthaft verdient und keine brückenlosen Flußdurchquerungen erfordert).
Vom 9.1. bis 12.1. wird der Kepler Track gewandert. Das ist einer der neun Great Walks, Traumziel vieler Backpacker und eigens angelegt, um die Natur zu bestaunen.

Also gehe ich Staunen, das kann ich sowieso besonders gut 😊.
Nun aber zurück zum Tag, die Fahrt mit dem Bus nach Milford Sound von Quennstown aus dauert 4 Stunden und einen Teil der Fahrt habe ich geschlafen: es regnet und die Berge sind verhangen!
Ab Te Anau, wo es am gleichnamigen See entlang und dann hinab zum Fjord geht, sind alle wach. Es ist atemberaubend, wie es hinein geht in die immer steiler werdenden Berge des Fjordlandes. Man hat den Eindruck, als sei das Gelände an Steilheit nicht zu übertreffen. Die Gletscher der Eiszeit haben sich in die Täler geschliffen und steile Wände zurückgelassen.

Oben auf den Gipfeln liegt noch Schnee und unzählige Wasserfälle fallen herab. Die Straße schlängelt sich hinein in die Tiefen des Fjordes, führt durch den noch immer einspurigen, unbeleuchteten Homer-Tunnel. Nach dieser Felsbarriere wird der Wald wieder dichter und da sind sie auch wieder: die hochgewachsenen Baumfarne.
Unten am Fjord dann Massen an Touristen, die alle mit dem Schiff hinaus wollen, die steilen Felswände und Wasserfälle bewundern.
Ich wollte ursprünglich erst morgen mit dem Bus wieder zurück nach Te Anau. Allerdings so spektakulär die Szenerie auch war, bleiben wollte ich nicht, den eigentlich besteht der Milford Sound nur für und aus Touristen und Touristenangeboten.
 
So schaute ich nach der Bootsfahrt nach einer Mitfahrgelegenheit. Prompt das erste Auto, ein Ehepaar aus England, nehmen mich mit. Nun steht mein Zelt auf dem Campingplatz Te Anau, ich hatte mega lecker Fish and Chips und werde bald schlafen.


Tag 46, Montag der 06.01.2020; zurück in Queenstown

Es ist kalt geworden und auf den umliegenden Gipfeln liegt Neuschnee. Hier am Fluss hingegen hat es fast die ganze Nacht geregnet.
Spannendes Wetter ist in Neuseeland wirklich immer garantiert. Jetzt hebt sich die Wolkendecke und lichtet den Blick. Es ist 7.30 Uhr und da mich der Bus erst um 11.45 Uhr am 2,5 Std. entfernten Carpark abholt, bleibt Zeit genug für die gemütliche Wanderung das schöne Capel River Tal hinunter bis zum Carpark. Es regnet etwas, aber die aufgeweicht matschigen Pfade sind ja nichts mehr Neues 😀 für mich. Der kleine Bus ist pünktlich. Nach etlichen gemeinsamen Tagen auf der Rundwanderung und heißt es nun Abschied nehmen von der Familie aus Nelson, denn mich bringt der Bus zurück nach Queenstown.

In Glenochy sind 2 Stunden Aufenthalt angesagt. Passt genau für einen Rundweg durch die Lagune. Schwarze Schwäne tummeln sich dort in großer Zahl auf dem Wasser.
Um 16 Uhr bin ich dann zurück in Queenstown und melde mich im Hostel an.
Flott zum Supermarkt, denn mein Rucksack ist ohne Essensvoräte inzwischen, dafür aber extrem leicht 😀. Wäsche waschen und ausfindig machen, wo morgen früh um 7 Uhr der Bus zum Milford Sound abfährt.

Danach biege ich ganz in Gedanken versunken um die Ecke zum Waschsalon. Mein Blick streift zwei Gestalten, ihre Gesichter und dann bricht sekundenschnell große Freude über die Beiden und mich gleichzeitig herein. Fabian und Harry, die beiden jungen Männer, mit denen ich auf der Blue Lake Hut war. Die zusammen über den Waiau Pass gewandert sind einen Tag, bevor das Paar aus USA und ich wegen des unglaublich schlechten Wetters mit dem Helikopter rausgeflogen wurden. Das ist eine so herzliche Wiedersehensfreude und spontan wird, nachdem die Vorbereitungen für morgen erledigt sind, gefeiert!!!!!


Tag 45, Sonntag der 5.1.2020; Rundwanderung

Die beiden Jugendlichen haben im Zelt geschlafen und die Eltern mit mir in der Hütte. Der Abend verflog und gegen 21 Uhr waren alle am Schlafen. Für mich auch sehr nötig nach der vorherigen Nacht. Geschlafen wie ein Stein und beim Erwachen die Feststellung, es regnet.
Frisch ist es zudem in der Hütte, also nix wie rein in die Klamotten und Frühstück bereitet. Danach, was mir Schaudern bereitet: hinein in nasse Socken und Schuhe, brrrrr....
Das Wissen, dass es auf dem Weiterweg gleich wieder durch eiskalt Wasser geht, berührt mich ungemütlich heftig. So gehe ich mehr als widerwillig los. Verabschiede mich bis zur nächsten Hütte aufs Wiedersehen.

Der Fluss wartete schon auf mich und fast schien es, als grinsten die aus dem Wasser ragenden Steine einander mit sicherem Abstand an - wohl wissend dass ich durch das Wasser waten muss.
Etliche Querungen folgen und der Regen wässert den Rest von Andrea. Alles halb so schlimm, stelle ich fest. Der Körper hat seine verlorene Energie zurück und die Füße werden schnell wieder warm trotz der Nässe. 2 Stunden bis zur Kreuzung, wo der Pfad wieder zum Familienweg wird. Weitere 2 Stunden und die Mid Caples Hut ist erreicht. Trotz des Regens eine schöne Wanderung und als die Sonne rauskommt, zeigen sich auch die Rehe in den Flusswiesen.

Den Nachmittag verbringe ich gemütlich in und um die Hütte. Eine nahgelegene Wandermöglichkeit gibt es leider nicht, so wird es nur ein kurzer Spaziergang zum Fluss und durch die Wiese. Die Familie aus Wellington übernachtet auch hier auf der Hütte. Zwei Franzosen und ein Paar aus Mexiko kommen auch noch an. Es werden ein paar Reisegeschichten ausgetauscht und dann zur Wanderermitternacht (wenn es dunkel wird), ist Schlafen angesagt. Heute sicher angenehm, denn wir sind nur zu dritt im Zimmer wo sonst 12 Leute einen schlafplatz haben. Ein weiterer Raum für 12, ist mit 6 Personen belegt.


Tag 44, Samstag der 4.1.2020; Rundwanderung

Ich starte früh, denn an Schlaf war kaum zu denken diese Nacht in dem überfüllten Raum.
Im Aufenthaltsraum konnte man zumindest in Ruhe frühstücken und die Sachen zusammenpacken.
Kurz vor 7 Uhr bin ich im morgendlichen Wald verschwunden. Nicht lange und es musste trotz klirrender Kälte mit Frost einen Fotostopp am See geben. Die Dunstschleier über dem Wasser und an den Berg Flanken die Wolken.
Hach so schön! Das dachte der Hase vielleicht auch träumend. Wir erschrecken beide gleichzeitig 😀, einer hat mit dem anderen nicht gerechnet. Da ist das Reh wenig später leider aufmerksamer und verschwindet rasch im Wald. Am See entlang und an dessen Ende das Tal gequert, um sodann mit dem gemütlichen Aufstieg zum Mc Kellar Saddle zu beginnen.
Inzwischen erhell das erste Sonnenlicht die gegenüber liegenden Berge. Es ist Meditation pur, den Tag in solcher Natur gelassen zu begrüßen.


Der Weg folgt nun dem Caples River talwärts. Ein gut ausgebauter Weg, familienfreundlich würde ich sagen. Da verfliegt die Zeit nur so.

Um 12 Uhr komme ich an die Kreuzung, von wo aus der Kay Creek track beginnt. Muss mich entscheiden, denn es wird ein Weg mit einigen Flussquerungen. 100% sicher bin ich mir nicht, ob ich das will. Jedoch fällt es bei dem herrlichen Wetter schwer zu wiederstehen.

So früh am Tag und ich denke, dass falls es zu heikel wird, immer noch genug Zeit zum Umkehren bleibt. Von der Kreuzung zur Mid Caples Hut sind es nur 3 Std.
Also los hinein ins Valley.....

Ich sollte es nicht bereuen, ein zauberhaftes Tal, so richtiges Hobbit Land. Bin gespannt, wann sie auftauchen 😇.
Zunächst geht es trocken Fußes gut 2/3 des Weges. Dann allerdings ändert sich das und es gibt keine Alternative, durch das tiefe Wasser muss es nun sein. Huiii, ganz schön frisch und so nach einer Stunde und 5 mal furten reichte es. Die Füße werden richtig kalt und das weckt unschöne Erinnerungen an die hartnäckige Erkältung, die mich so geplagt hat.

15 Uhr und die Hütte ist erreicht. Sofort die nassen Schuhe, Socken und Hose aus. Trockenlegen, Tee kochen und etwas essen.
Erst danach ein paar Bilder von der 4 Bank Hütte machen. Sie erinnert mächtig an die alte historische Hütte aus der Bealys Spur. Die hat etwas mehr Charme mit ihren echten Matratzen 😆. Die Anzahl der aus und ein spazierenden Mäuse dürfte allerdings annähernd gleich sein 😂.
Hier in der Gegendgibt es jedoch definitiv mehr der lästigen Sandflys. Da wollte ich vorhin auf einem Baumstamm über den Fluss. Himmel, was haben die Viecher mich angegangen, nur weil ich nen bissel langsam war. Hoffe, die mögen diese Hütte nicht und bleiben draußen.
Werde also die Nacht hier verbringen und den fehlenden Schlaf letzter Nacht nachholen.
Später: Ich glaube es kaum, nun ist eben eine ganze Familie hier eingetroffen. Da bin ich ja mal gespannt was das gibt diese Nacht.

Tag 43, Freitag der 3.1.2020; Rundwanderung

Der Tag startet mit Sonne und ich lasse die überfüllte Hütte zügig um 7 Uhr hinter mir. Frische kühle Luft empfängt mich auf dem Weg. Feuchtigkeit lässt die Moose duften und immer auch ein klein wenig modrig - aber nicht wie in manchem alten Keller 😀.

Es geht weiter entlang des Greenstone River, manchmal im Wald und oft über freie Weideflächen. Ganz nah die Begegnung mit einer Kuhherde und der stattliche Bulle begrüßt mich mit einem tiefen "Muuoohhh". So wirklich für mich interessiert hat er sich allerdings nicht 😇 gut so!
Heute war mein Tag der Tiere, eine Gruppe Rehe, diese sind allerdings um einiges kleiner als die unseren und sehr dunkel braun bis anthrazit gefärbt. Wildenten, diese winzig kleinen Vögel, welche den Wald mit ihren zarten Tönen bereichern. Ein Wald-Wiesel 😉 vielleicht findet ihr es auf dem Bild. Die Automatik der Kamera hat noch geschlafen und ruckzuck war das Wiesel wieselflink wieder verschwunden. Ein Mohua/Yellowhead und Hasen. Das ist viel Getier für Neuseelands Verhältnisse.

Es war eine tolle Wanderung, die für mich schon um 12.30 Uhr an der Mc Kellar Hut endet. 24 Leute finden darin Platz. Jetzt, um 19 Uhr, ist die Hütte gnadenlos überfüllt. Ferienzeit halt, da geht die Post ab.

Der Hüttenwart nennt mir auf Nachfragen zwei spannende kurze 2,5 Std. Trails. Einen mit Wasserfall und den anderen hinauf auf den Hügel hinter der Hütte. Dort mit Blick zurück auf den Tag, durchs Greenstone Valley und die andere Richtung der Lake Mc Kellar und Lake Howden. Es geht durch einen bemoosten Zauberwald (Herr der Ringe lässt wieder grüßen) hinauf bis oberhalb der Baumgrenze. Der Blick öffnet sich wie versprochen. Herrlich und ich freue mich, dass ich die Mühe noch auf mich genommen habe.
Jetzt habe ich gut versorgt, satt und zufrieden mich lang gemacht im Schlafsack. Entspannung und Müdigkeit breitet sich aus. Werde bald die Augen schließen, denn morgen gibt es einen langen Tag und Weg.

Kunterbunt die Menschen die hier in der Hütte übernachten und aus allen Richtungen kommen. Für die Meisten geht es morgen auf den Routeburn Trail, einer der 9 Great Walks mit Kultcharakter. Ich nicht, denn ich werde zunächst Richtung Mid Caples Hut wandern und dann in ein Seitental einbiegen. Folge dem Kay Creek River zur gleichnamigen Hütte.


Tag 42, Donnerstag der 2.1.2020; Rundwanderung

Bin um 5 Uhr schon wach und kann nicht mehr schlafen, also raus und mit all meinen Sachen in die Küche. Dagegen ist das letzte Mädchen im Zimmer gerade erst ins Bett 😀.
Um halb 8 warte ich artig mit allen Mitreisenden auf den Bus, der uns zu den unterschiedlichen Tracks bringen wird. Greenstone und Capels Track höre ich den Fahrer rufen. Jawohl melde mich, damit mein Rucksack in den Tiefen des Buses verschwinden kann. Staubige Angelegenheit, denke ich noch so und in der Tat: als ich ihn später wiederbekomme, ist er kaum wiederzuerkennen. Aus lila wurde beige, das will was heißen.

Die Fahrt entlang des Lake Wakatipu verläuft kurzweilig und 45 Minuten später sind wir in Glenorchy, die „Herr der Ringe“ Welt ist unverkennbar. Einige Leute steigen hier aus und wir anderen warten auf einen kleineren Bus der uns zum Ausgangspunkt des Greenstone Tracks bringt. Es wird eine wilde Fahrt auf Schotterstraße, die nach wie vor von den starken Regenfällen vor drei Wochen zum Teil überflutet ist. Ich hoffe sofort, dass der Trail nicht ebenfalls betroffen ist und ich mit trockenen Füßen wandern darf.
Um 12 Uhr setzt uns letzte Gäste der Fahrer am Beginn des Wanderweges ab.
Die Rucksäcke werden geschultert und eine kleine Gruppe von 8 Leuten macht sich auf den Weg.
Es geht gemütlich dem Verlauf des Greenstone River folgend aufwärts. Sehr abwechslungsreich durch Wald und später auch Wiesen, vorbei an etlichen kleinen Wasserfällen. Eine schöne Strecke, die um 16 Uhr an der Greenstone Hütte ihr heutiges Ende findet.
Der Hunger ist riesig und es wird erst Nudeln mit Sahnesoße zubereitet. Die Koje gerichtet und Wasser getrunken. Das war gestern zu wenig und will aufgefüllt werden. Inzwischen füllt sich die Hütte, ich glaube bis auf den letzten Platz.

Ein paar Daten zu Neuseeland zwischendurch:

Der Inselstaat, der aus zwei großen großen Inseln und zahllosen kleineren Inseln besteht, hat eine Fläche von 270.000 km² (rund 2/3 von Deutschland) mit 4,8 Millionen Einwohner (Deutschland das 18-fache).
Weite Bereiche des Landes werden beherrscht von Gebirgen vulkanischen Ursprungs, in die während der Eiszeiten Gletscher tiefe und steile Täler geschnitten haben.

Neuseeland wurde etwa zu Beginn des 14. Jahrhunderts von Polynesiern besiedelt. Erst 300 Jahre später entdeckte der erste Europäer das Land der langen, weißen Wolke, wie Neuseeland in der Ureinwohnersprache heisst. Abel Tasman setzte allerdings bei seiner Entdeckung 1642 keinen Fuß an Land, da es bei einer blutigen Konfrontation mit den Maori zu drei Toten unter seiner Mannschaft kam.

Erst 100 Jahre später erkundete James Cook die Inseln intenisver und erforschte auch das Landesinnere. Danach erfolge eine langsame Kolonialisierung, die zum Schluß zu einer Integration Neuseelands ins Commonwealth der Engländer führte.

Hauptprodukt Neuseelands war Anfang des 20. Jahrhunderts die Schafswolle, die in den Webereien Englands zu Stoffen verarbeitet wurde. Noch heute gibt es mehr Schafe auf Neuseeland wie Einwohner.
Wirklich gefährliche Tiere gibt es nicht auf den beiden Inseln. Im Gegensatz zu Australien sind die giftigsten Tiere eher Wespen und Bienen sowie an Land gespülte Quallen wie z.B. die Portugiesische Galeere. Leider wurden auch einige Tiere eingeschleppt (einige giftige Spinnenarten aus Australien) und vor allem Ratten und Katzen von den Schiffen der Siedler früherer Zeiten. Diese haben - zusammen mit den Ureinwohnern - die allermeisten bodenbewohnenden Vögel ausgerottet. Nur noch geringe Bestände des Nationalvogels "Kiwi" werden streng geschützt.
Neuseeland hatte wegen seiner für Millionen Jahre isolierten Lage eine eigene Fauna entwickelt. Da es nicht wie in anderen Regionen Landraubtiere gab, verlernten etliche Vogelarten das Fliegen. Darunter auch der bis zu 3 m große Moa.

Wegen der geringen Bevölkerungsdichte (ein Großteil wohnt in den Ballungszentren Wellington und Christchurch) hat Neuesseland weite Bereiche unberührter Natur. Das trifft allerdings vor allem für die unzugänglichen Bergregionen und das Fjordland im Süden zu. Da, wo Schafszucht möglich war, wurden großflächig die Wälder entfernt und durch Grasland ersetzt. Über zwei Jahrhunderte Schafshaltung prägte manche Landschaft schon sehr nachhaltig.

Neuseeland erreichen ist kein Problem. Die beiden Inseln sind eng mit allen Industrienationen dieser Welt verbunden. Als Traumziel für Wanderer und durch sein europäisches Flair beliebtes Touristenziel zieht es jährlich Hunderttausende von Fluggästen an. Von Deutschland aus dauert der rund 20.000 km lange Flug fast einen ganzen Tag. Die Zeitverschiebung beträgt exakt 12 Stunden, wobei Winter und Sommer ausgetauscht sind. Die beste Reisezeit ist daher November bis Mai (Frühjahr bis Herbst). Bezahlt wird in Neuseeland in NZ-Dollar und man fährt links.


Bis zum 6.1.2020...
...wandert Andrea eine Runde durch die Ailsa Mountains im Ortago-Bezirk nahe dem Lake Wakatipu nordwestlich von Queenstown

 

Tag 41, Mittwoch der 1.1.2020, der erste Tag im neuen Jahr

Bin früh wach, aber schlafe noch einmal ein, denn etwas Erholung fehlt noch.
Später ist es 9 Uhr - nun aber schnell aus dem Zelt gekrabbelt. Kaffee und Müsli, gepackt ist schnell. Der erste Geländewagen kommt zurück aus den Bergen. Wir waren uns gestern schon begegnet. Sie fragen, ob alles in Ordnung sei, wir wünschen einander ein gutes neues Jahr und sie fahren weiter talauswärts.
An dieser Stelle möchte ich die Hilfsbereitschaft der Menschen in den abgelegenen Regionen einmal besonders hervorheben. Jeder fragt Jeden wie es geht und ob alles in Ordnung sei.


Weiter mit den Worten des Lobes am ersten Tag des Jahres 😊:
Die neuen Schuhe (die alten nicht minder): Ein genialer Schuh, den Salewa da auf den Markt gebracht hat. Michelin macht mit dem Profil eine glänzende Figur 😊. Da bin ich am steilen Hang an meiner Grenze und der Schuh greift immer noch. Auch im Wasser und nassem Gelände, kaum nachschnüren und der Schuh behält Form und Stabilität. 3 Tage im nassen Zustand an den Füßen und nicht eine Blase, weder trocken noch nass. Ein Traum von Schuh und obwohl ich immer gerne den Salomon Ultra getragen habe, für die Langstrecke war er immer blaseanfällig. Mein Schuh der Zukunft ist der an meinen Füßen 😇.
Ich bin auf dem Weg und gönne mir einen Abstecher und damit gleichzeitig die Rückführung auf den TA. Umrunden auf einem beliebten Trail den German Hill.
Versende etliche Neujahrsgrüße, denn mit dem Netz hier in der Zivilisation klappt das endlich wieder.

Als ich gegen 14 Uhr in Arrowtown ankomme, da staune ich nicht schlecht über den Rummel an Touristen. Ja klar, in grauer Vorzeit waren es die Goldschürfer, welche die Region heim suchten. Heute sind es Massen an Touristen, die das kleine Städtchen am Ende des Goldflusses besuchen. Sie wandern ein Stück hinein ins goldig Tal oder leihen Schaufel und Sieb, um sich ein wenig im Fluss zu vergnügen.
Allerdings - und das fand ich schon sehr spannend - oben im Tal sind in der Tat noch Goldsucher am Schürfen, das  jedoch mit Kompressor und perfekten Equipment.
Dieses Arrowtown mit seinen kleinen Gebäuden, die versuchen, den einstigen Charme des Städtchens widerzuspiegeln, es hat was und ich kann verstehen, dass Menschen kommen, um diesen besonderen Ort zu besuchen.
Ich allerdings freue mich auf eine Mitfahrgelegenheit nach Queenstown, wo ich mir kurzerhand (es regnet) ein Bett im Hostel gebucht habe.
Da stehe ich an der Hauptstraße hinaus aus Arrowtown und Auto um Auto fährt vorbei, so viele und so viele Touristen mit ihren Mietwagen😔. Enttäuschung macht sich breit, klar ich bin nicht die hübsche junge Frau, die eine Mitfahrgelegenheit sucht, aber dennoch… 

Ich wollte schon losgehen, um dem Gefühl der Enttäuschung zu entkommen, da kommt ein echter Oldtimer an die Kreuzung. Es gibt kein Fenster zum Runterkurbeln 😊.
Der ältere Herr fragt, wohin ich möchte, ich antworte Queenstown. Er fahre nur nach Frankston - nun das liegt auf dem Weg. Ruby, ihre Schwester sind mit Großvater auf Shoppingtour. Mein Rucksack findet bei den beiden Mädels auf der Rückbank Platz und ich vorne neben dem Opa. So geht es mit dem Ford aus dem Jahre 1930 Richtung Frankton.
Das Leben ist so unglaublich bunt und vielfältig, so ein köstliches Erlebnis. Die Drei setzen mich am Busbahnhof ab, von wo aus ich den Bus nach Queenstown nehmen kann.

Nun sitze ich hier im Hostel, eingekauft, gut gegessen, Wäsche gewaschen. Nur Dusche fehlt noch 😀, folgt sogleich.
Für morgen früh einen Bus gebucht zum Ausgangspunkt einer 4 Tage dauernden Rundwanderung. Bitte nicht wundern, wenn die nächsten 4 Tage eventuell nichts von mir kommt. Alles was mehr als einen Tagesmarsch von der Zivilisation entfernt ist, hat kein Netz.
Werde nun mal duschen und dann die Bilder von gestern für euch laden und meine Sachen für morgen packen. Ich habe Glück, denn Einiges kann hier im Hostel bleiben, denn am 6. Januar werde ich eine weitere Nacht hier sein.


Tag 40, Dienstag der 31.12. Letzter Tag in 2019

Ein besonderer Tag, den ich in Gedanken mit all denen teile, die mich durch das Jahr begleitet oder auch "nur" einen Augenblick lang gesehen haben. Die ich kennenlernen durfte und die sich für mich interessierten. Menschen die mir ein Lächeln schenken und das Meine erwidern.

Die Nacht war sternenklar und der Morgen begrüßt mich mit strahlend blauem Himmel. Es wird ein traumhafter Tag werden!
Nach Kaffee und Müsli ist schnell alles verpackt und es kann los gehen. Zunächst über eine alte Fahrspur hinaus auf den Roses Saddel mit ca. 1200 m. Weiter führt der Pfad durch die offene Landschaft entlang den Flanken der mit Gras bewachsenen Hänge. Es geht gemütlich hinunter ins Tal des Arrow River.

Die alte Goldschürfer Siedlung lädt zu einem kurzen Besuch ein. Viel zu sehen gibt es nicht, aber allein das Tal mit den unzähligen Lupinien, die betörend ihren Duft verströmen, ist ein Genuss besonderer Güte. Heute gibt es für mich einige Flussquerungen mit einer Höhe und Strömung, welche gerade noch machbar ist für mich. Ich genieße es sogar, denn die Temperaturen am letzten Tag des Jahres sind gnadenlos sommerlich. So macht Fluss wandern dann auch mir wieder heftig Spaß 😀.

Eine kleine Mittagspause mit Schläfchen im Schatten, dann geht es das Flusstal weiter abwärts. Ich entscheide mich für die Geländewagen Spur am Fluss entlang. Der TA würde über einen weiteren Hügel nach Arrowtown führen. Mich reizt das Tal mit seinen tiefen Blicken jedoch mehr.
Der Weg ist gigantisch und die 4 Geländewagen, welche mir entgegen kommen, haben gut zu tun 😁.

Der Tag neigt sich und von 7 Uhr an bis jetzt war es ein langer Tag. So schlage ich, nachdem ich genug habe vom Duft der Blumen hatte, an einem geeigneten Plätzchen das Zelt auf. Schnell was kochen, essen, Katzenwäsche und nix wie rein ins Zelt. Aus der Angriffsfläche der Sandflies entschwunden, surrten sie vor dem Netz und ich habe endlich Ruhe. Die Biester treten immer in großen Schwärmen auf und sind blutdurstig ohne Ende.


Der letzte Tag des Jahres neige sich hin Richtung 2020 und ich schlafe hinein......

Tag 39, Montag der 30.12.2019

Ich habe nicht so toll geschlafen, dafür gab es allerdings in der Nacht dann die Gelegenheit, einmal wieder einen schönen Sternenhimmel zu betrachten.
Hoffentlich hab ich mit meinen Resten von Husten nicht alle vom Schlafen abgehalten.
Es schien am Morgen nicht so, denn alle außer mir und dem Schweizer in seinem Zelt waren schon kurz nach 6 Uhr auf den Beinen. Ich überlege kurz, ob ich den Tag über hier bleiben sollte, entschliesse mich aber dann doch zum Aufbruch.

So gegen 9 Uhr starte ich und der Weg zur nächsten Hütte ist mit 6-8 Stunden als recht lang angegeben.
Es geht hinauf und wieder hinab, etliche Höhenmeter auf wirklich schmalen Pfaden. Ihr könnt es auf den Bildern sehen oder zumindest die Stangen mit der orangenen Markierung. Manchmal ist der Pfad so zugewachsen, dass es mühsam ist, nicht vom richtigen Weg abzukommen.

Um 12 Uhr Mittagspause und später vor dem Abstieg zur Roses Hut noch eine Pause. Die Aussicht ist einfach nur schön. Bis zurück zum Lake Wanaka reicht der Blick und das bei traumhaftem Wetter. Es mussten wieder ein paar kleine Flüsse gequert werden, was hüpfend über Steine gut machbar war. So blieben die Füße trocken 😁.


Was ich lange nicht mehr so zahlreich gesehen habe sind Eidechsen. Ohhhh wie sie auf dem Pfad vor mir herrannten. Hatte ständig Bammel, auf eine drauf zu treten.
Gegen 16 Uhr etwa erreiche ich die Übernachtungshütte, wunderschön in mitten von Schafweiden gelegen. Eine Katzenwäsche und dann aber erst mal eine Suppe und dann noch Pasta mit Champion. Boahhhhh hatte Kohldampf wie lange nicht 😉😊.

Nun ist es 20 Uhr, denke „Langmachen“ wird gleich extrem gut tun.
Draußen hat Flavien (Schweiz) sein Zelt aufgeschlagen und eben kam noch Ed aus England an, der allerdings als Nobo (nach Norden wandern) unterwegs ist.


Tag 38, Sonntag der 29.12.2019

Sehr gut ausgeschlafen und die Beine haben den Probe-Ausflug auf den Berg gestern gut weggesteckt. Stehe um 7 Uhr auf und bin nach dem Frühstück alsbald unterwegs. Hoffentlich findet sich eine Mitfahrgelegenheit, es ist Sonntag und zudem ein Festival in der Stadt. Ob da wohl wer nach Glendhu Bay hinaus fährt ist fraglich.

Ein junger Mann hält dennoch an. Leider nicht passend, denn nach Queenstown möchte ich ja auf dem Te Araroa und nicht per Auto - danke.

Wenig später hält ein älterer Herr. Er lebt hier in Wanaka und heute muss er einen Wohnwagen vom Campingplatz abholen. Wir unterhalten uns ein wenig und dann meint er, er habe noch Zeit. Wenn es recht ist, bringt er mich gerne zum Anfang des Trails.
Das freut mich natürlich sehr, denn an einer Schotterstraße entlang zu wandern ist nicht sehr prickelnd. Da sind wir Wanderer den Bauern recht egal, die fahren mit Karacho vorbei und der Blick in den Rückspiegel wäre, als habe es mich nie gegeben. Ich muss schon beim Gedanken dran Husten!

Der wirklich tolle Trail führt auf schmalem Pfad stetig bergauf. Folgt dem Fluss in einigem Abstand, doch er bleibt stets gut zu sehen. Deutlich sieht man, dass auch hier vor zwei Wochen die Wassermassen entlang geschossen sind. Sehr schön geht es durch den Wald und immer enger wird die Schlucht. Tosender der Fluss, der sich immer wieder in die Tiefe stürzt. Ein spannender Weg und bis sich das Tal nach oben öffnet, bin ich gut 3 Stunden unterwegs. Eine weitere Stunde entlang der mit Tussock Gras bewachsenen Hänge. Steil geht es neben mir runter und oft passen nicht zwei Füße nebeneinander. Die Aussicht ist toll, zurück auf den Lake Wanaka und vor mir das endlos scheinende Gebirge. Etwas mehr als 4 Stunden und es ist Zeit für Futter als ich um 12.30 Uhr an der Fern Burn Hut ankomme. Eine Hütte für 12 Leute und ich als einziger Gast. Koche eine Suppe und Tee, danach auf der Veranda ein kleines Schäfchen.
Derweil kommt ein junger Mann aus der Schweiz, er befindet sich auf Weltreise und wandert mal ein Stück auf dem TA.
Ein kurzes Gespräch, dann macht er sich auf zur nächsten Hütte.
Es ist 14 Uhr und ich wollte eigentlich Schluß machen für heute. Gestern waren es genug Höhenmeter für einen Tag. Irgendwie jedoch sagen meine Beine und der Bauch, komm lass uns auch nochmals aufbrechen. So viel Tag noch übrig und das Wetter doch auch nahezu optimal zum Wandern. So gehe ich weiter auf dem Weg.....

Steil auf und ab immer entlang des Hanges durch das endlose Wogen der Hügel und Berge, ab und zu ein paar kleine Flüsse zu überqueren. Nach weiteren 4,5 Stunden anspruchsvollen und spannendem Weges komme ich an der Highland Creek Hut an. Ich kann euch sagen, die Übernachtung in diesen Hütten ist mit 5 Dollar super günstig. Ganz ehrlich, dennoch muss man sich diese Übernachtung hart verdienen 😀. Jeder dieser Trails ist die Anstrengung wert und Körper wie Geist genießen das ankommen.

Nun ist es 19.30 Uhr, habe gut gegessen und getrunken, so dass die Matratze gleich von mir belagert wird. Lang machen, lesen und hinüber ins Traumland dämmern.
Außer dem Schweizer sind noch ein Paar aus Neuseeland und ein Neuseeländer mit in der Hütte, welche gut für 12 Leute geeignet ist.


Hier ist nochmals der Link zur Spendenseite

Tag 38 und 40; 31.12.2019 - Wieder auf de Te Araroa

Red.: Seit Sonntag ist Andrea wieder auf dem Te Araroa unterwegs Richtung Queenstown. Zwar kein Empfang, aber wohlbehalten.
Über den ins Gebirge hinauf steigende Motatapu Track (von 400 Hm bis hinauf auf 1240 Hm) ist Andrea mittlerweile kurz vor Arrowtown und damit wieder in der Nähe der Zivilisation. Im Abstieg müssen Dutzende von Bäche wieder gequert werden. (beispielhaftes Video für zu viel Wasser auf dem Weg: HIER!)


Tag 37, Samstag 28.12.2019, 1200 Höhenmeter hinauf zum Roys Peak

Werde durch das Gezwitscher der Vögel geweckt und eine Mitbewohnerin des 6-Betten-Domizils macht sich auf Richtung Bad. 7 Uhr ist eine angenehme Zeit wie ich finde. Allerdings liegt in den Hostel die durchschnittliche Aufstehzeit eher kurz vor checkout 😉.

Der Blick aus dem Fenster verspricht einen Traumtag, also dürfen wir gespannt sein, was er bereit hält. Um 10 Uhr bin ich auf dem Weg hinauf zum Roys Peak und der Weg kann seine Beliebtheit kaum verbergen. Der Parkplatz gerammelt voll und Massen von Menschen strömen dem gleichen Ziel entgegen.

Das Internet hat mir verraten, dass es da oben den beliebtesten Fotospot von Neuseeland gibt. Die Menschen stehen Schlange, um da ein Foto zu machen 😀 Jupp wider meiner Art, ich auch 😆😇. 1200 Höhenmeter warten auf mich und ich werde mein Möglichstes tun, sie zu bewältigen.

Wie ihr auf den Fotos seht, bis zum Fotospot habe ich es geschafft. Nach kleiner Pause dann noch einmal 30 Minuten bis zum Gipfel. Auch der Weg und die Mühen haben sich gelohnt: es war.....ohne weitere Worte....gigantisch!

6 Stunden für Auf und Abstieg, die Beine brauchen für heute nix mehr. Die neuen Schuhe sind eingelaufen und die Füße zufrieden damit. Ein junges Paar aus der Schweiz, wir hatten ein ähnliches Tempo und kamen in Kontakt. Sie sind so freundlich und nehmen mich wieder mit zurück vom Parkplatz in die Stadt. Nach richtig leckeren Essen - Reste von gestern – und einer Dusche, liege ich die Beine hoch nur noch gemütlich im Bett 😊. Genieße die Entspannung und freue mich über diesen traumhaft schönen Tag.

Werde gleich ein paar Infos einholen und kann euch schon mal verraten, dass ich morgen früh auf den Te Araroa zurückkehren werde. Das Zeitfenster ist groß genug so dass ich, falls die Flüsse doch nicht passierbar sind, wieder umkehren kann. Ich gehe von 7 Tagen bis Queenstown aus. Das sind Tages Etappen von ca. 16 - 20 km. Das sollte trotz der hartnäckig sturen Erkältung machbar sein. Heute habe ich gemerkt, dass die Energie wiederkommt, also zuversichtlich auf den Weg mit mir. Ich kann und da bin ich ganz ehrlich, den Tourismus Trubel nicht länger ertragen. In Queenstown dann wieder, das soll reichen 🙃.

Tag 36, Freitag der 27.12.2019 - Wanderung bei Wanaka

Geschlafen wie ein Stein und von daher um 7 Uhr gut mit Kaffee und Müsli in den Tag gestartet. Die Wut über die 40 Dollar für „mich und das kleine Zelt“ als Weihnachtsspezial mit 100% Aufschlag, sie ist ausgeschlafen.
Ich packe etwas zum Trinken, einen Apfel und Nüsse in den kleinen Rucksack und mache mich danach auf, etwa 13 km endlich wieder auf dem Te Araroa zu wandern. Bin der festen Überzeugung, dass eine Rückkehr auf den Trail für mich nicht möglich sein wird – noch immer sind Teile des Weges gesperrt, weil die Wassermassen den Weg weggespült haben oder Erdrutsche ihn ganz verschüttet haben). Doch so will ich zumindest ein paar tolle Kilometer mit herrlichen Ausblicken genießen.

Entlang des Lake Wanaka sind die Strände übersät mit Treibholz. Sichtbares Zeichen, dass immer wieder Sturzfluten die Wälder an den Berghängen durchströmen und das Todholz mit hinab nehmen in den See. Ausgeblichen von der Sonne liegt das Holz am Ufer bis zum nächsten heftigen Sturm, der es wieder an ein anderes Ufer treiben wird. Tolle Sicht auf die umliegenden Berge.

Nach der Wanderung trampe ich die 10 Straßenkilometer zurück. Ein netter junger Amerikaner nimmt mich in seinem kleinen Camper mit. Zurück am Campingplatz ist es 12.30 Uhr bei einem Kaffee, fluchs das Zelt abgebaut und schon gleich auf dem Weg in die Stadt Wanaka am gleichnamigen See. Im Hostel eine Übernachtung gebucht und zahle nicht mehr als auf dem Campingplatz. Allerdings mit super Bett, saubere Dusche und Küche.

Julie, mit der ich ja gestern am Mount Cook unterwegs war, habe ich für heute Abend zum Essen eingeladen.

Inzwischen ist eingekauft, die Schuhe, welche ja schon zu Beginn der Wanderung anfingen sich aufzulösen, wurden mir im hiesigen Outdoor Sport Geschäft gegen Neue getauscht. Eine Leistung von Salewa, die ich ihnen hoch anrechne. Sie haben sich da ordentlich drum gekümmert, nachdem ein Freund sich mit ihnen über die Probleme ausgetauscht hat. (Red.: Sie senden schöne Grüße aus den Dolomiten und wünschen Andrea gute Weiterreise)

Nun noch ein kleiner Spaziergang und dann ganz heimelich an den Herd und was leckeres kochen für Julie und mich😁.



Tag 35, Donnerstag der 26.12.2019

Bewölkt rings um den See, nur vereinzelt ein paar Silhouetten der Berge. In diesem Licht liegt der See ruhig und gewöhnlich da.

Heute da ich leider nicht zurück auf den Te Araroa kann, geht es mit einer netten jungen Frau Julie aus Frankreich. Wir fahren zusammen zum Mount Cook, mit über 3700m der höchste Berg auf der Südinsel Neuseelands. Der Wetterbericht sagt, dass es etwas aufklaren soll mit gelegentlich Sonne. Also ran an den Tag und hinein in die Berge der südlichen Alpen.

Eine tolle Fahrt hin zum höchsten Berg, mehr und mehr bessert sich das Wetter. Am Lake Pukaki dann kam der Mt. Cook ins Blickfeld, die vergletscherte Spitze in der Sonne glänzend.

Die Fahrt am See entlang mit traumhaften Ausblicken und dann hinein ins brettflache Schwemmland-Tal, näher und näher an den Berg heran. Dort, am Fuß des Mt. Cook, umgeben von vergletscherten Felswänden, die steil in den blauen Himmel hinauf ragen, eine 3 Std. Wanderung auf dem Hooker Valley Track mit drei großen Swingbridges (die hätte ich mir gelegentlich auf dem Te Araroa gewünscht) führt uns zu einem Gletscher See, auf dem kleine Eisschollen treiben.

Das Wetter meint es richtig gut mit uns und wir freuen uns mächtig über den berauschenden Anblick des Riesen mit der Eiskappe.

Die Rückfahrt führt an einem schönen Lavendelfeld vorbei, das sich gefühlt bis zum 120 km entfernten Lake Wanaka zog.

Nun bin ich für die Nacht auf einem Campingplatz und habe mich mächtig über die Abzocke geärgert (40 Euro für das kleine Zelt und mich). Das Zelt steht und der Bauch ist gefüllt. Jetzt noch ein paar Bilder zu euch senden und eine Wanderung für morgen planen.

Bin müde und voller Eindrücke des Tages – leider auch alles andere als gesund, was mich traurig macht.

Tag 34, Mittwoch der 25.12.2019 und Geburtstag meiner lieben Patentante sowie eines guten Freundes. Ich denke an euch und wir feiern beim Wiedersehen.

Der erste Feiertag beginnt und für euch die heilige Nacht.

Frühstück hier im Hostel bedeutet lebhaft Einblicke in jegliche Kultur unseres Planeten 😀. Eine bunte Mischung aus Frühstücksritualen und im Hintergrund Weihnachtsmusik. Der Tag beginnt in netter Gesellschaft und von einer besonderen Begegnung möchte ich euch erzählen.

Eine junge Frau fragte, ob sie sich zu mir setzen dürfe. Natürlich biete ich ihr einen Platz an und wir kommen ins Gespräch.
Conny aus Südkorea, in England verheiratet, reist alleine durch Neuseeland. Immer wieder mit dem Bus von A nach B. Sie erzählt mir von dem traumhaften Sternenhimmel, den sie vor 3 Nächten oben auf dem Mount John erleben durfte. Erzählt weiter, dass ihre Mutter vor 2 Monaten gestorben sei...... 

Tränen stehen in ihren Augen und Trauer. Es drängt mich, ihr zu sagen, dass ihre Mutter immer um sie sein würde. In jedem wundervollen Moment, so wie in diesem traumhaften Sternenhimmel, den sie sehen durfte. 

Ich greife das Thema auf und spreche ein wenig vom Heimgang meiner Mom. Auch davon, wie schwer es doch fällt loszulassen. Wie wir Zeit unseres Lebens nach vorne schauen und wenn die letzte Lebensphase beginnt, wir Mut brauchen mit unseren geliebten Menschen, nicht mehr nach vorne, sondern nach oben zu schauen.

In diesem Moment, wohl unbewusst um meine Worte zu unterstreichen, richtet sich mein Blick nach oben. Durch das getönte Fenster im Essbereich des Hostel sehe ich den Teil eines Regenbogens. Sage zu Conny: „Schau nur, da ein Regenbogen, wie schön. Komm lass uns ein Foto machen!“ und gehe zur Terrasse hinaus. Als ich mit meiner Fotobegeisterung auch andere darauf aufmerksam mache, kommen mehr und mehr Leuteneugierig, um auch zu schauen und das Phänomen zu fotografieren. Ein kompletter Haloring um die Sonne herum (winzige Eiskristalle am Rand zur äußeren, lebensfeindlichen Atmosphäre, 8-10 km hoch, in denen sich das Sonnenlicht bricht wie in einem Regenbogen) . Die Handys machen das heutzutage richtig super. 

Wieder am Tisch, ist Conny ganz erfüllt und ich berührt von ihren Worten über mich. 

Wir gehen noch zusammen zur kleinen Kapelle und dann fährt ihr Bus nach Queenstown.   

Für mich folgt eine kleine Wanderung am See entlang und nun nach dem Resteessen von gestern liege ich lang und genieße die Erholung. Muss euch gestehen, dass die Erkältung auch durch die Antibiotika nicht wirklich zu beeindrucken war. Fühle mich immer noch nicht wieder wirklich fit. Es kommt und geht..... 😒. (Und wer Andrea kennt, der weiß, dass sie normalerweise nie klagt, sondern lieber die Zähne zusammen beißt)


Tag 33, Dienstag der 24.Dez. Heiligabend 

Der nächtliche Ausflug war ein Reinfall sondergleichen. Will mich gar nicht weiter darüber auslassen aber für 100 Euro eine echte Abzocke. Egal.... Weiter...

Der Campingplatz, eine Katastrophe von Lärm die dreiviertel Nacht lang. Da ich sowieso erst um 5 Uhr zum Schlafen kam, wars jedoch fast egal.

Um elf Uhr stand ich am Eingang der Hot Springs, von denen ich mir allerdings auch etwas mehr erwartet hatte. Das Fazit über Tekapo, ein Ort voller Touristen und so sind auch die Angebote entsprechend: „einmal und dann nie wieder“. Bin ein klein wenig enttäuscht und jetzt hier im Hostel, was wirklich schön ist, auch noch die Botschaft, dass der Brief mit den Hildabrötchen nicht angekommen ist 😒.

Sonst war der Tag aber in Ordnung. 

Gleich - und da freue ich mich sehr darauf - werde ich in die kleine Kirche hier am Ort gehen: die Chapell of the good Sheppard 😇.

Später in der Nacht: Ohhhh, wie schön war das in der Kapelle, bekam den letzten freien Platz, aber draußen vor der Tür standen noch Massen von Menschen.

Es wurde gepredigt, gesungen, gebetet und Hände gereicht, Umarmungen machten die Runde. Zum Schluss standen alle mit einer kleinen leuchtenden Kerze da und sangen Stille Nacht.

Ich habe diese 2 Stunden inklusive des Spaziergangs hin und zurück sehr genossen. Es war mein Highlight des Tages!

Die Eindrücke nehme ich mit in den sehr notwendigen Schlaf und das Traumland ist davon angefüllt.

Tag 32, Montag der 23.12.2019 Lake Tekapo

Ich kann mich nicht erinnern wann ich zuletzt von solch extremen Vogelgezwitscher geweckt wurde, vielleicht vor 20-30 Jahren. Inzwischen erlebt man das bei uns nirgendwo mehr. Tom, der Host vom Campground, erklärt mir, dass das hier auch nur so ist, weil sie streng kontrollieren, wie die Population der verschiedenen Tiere zueinander steht.

Inzwischen ist das Frühstück beendet und ich werde langsam das Zelt zusammenpacken und auf den weiteren Weg gehen.

Ein älteres Ehepaar mit einem knuffigen VW Bulli gleichen Baujahres wie der Meinige vor 20 Jahren, Bj. 1980 😀 haben mir angeboten, mich bis zum Highway mitzunehmen. Super und ich freue mich, einmal wieder in einem solchen Schätzchen mitzufahren. Auch der Host vom Platz bot mir an, mich dorthin zu fahren, ich lehnte jedoch dankend ab. Die Menschen hier sind so freundlich.

So geht es zunächst mit dem Bulli und John und Liane bis zum Highway. Von dort mit einem jungen Mann nebst kleinen Sohn bis zum ca. 20 km entfernten Geraldine. Dort mache ich eine schöne Pause mit Milchshake, Kuchen und Kaffee 😀- die Gelegenheit ist günstig. 

Nach dem Mini-Stadtbummel nimmt mich eine Dame mit bis nach Fairlie, ca. 40 km. Von dort begleite ich den ganzen Rest über den Burkes Pass hinweg ein hier lebenden Engländer auf seiner Fahrt. 

Als mit einem Mal vor uns die schneebedeckten Gipfel der südlichen Alpen auftauchten und dazu noch der extrem türkis schimmernde See ins Blickfeld kommt, da mir fehlen mir schlichtweg die Worte. Einfach gigantisch schön!!!!!

Extrem viele Touristen bevölkern den kleinen Ort Lake Tekapo, aber verständlich ist es. 

Ich mache ein paar Fotos und versuche dann, meine von zuhause aus gebuchte Sternenschauen-Tour auf dem Mount John zu verlegen. Ursprünglich wollte ich das morgen Nacht machen, also vom 24 auf 25.12. 

Jedoch soll das Wetter schlechter werden. Zunächst schien alles ausgebucht, aber dann doch eine Absage eines anderen Sternenguckers, so dass ich diese Nacht schon in die Sterne schauen darf. Bin sehr gespannt und hoffentlich bleibt der Himmel klar. 

Auf dem Campingplatz in der Nähe des Ortes habe ich mich mit dem kleinen Zelt niedergelassen. 

Das Wetter ist so genial gut, dass ich mich um 15 Uhr auf den Weg den See entlang und zu Fuß hinauf auf den Mount John mache. Umwerfende Aussicht, aber das seht ihr ja selbst.... 

19 Uhr zurück auf dem Campingplatz und Hunger wie eine Löwin 😁

Gemeinsam mit einer jungen deutschen Frau Gemüseeintopf gekocht und mit Blick auf den See verspeist. 

Jetzt 22.30 Uhr, liege im Zelt und bin nicht sicher ob ich mir ein Nickerchen erlauben kann. Um 1.30 Uhr werde ich zum nächtlichen Ausflug abgeholt. 

Mal sehen.....

Tag 32/33 - Montag und Dienstag 23/24.12.2019 Lake Tekapo

Red.: Rechzeitig ist Andrea am Lake Tekapo angekommen. Sie hat vom 23. auf den 24. an einer 2-stündigen Sternenbeobachtung am Mt. John Observatorium teil genommen - war aber wohl nicht so toll. Aber eine Sternschnuppe ist auch für Andrea geflogen.
Und gerade (Mittag Deutschland, Mitternacht Neuseeland; 24.12.) hat Andrea an einem Weihnachtsgottestdienst in der Steinkirche am südlichen Ende des endlos scheinenden Lake Tekapo miterlebt. Durch das offene Fenster hinter dem Altar sieht man die gigantische Kulisse der Souther Alps mit ihren Bergen bis über 3.000 m Höhe.


Tag 31, Sonntag der 22.12.2019

Um 5 Uhr bereits wach, etwas Licht dringt durch das Plexiglas im Wellblechdach der Hütte. Bequem geschlafen hab ich nicht, aber es ist in Ordnung. Auf dem kleinen Gaskocher bereite ich mein Frühstück zu. Der Topf ist voll mit Wasser und sobald dieses kocht, kommt die eine Hälfte in die Brotdose zum Müsli, mit Milchpulver schmeckt das ganze passabel. Die andere Hälfte wird zu Kaffee.

Bin recht flott fertig und genieße mein Frühstück bei strammen 2 Grad draußen vor der Hütte. Der aufsteigenden Tag breitet vor mir seine Farben aus. Früh um 6 Uhr bin ich auf dem Weg zurück zur Straße, wo es hoffentlich eine Mitfahrgelegenheit gibt. Knapp 2 Std. später und ich stehe an der Straße, die von Arthur’s Pass nach Christchurch führt.

Eine Weile muss ich warten, wenig Verkehr und diejenigen, die kommen, hatten wohl keine Lust auf Eine wie mich 😉. Letztlich hält ein Pickup und ich freue mich über die freundliche Geste. So bin ich um 10 Uhr an Castel Hill, eine der „Herr der Ringe“ Kulissen. Riesige Steinskulpturen eines alten Kalkriffs mitten in der Landschaft, toll! 

Von dort nimmt mich ein junger Mann mit, der zum Klettern an die Felsformationen gekommen war. Die skurril anmutenden Felsen sind eine der schönsten Kletterspots weltweit. Ich denke, das hängt auch mit der „Herr der Ringe“ Kulissen zusammen. De Unterhaltung mit dem jungen Mann ist super, er ist Ultraläufer und das weckt natürlich Erinnerungen 😊

Das Ende der Fahrt ist für mich etwas ungünstig. Eine Kreuzung im nirgendwo mitten auf dem Highway. Ich marschiere los und trampe bei jedem der wenigen Autos, aber niemand hält an. Es ist für meine Begriffe extrem heiß und ich habe auch kein Wasser mehr zum Trinken. Zum ersten Mal, seit ich unterwegs bin, fühle ich mich mies und irgendwie ausgeliefert. Der Hitze, diese Straße und dem nicht vorhandenen Wohlwollen der Autofahrer. Mir ist zum Heulen, aber ich trottete artig weiter. 

Auf einmal hält auf der anderen Seite ein Wagen mit einem jungen Paar aus Singapur (erfuhr ich später). Sie haben wohl extra gewendet, um mich aufzusammeln. Ich bin überglücklich und die Beiden so herzlich, bieten mir sofort Wasser an und ein Stück Schokolade. Das berührt die Seele..... 

Sie sind es dann auch, die mich, noch ein paar Kilometer abseits des Highway, zu einem Campingplatz bringen. Peel Forest Campground am Rangitata River. 

Es ist 13 Uhr und nach einer kleinen Pause mit Zelt aufbauen und etwas essen gehe ich auch gleich auf einen der hier ausgeschilderten Trails. Eine Rundwanderung durch herrlichen Farnwald mit riesigen, alten Bäumen. 

Zurück am Campingplatz will ich für die Nacht bezahlen. Das Gespräch mit dem Platzwart wird sehr freundlich. Ich erzähle von der Wanderung auf dem Te Araroa und der Situation meines Spendenprojekts. Zu guter Schluß heißt er mich herzlich willkommen und die Übernachtung sei in so einem Fall auf Kosten der DOC (Department of Conservation). 

Gegessen, geduscht und morgen früh zumindest bis zur Hauptstraße schon mal eine Mitfahrgelegenheit gefunden. Vielleicht gibt es ja morgen wieder einmal eine Gelegenheit, um euch Fotos zu senden. Spätestens aber übermorgen im Hostel in Lake Tekapo.


Tag 30, Samstag der 21.12.2019

Ich bin früh auf und der Blick aus dem Fenster vermittelt ein gutes Gefühl. Es sieht nach Hoffnung auf Sonne aus!

Der übliche Backpack-Morgen beginnt: Frühstück mit Kaffee, dann die Dinge zum Weiterwandern verstauen. So geht es um 7.30 hinaus in den frischen, verheißungsvollen Tag. Der Ort erwacht gerade und langsam kommt Bewegung in die Sträßchen. Ich laufe zum Besucherzentrum mit seinem großen Parkplatz mit dem festen Vorsatz, dort eine Mitfahrgelegenheit zu finden. ‚Irgendwie‘ dachte ich, ‚komm Andrea trau dich‘.

Ich spreche zwei älteren Damen an und frage, ob sie mich das Stück bis zur Bealey Spur mitnehmen könnten. Das tun sie gerne und obwohl die Strecke nur ca. 10 km beträgt, entsteht dennoch ein angeregtes Gespräch. Die Damen sind sehr interessiert an der Spendenwanderung und noch mehr an meiner Arbeit.

Von Ausgangspunkt der heutigen Wanderung geht es auf einem matschigen aber gemütlich ansteigenden Pfad zunächst durch Wald. Danach auch freie Flächen mit traumhaften Ausblicken. Auf Stegen durch Moorland und immer wieder wunderbare Blicke auf den Bealey River sowie in das Waimakariri River Tal. Nach etwa 3 gemütlichen Stunden ist die Hütte erreicht. Eine historische Hütte, oh ja, den Eindruck habe ich sofort 😂.

Da muss ich schon sehr Zwiesprache mit mir halten, ob das mein Platz für die Nacht wird. Auf jeden Fall aber deponiere ich hier meine Sachen und möchte auf den Gipfel steigen.

Nach einer Pause mit Suppe rüste ich zum Aufstieg. Das Wetter ist immer noch gnadenlos schön und ohne Gepäck geht der Aufstieg flott vonstatten. Die Ausblicke, welche da oben auf einen warten, sind zweifelsfrei traumhaft. Gleich noch ein Gipfelchen drangehängt, will gar nicht mehr weg von da oben und die Kamera auch nicht. 

Nun ist es 20 Uhr und ich wieder an der Hütte, ein Paar aus Christchurch hat sich mit Zelt dazu gesellt. So erfahre ich auch etwas über die ungeheure Beliebtheit dieser Wanderung. Was mich keineswegs verwundert! 

Gut gegessen habe ich und hoffentlich sind die Mäuse in der Hütte nicht zu aktiv diese Nacht. 

Morgen früh wissen wir es 😀

Tag 30 und 31, auf dem Weg nach Lake Tekapo

Ohne großen Handy-Empfang ist Andrea im Moment noch etwa 50 km Luftlinie (120 Strassenkilometer) vom Zwischenziel Lake Tekapo entfernt im Peel Forest Campsite: ca. an der Spitze des gelben Pfeils.

Tag 29, Freitag der 20.12.2019; noch immer Athur`s Pass und Regen, Regen, Regen

Das mächtige Gewitter die halbe Nacht hindurch, der auf`s Dach trommelnde Starkregen und der um die Ecken der Hütte pfeifende Sturm sorgten für eine unruhige Nacht.

So, nur unuhig geschlafen, lasse ich dann doch einfach mal den Tag erst nach 8 Uhr starten. Das Wetter lässt alle Hoffnung auf den neuen Wanderplan der nächsten Tage platzen. Dass meine Vermutung richtig ist, würde man mir das dann etwas später im Besucherzentrum noch genauer erklären.
Doch zunächst ein Frühstück in aller Ruhe und eine E-Mail an Bill (den Besitzer der Herberge), um ihm von seinem undichten Dach zu berichten. Seine Antwort darauf überraschte nur im ersten Moment: Alle Dächer in Athur´s Pass sind undicht!
Die neugierigen, verspielten Keas entfernen die Versiegelung der Nägel und zerren Dichtungen aus den Dächern heraus. „Ein ewiges Problem“, meint Bill in seiner Antwortmail.

Nach dem Frühstück dann hinüber zum Besucherzentrum. Die nette Dame lächelte schon, als sie mich wiedererkennt. Ich lächle wissend zurück und sie erklärt mir, was mir schon vorher klar war. Keine Chance, auf Wegen voran zu kommen, die durch oder nahe am Wasser verlaufen (und wo fließt Wasser am ehesten entlang: in den Talböden, durch die auch der Te Araroa führt).
So bleiben für heute nur kleine Alternativen. Stücke von Pfaden, welche hinauf auf den Berg führen. Der Avalanche Peak Track (Lawinenspitze zu Deutsch) am Vormittag in der Sonne, allerdings mit den Füßen im Bächlein, wo vor ein paar Tagen noch der Pfad war. Am Nachmittag dann mit Regen ein Stück auf dem Scotts Track. Ein paar schöne Ausblicke hat es gegeben und so war der Tag nicht ganz vergebens.
Besonders bezaubernd gab es heute noch einige Begegnungen mit den knabberfreudigen Keas und ein paar neuen Gästen in der Herberge.
Ein junger Franzose ist angekommen. Hatte wegen des Wetters den Te Araroa ausgesetzt und wollte nun erneut wieder einsteigen. Hmmmm...das wird schwierig, aber letztlich wird er das morgen im Besucherzentrum klären. Sein Essen Paket war jedenfalls zielsicher hier angekommen.
Ein ruhiger erholsamer Tag und Morgen werden wir sehen was möglich ist.
(Red.: der Regen hört erst am Samstag auf)

Tag 28, Donnerstag der 19.12.2019; Unwetter am Athur`s Pass

Es war fast schon klar, dass der Tag heute mit Regen startet. Und es hat offensichtlich auch nicht vor, heute nochmal aufzuhören. Es ist mittlerweile 15 Uhr und alle Gäste außer mir haben die Herberge wieder verlassen. Für mich gibt es heute keine andere Option als hier zu bleiben. Um mich für die Gastfreundschaft erkenntlich zu zeigen, schwinge ich Besen, Staubsauger und Putzlappen.
Dazwischen lese ich und überlege, wie es morgen weiter gehen soll und kann. Egal wie das Wetter morgen aussieht, ich muss 😉 die Füße bewegen. Der Plan steht: ich folge ab dem Klondike Corner (ob`s da auch mal Gold gab?) wieder dem Te Araroa für ein bis zwei Tage bis zum vierten Hüttesymbol (auf dem Bild, dort, wo sich das braune Symbol befindet). Dort zweige ich nach rechts ab, übernachte in der Hütte und komme dann wieder an die Straße, die von Arthur's Pass nach Christchurch führt. Das müsste dann Sonntag oder Montag sein. Damit bleibt noch genug Zeit, um auf irgendeine Art bis zum 24.Dez. den Lake Tekapo zu erreichen (nächste vorab gebuchte Unterkunft).
(Red.: Die Southern Alps, wie der gesamte Gebirgszug auf der Südinsel heißt, sind nur wenig mit Strassen erschlossen. Und nachdem die nach Australien hin liegende Strasse durch einen Erdrutsch unpassierbar geworden ist, bedeutet der Weg zum Lake Tekapo einen viele Hundert Kilometer langen Umweg über die Ostküste.)

Heute ein paar Bilder von der Herberge und die Strecke der nächsten Tage. Es ist ein gemütlicher Tag in warmer Stube, mit viel Tee und auch reichlich Essen. Schließlich war eine gute Menge in dem Paket, welches ich hierhin geschickt habe. Also futtern was geht, sonst muss ich das nur mittragen. Einiges habe ich hier in eine Versorgungsbox getan, an der sich nachkommende Wanderer frei bedienen dürfen.


18.30 Uhr und das stürmisch-regenreiche Wetter hat noch mal zugelegt. Hier im Wohnraum ist das Dach am Kamin undicht, hab mal ein paar Eimer verteilt 😁
Also Wasser ist im Augenblick mehr denn je nicht mein Element. Ist es sowieso nicht, ich bin eine Waage und die sind in der Luft zuhause 😂.

Bin sehr dankbar im Moment für dieses Dach über dem Kopf. Ich hoffe es, bleibt auch dort, grins, denn das ist ein Sturm der besonderer Klasse da draußen. Meine Herren, es regnet schier waagerecht. Vorhin ein kurzer Spaziergang zum Besucherzentrum, um meinen Plan für die nächsten Tage zu besprechen. Kann man aber auch erst morgen entscheiden. Auf dem Rückweg gegen den Sturm habe ich mir garantiert das Abendessen verdient! 😊

Nachtrag: 23 Uhr in der Nacht, die vom ständigen Leuchten der Blitze erhellt wird, während die Hütte unter den Donnerschlägen des Gewitters erzittert. An Schlaf ist nicht zu denken bei dem Unwetter draussen. Ganz arm dran, wer jetzt irgendwo auf dem Te Araroa feststeckt und im Zelt übernachten muß.

Tag 27, Mittwoch der 18.12.2019; am Athur`s Pass

Es ist noch früh, 6 Uhr, als ich das mit 8 Menschen gemischte Zimmer verlasse, um mich mit meinem Husten und einem Kaffee in die Küche zu verziehen. Die Leute schlafen noch, will sie nicht stören. Der erste Blick hinaus und ich muß mir die Augen reiben: dort zeigte sich, was gestern noch in Wolken verborgen lag. Entsprechend der gefühlten Temperatur rings herum verschneite Gipfel. Huiii denke ich, das sieht toll aus, so in die Richtung weiße Weihnachten 😁. Dennoch ist es ungewöhnlich, denn bald ist hier Mitsommerwende auf der Südhalbkugel.

Nach dem Frühstück packe ich meine Habseligkeiten zusammen und ziehe um ins Sanctuary zu Bill Trolove. Dort stelle ich schon beim Eintreten fest, dass hier doch jemand übernachtet hat und noch schläft. Es ist bereits nach acht Uhr, aber ok!
Stelle meine Sachen ab und koche mir erst einmal einen Tee. Derweil steht der junge Mann dann doch auf und in der Küche kommen wir ins Gespräch.
So erfahre ich, dass er just an dem Tag, als Phil, Leah und ich von der Blue Lake Hut los wanderten, er am Nachmittag dort ankam. Bruce, der junge Engländer, war Gott sei Dank in der Hütte geblieben und hatte sich nicht auf den Weg gemacht. Mir fiel ein Stein von der Seele.
der zweite Stein folgt gleich danach: Ich nehme mir das Gästebuch vom Sanctuary zur Hand und blätterte zu der Zeit, in der in etwa der Franzose, der Engländer und der Deutsche hier in Arthur's Pass angekommen sein müssten. Die Drei, die den Tag vor uns versucht hatten, über den Waiau Pass zu gelangen und um die wir so in Sorge waren und hofften dass sie in Sicherheit waren.
Wie sich herausstellt, sind sie hier angekommen und ich bin voller Freude, als ich den Eintrag von Florian lese. Ein sehr gutes Gefühl durchströmt mich warm. Der junge Mann aus Amerika erzählt, dass auch er auf Grund des Wetters den Te Araroa verlassen musste.
Es tut gut zu wissen, dass es den Mitwanderer auf dem TA gut geht. Besonders, wenn man mit ihnen für ein paar Stunden oder wenige Tage Zeit gemeinsam auf dem Trail verbracht hat.

Ich habe gestern viele Infos zum Trail eingeholt und es ist einfach so: Der Te Araroa ist in einem so schlechten Zustand, dass eine Rückkehr ausgeschlossen ist. Wie es ab dem Lake Tekapo weiter im Süden nach Weihnachten aussieht, wird sich noch zeigen müssen. Im Augenblick jedoch keine Chance, die Flüsse führen viel zu viel Wasser und nicht nur die. Die Landschaft ist durchtränkt mit Wasser und ganz ehrlich, ich kann mir keine dauernassen Füße mehr erlauben.

So mache ich eben mit tollen Alternativen weiter 😇. Die Kunst des Glücklichen ist, auch aus einer misslichen Situation das Beste zu machen.

Fangen wir gleich damit an: Eine Wanderung den Arthur's Pass Trail, entlang. Ich wandere etwa 2 Stunden hinauf auf die Passhöhe und habe noch dazu unverschämt und unerwartet tolles Wetter.
Wunderbare Ausblicke auf die umliegenden schneebedeckten Gipfel. Oben angekommen gleich weiter hinauf zu einem Wasserfall. Der ist zwar nicht so berauschend, aber die Sicht rundherum genial.
Dort oben treffe ich auf Simon aus Berlin. Wir kommen ins Gespräch und da er alleine unterwegs ist auf der Suche nach  tollen Eindrücke und Fotos, traute ich mich einfach, ihn zu fragen, ob er gerne Gesellschaft hätte. Dass eine solche Planänderung auch für mich eine tolle Abwechslung wäre. Kurzum, statt wie ich vor hatte, zurück nach Arthur's Pass zu trampen, fahren Simon und ich hinaus an die Westküste und Richtung Franz Josef Gletscher. Das wäre toll, denn die Gletscherzunge des Gletschers reicht so weit hinab, dass der üppige Dschungel der Tiefebenen einen deutlichen Kontrast unmittelbar neben dem Blau des Eises bildet. Aber leider ist die Straße dorthin immer noch gesperrt. Egal... Ist wie es ist, so sammeln wir dennoch tolle Momente ein und draußen an der rauen tasmanisches See gab's super lecker Fisch und Chips.
Wieder zurück hier im Sanctuary treffe ich auf eine Menge Leute. Ein Mädel aus Italien, ein Franzose und ein Paar mit zwei Kindern, woher die kommen, weiß ich (noch) nicht - also die Familie, nicht die Kinder 😀.
21 Uhr, die Kinder schlafen und auch sonst ist es angenehm ruhig hier. Für mich steht auch nur noch, lang machen und schlafen auf dem Programm. War ein toller sehr besonderer Tag.
DANKE....

Tag 26, Dienstag der 17.12.2019; Athur`s Pass

Es ist 7 Uhr und der Start in den Tag macht dem Namen der Stadt alle Ehre: Greymouth...
Wie ein grauer Schlund erscheint die Landschaft beim Blick aus dem wunderbaren Hostel Fenster. Wie wunderbarer noch wäre es bei Sonnenschein. Dieser wird sich aller Vorhersagen nach jedoch heute den ganzen Tag in flüssiger Form vom Himmel stürzen.

Die Baumfarne stehen wie fröhlich trotzende Kleinkinder mitten in den Fluten, ich muss schmunzeln bei ihrem Anblick. Gleichwohl bin ich froh und dankbar, jetzt nicht in meinem Kleinzelt sitzen zu müssen.
Oh ja, doch, ich kenne die Situation, wenn du ohne jede Aussicht auf Trockenheit deine Habseligkeiten zusammenpacken musst und dann wortwörtlich im Regen stehst 😂. Ich bekennende Warmduscherin gestehe, es könnte, täte, würde, wäre... Na sagen wir, wenn es sich vermeiden lässt, so wie für mich heute, ist doch ein klasse Gefühl und ein Faktor von Glück, wenn es nicht nass und klamm ist, sondern trocken und warm.

So die Mädels schlafen noch und in mir klingen ihre Worte von gestern wohlfühlend nach. "Wir lassen den Tag gemütlich angehen". Ach das klingt so gut und ich bin ihnen dankbar dafür, dass sie mich gestern mit dieser Gelassenheit infiziert haben..

Die Sicht auf den Tag kann rein realistisch durch saubere Fenster - ein Traum von Hostel - in den nächsten Stunden nur klarer werden. Bin mal gespannt, wie ich diese Wetterszenerie für euch ins rechte Bild rücken kann 😀.

Die Fahrt hinauf zum Arthur's Pass, einer kleinen Ansiedlung auf der Passhöhe hinüber nach Christchurch, verläuft im strömenden Regen aussichtslos. Das Hostel öffnet erst um 14 Uhr wieder die Tore. So lade ich die Mädels auf einen Cappuccino ein. Und dann lassen sich, wie zur Touristenbelustigung bestellt, zwei Keas nieder. Klar bin ich sofort raus, um wie alle ein Foto zu machen.

Als ich nach der Verabschiedung von Carmen und Miriam im Hostel einchecken will, bin ich echt begeistert, weil es wirklich gut aussieht. Die Frau an der Rezeption ist jedoch weit entfernt von Freundlichkeit. Erkläre mir dass sie seit 5 Jahren schon keine Verpflegungspakete mehr annimmt und aus der App vom TA raus wären.
Ich denke nur, oh weh, was hab ich der denn getan. Dann outet sie sich auch noch als Deutsche. Das macht das Ganze zwar einfacher aber durchaus nicht freundlicher. Alla hopp, irgendwo wird mein Paket schon sein. Im strömenden Regen also rüber zum Besucherzentrum. Die sind im Gegensatz sehr freundlich und tatsächlich: da ist auch mein Paket.
Wieder zurück im Hostel versuche ich heraus zu bekommen, wo das Geld hingekommen ist, welches ein Freund überwiesen hat. Der Name „Bill Trolove“ ist nicht bekannt, jedoch „The Sanctuary“ schon. Die Straße rauf und auf der rechten Seite. Danke für die Auskunft!

Ich trottete durch den Regen dahin. Staunte nicht schlecht, als ich den Schuppen sehe und keine Menschenseele weit und breit 🤔. Scheiche also um die verschieden designten Gebäude und denke nur: Oh mein Gott, ich glaube die Kohle ist fort, so wie das hier aussieht 😲. Ein mieses Gefühl beschlich mich, als ich das seltsam anmutende Telefon abnehme, das vor der Tür hängt.  Pieppieptututut....plötzlich eine verwaschene Stimme am anderen Ende der Leitung. Zu meinem schlechten Englisch auch noch eine schlechte Verbindung. Jedenfalls ist es aber Bill Trolove und irgendwie finden wir eine Zeit, zu der wir uns treffen wollen.

Ich wanderte in der verbleibenden Zeit noch zu der wichtigsten Sehenswürdigkeit von Athur`s Pass, dem Wasserfall. Der hat, wie die Flüsse im Moment alle, extrem viel Wasser. Tosend stürzen die Wassermassen die Felsen herunter.
Auf dem Rückweg ist Bill dann da. Wir begrüßen uns und sofort fällt mir seine warmherzliche Art auf. So freundlich und hilfsbereit, wir unterhalten uns eine ganze Weile. Er dachte es sich schon, dass ich bei dem Wetter nicht am 15.12. ankommen würde. Es regnet so viel wie seit Jahre nicht, erklärt er mir.
Er fragt mich, wieviel Geld ich bekommen solle und ich sagte 600 ND. Er jedoch gibt mir 630 ND und zeigt mir auf die Frage, ob ich morgen bei ihm übernachten kann, das ganze seltsame Anwesen. Ich will dafür bezahlen, doch er nimmt nichts an, sondern gibt mir den Türcode und fragt ob ich noch irgendwas bräuchte. So was von Freundlichkeit und Herzlichkeit habe ich nicht erwartet.

Bill gibt mir zusätzlich noch einen Vorschlag für eine 2-Tage-Tour, die auch bei schlechtem Wetter machbar sei. Ich könne danach ja nochmal hier übernachten. Ich bin begeistert und freue mich auf die nächsten Tage. Das Wetter wird nicht gut sein, aber ich bin gut und sicher untergebracht.
So eine tolle Begegnung und diese warmherzige Art, Bill Trolove gehört definitiv zu meinen Trail Engeln 😇


Tag 25, Montag der 16.12.2019, auf dem Weg zum Athur`s Pass

Der Schlaf im warmen Hostel hat gutgetan und hat mich etwas erholt. Ein Müsli mit frischem Obst und ein Kaffee danach machen startklar für den Tag.
Die wenigen Habseligkeiten als Fernwanderer sind rasch gepackt. Als ich dem Hostel Besitzer meinen Dank aussprechen will, fragt er mich nach meinen Reiseplänen. Und als ich ihm von der eigentlichen Wanderung erzähle, da bringt er mich kurzerhand an die Hauptverbindungsstraße, wo es möglich sein sollte, eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen.

Theresa aus Portugal lebt seit 13 Jahren in Neuseeland, ursprünglich wollte sie nach Australien auswandern. Sie nahm mich mit für die nächsten ca. 40 km. Von dort hat mich ein Neuseeländer weitere 20 km gefahren. Eine Neuseeländerin, die auf dem Weg nach Christchurch zu ihren Kindern und Enkelkinder auf Weihnachtsbesuch unterwegs war, nahm mich für etwa den halben Rest der Strecke mit.
Blieben noch 170 km bis nach Greymouth. Hmmmm und ich stand an einer Kreuzung im Nirgendwo. Einige Autos fuhren vorbei, alle irgendwie schon voll beladen und keiner hielt an.
Gerade hatte ich beschlossen, mal ein Stück zu Fuß zu gehen, hielt ein kleiner weißer Mietwagen an. Zwei junge Frauen - und wie sich schnell heraus stellte aus Deutschland. Carmen und Miriam nehmen mich mit, obwohl sie schon gut beladen sind. Es wurde zusammen gerutscht und schnell war doch ein Platz für mich geschaffen. Ich war sehr froh, es hatte schon angefangen zu regnen, was es später noch richtig heftig tun würde.

Die Beiden, auch auf dem Weg nach Greymouth, wollen einen Abstecher zu den Pfannkuchen Felsen (Red.: eine sehr charakteristische Felsformation, die nach übereinander gestapelten Pfannkuchen aussieht: pan cake rocks) machen. Mich freut das, so gibt es noch ein Highlight an diesem Fahrtag.
Der Zufall will es, dass wir jetzt auch noch im selben Hostel und dazu noch gemeinsam ein Zimmer haben. Soll so sein 😀 und morgen, da lass ich den Bus sausen und die Beiden nehmen mich mit bis zum Arthur's Pass. Da freue ich mich sehr, denn es macht einfach mehr Freude, mit lieben Menschen unterwegs zu sein.
Als kleines Dankeschön habe ich uns bekocht. Eine leckere Gemüsepfanne mit Lammfleisch. Das Hostel ist der Hammer, selten ein so schönes und sauberes Hostel erlebt.

Tag 24, Sonntag der 15.12.2019 Letzter Tag Abel Tasman Park

Ein Sonnenaufgang wie aus dem Bilderbuch nach einer erholsam geschlafenen Nacht. Die Vögel haben sich vor lauter Gesang schier überschlagen, da wurden die Kehlchen geplustert, was die Schnäbel hergaben. Ich freue mich auf das Erwachen des jungen Tages auf dem Trail.

Gestern zu Mittag kamen zwei junge deutsche Männer zur Hütte. Sie fragten mich, ob denn hier alle Wege so gut angelegt wären. Bei ihrem Besuch im Edmond Nationalpark sei das ganz anders gewesen. Da hätte man oft nicht gewusst, ob der Weg noch richtig sei. Ich schaute sie wohl etwas verdutzt und unwissend an, eine Antwort hatte ich nicht. Konnte mir auf das „gut ausgebaut“ auch nicht wirklich einen Reim machen nach den anspruchsvollen Pfaden im Busch.

Später auf dem Weg Richtung Great Walk Costal Track sollte mir klar, werden was die Jungs gemeint hatten. Himmel, was war das plötzlich eine "Autobahn" - ganz ehrlich. Ich war von den Socken und traumwandelte auf diesem echten Sonntagsweg. Herrliche Ausblicke und in den drei Stunden - ich bereue den Umweg nicht – grüßte ich mehr Menschen als in den ganzen Wochen zuvor.
(Red.: der Coastal Track begleitet den Dschungel entlang der Küste. Unzählige traumhafte Buchten werden berührt. Wegen seiner großen Beliebtheit kostet er fast 100 EUR Weggebühr).

Von mir bekommt dieser Weg zumindest auf den 14 von mir bisher erwanderten die Kategorie „absolute Barrierefreiheit“ bescheinigt. Unglaublich was da los ist aber, es ist auch ein unverschämt schöner Flecken Erde.

Die Luft, voll vom Duft der Manuka Blüten. In der Bucht meiner Mittagspause beobachtete ich Möwen mit ihren Küken. Und Austernfischer sind am Brüten und hätte sie nicht lautstark protestiert, wäre ich wohl drüber gestolpert. Wunderschön diese Küste und natürlich ein Paradies zum Kajak fahren. Dementsprechend war auch auf dem Wasser einiges los.

Ich genoss es sehr - auch so vielen Menschen zu begegnen war spannend. Alle Nationalitäten und manche nur für einen Sonntagsausflug, Andere wie ich, gut für ein paar Tage ausgerüstet. Ein paar Jogger und strahlend tolles Wetter, was sich in den Gesichtern spiegelte.

14 Uhr und ich gestehe, im Hostel angekommen wollte ich nur noch ins Bett. Die 30000 Schritte sind genug und ich fühle mich trotz aller wundervoller Eindrücke einfach krank. Heute Morgen habe ich die erste Antibiotika genommen, hilft ja nix, wat mut dat mut.

Die nächsten beiden Tage schalten wir hier in Neuseelands Süden wieder in den Schlecht-Wetter-Modus. Es ist ordentlich Regen gemeldet und da morgen mein Weg nicht zu Fuß weiter geht, bleibt Anstrengung aus.

Die Hosts hier im Hostel sind sehr nett und ich bekam ein anderes Bett, so dass ich nicht nach oben klettern muss. Zudem es in meinem Zimmer, in das bis jetzt außer mir niemand eingezogen ist, vier Betten gibt.

Im Supermarkt etwas frisches Obst und Gemüse eingekauft. Hier in der Region vor dem Abel Tasman Park wird sehr viel Obst und Gemüse angebaut.

Nun liege ich mit Vitaminen angefüllt im Bett und da bleibe ich auch bis morgen früh.

Tag 23, Samstag 14.12. 2019, Abel Tasman Park

Sieben 7 Leute sind wir in und um die kleine 8-Schlafplätze Hütte. Es gibt einen sehr schönen Start in den Tag und die Sonne vertreibt alsbald die Kühle der Nacht.
Ein Paar hatte sich noch vor mir auf den Weg gemacht und ich bin um 7 Uhr ebenfalls schon zeitig dran 😊. Einfach zauberhaft mystisch, wenn die ersten Sonnenstrahlen in den dichten Wald eindringen mit den Baumfarnen, deren filigrane Blätter sich riesig über mir entfalten.

Plötzlich ein lautes Rascheln in den trockenen Farnresten des Dickichts. Eine Weka-Familie auf Frühstückstour, ich bleibe stillstehen und natürlich kommen sie, um neugierig meine Schuhe zu mustern.
Sobald ich mich bewege, flüchten sie auf schnellen Füßen. Die schleppen wirklich alles weg: hatte vergessen, meine Seifenschale gleich nach dem Waschen wieder zu verstauen. Schwupp war das kleine Stück Seife fort, ein kleines Stück konnte ich noch retten. Ohhhhhh, ich hoffe nur, die haben sich nicht den Magen verdorben.
Eine 4 Std. Wanderung durch Buschwald bis zu dem kleinen Holyoakes Shelter. Mit herrlichem Blick auf Küste und Meer liegt diese kleine 2-Schlafplätze Hütte wunderschön.
Da es mir - obwohl ich den Weg sehr genossen habe - nicht gut geht heute, bleibe ich hier. Der Husten ist zurück und ich fühle mich matt bis in die Knochen. So werde ich mich den Rest des Tages erholen, viel trinken und schlafen.
Eine besondere Vogelfamilie ist hier auf dem Gelände unterwegs. Kenne ihre Art nicht, aber sie sind sehr scheu. Den achtsamen Papa konnte ich filmen, aber die Vogeldame und die - ich schätze - neun Küken sind kaum auszumachen im Dickicht. In so eine Art Dixi-Klo brüten kleine Schwalben.

Nun inzwischen Abend und ich fühle mich ein klein wenig besser und mit einer gut schlafenden Nacht sieht morgen die Welt noch besser aus 😇.

Tag 22, Freitag der 13.12. 2019, Abel Tasman Park

Nach einem traumhaften Sonnenaufgang kam schnell Leben in die die Hütte. Angefangen mit den DOC Arbeitern, die heute wieder den Heimweg antreten werden bis hin zu uns Wanderern. Schon bald erfüllt der Duft nach Kaffee und frisch getoastetes Brot den Raum – schlichtweg: es riecht nach Frühstück.
Bald darauf machen sich alle auf den Weg. Ich etwas zeitiger, denn ich genieße diese Morgenzeit in der Natur.

Der Weg schlängelt sich durch herrlichen Buschwald, Vögel kommen neugierig ganz nah zu einem.
Heute sollte ich auch ein wenig tierische Begleitung bekommen: Ein Weka-Huhn begleitet mich ein ganzes Stück des Weges.
Später eine unglaublich schöne Schnecke, die auch auf meiner Route ist. Das Tempo kommt allerdings nicht so ganz hin, also verabschiede ich mich nach dem Fotoshooting wieder von ihr. So eine Schnecke habe ich noch nie gesehen, das Häuschen locker 5cm Durchmesser.
Nach 8 Std. komme ich voller Busch-Begeisterung in der schön gelegenen Castle Rock Hut an.
Gut versorgt mit Essen und Trinken kann ich genüsslich die Beine stillhalten und ausruhen.

Tag 22, 13.12.2019 - Inlandtrack Abel Tasman Park

(Red.) Von Küste zu Küste führt der "Great Walk" über das Gebirge, 41 km in drei Tagen. Der Weg ist durchaus anspruchsvoll, denn er ist eher für erfahrene Mehrtageswanderer (Backcountry walkers) geeignet. Weitab der nächsten Strassen führt er durch zum Teil unberührten Urwald. An einigen Stellen ragen Granitgipfel aus dem dichten Wald heraus und erlauben fantastische Aussichten. Allerdings ist der Handyempfang eingeschränkt. Warten wir ab, was Andrea morgen erzählen wird, wenn Sie wieder zurück "in der Zivilisation" ist. Und drücken wir den Daumen, dass der Regen in den Southlands endlich abzieht, so dass der Te Araroa wieder frei ist.


Tag 21, der 12.12.2019; erster Tag des drei Tage langen Inlandtrack durch den Abel Tasman Nationalpark

Der nächste sonnige Tag beginnt und um 8 Uhr bin ich auf dem Weg zum Start des Inland Treck. Ich hatte Glück, Steve ein Einheimischer auf dem Weg zur Arbeit, nahm mich mit. An der Kreuzung 'Anatimo', an der für mich der Aufstieg über eine Schotterstraße beginnen sollte, stieg ich aus.
Ich hatte noch einmal Glück, denn Anne und Dave kamen mit einem Pickup nebst Boot im Schlepptau die Schotterpiste herauf. Nahmen mich noch ein Stück mit und dann ging es aber los mit dem Urwaldpfad! 4 Std. Auf und Ab durch dichten Busch Wald. Riesige Bäume und Baumfarne, der Pfad schlängelt sich durchs Dickicht. Bis er unvermittelt den Blick auf die Küste frei gibt. Es ist einfach nur zauberhaft und beeindruckend. Das wunderbare Wetter hilft dabei, alles in ein noch tolleres Licht zu tauchen. 7 junge Leute kamen mir entgegen und erzählten von der schönen Hütte und den fleißigen DOC Arbeitern, die u.a. den Weg und die Hütten Instand halten.
Gegen 13.30 Uhr erreiche ich die Awapoto Hut auf etwa 630 m Höhe. Die 4 Arbeiter machen gerade Pause, so gibt es eine kleine Begrüßung.
Ich muß neben Durst und Hunger stillen noch ein anderes Bedürfnis befriedigen: Leute ich sage euch, noch nie im Leben hatte ich einen solchen Ausblick vom stillen Örtchen aus.

Inzwischen ist es 17.30, Philip und Leah (die Beiden vom Ta Araroa Weg kurz vor dem Waiau Pass) sind nun auch angekommen und wir genießen den Abend.
Morgen geht es früh los. Hoffentlich werden die Beschwerden im rechten Fuß und Knie nicht mehr. Ich vermute, das hängt mit dem extrem kalten Wasser zusammen, mit dem ich es auf dem TA zu tun hatte und durch das wir zum Teil bis weit über die Knie waten mussten.

Tag 20, Mittwoch, der 11.12.2019; auf dem Weg zum Ausgangspunkt des Inlandtrack

Um 8 Uhr heute Morgen hat mich Michael aus Kempten in seinem Auto mit zum Abel Tasman Nationalpark genommen. Da er im Gegensatz zu mir den Abel Tasman Coast Way (es gibt zwei Wege durch den Abel Tasman Park) geht, musste ich schauen, dass ich die weiteren 50 km über den Pass irgendwie mitgenommen werde.

Sehr viel Verkehr gab es nicht, aber binnen ein paar Minuten hielt ein alter roter Toyota Pickup. George ein Kiwi nahm mich mit hinüber. Nur fliegen wäre schneller gewesen, hatte kaum Zeit eine echte Übelkeit zu entwickeln, so schnell lagen die Serpentinen hinter uns. Die Unterhaltung war nett und er sprach mir für meine Arbeit seine Bewunderung aus - bis zum Abrupten: So hier kommst du gut weiter die restliche Strecke!

Stand nicht just mitten in der Pampa auch schon ein junger Deutscher Mann mit einem Rucksack doppelt so groß wie der meinige. Dazu noch eine Tasche voll mit tafelweise Schokolade, ich fragte mich schon bissel, was er damit vor hatte 😁.
Noch ehe wir die Frage klären konnten, hielt ein kleiner Wagen mit einem Ehepaar, die uns sogleich, als sei es das selbstverständlichst der Welt, einpackten.
Schwuppdiwupp im nächsten Ort wieder an der Straße abgesetzt mit den Worten, du musst da lang und du da.....

Großes Hinweisschild, auf dem stand: Pohara. Na dachte ich, jetzt kann nix mehr schief gehen 😀. Hielt doch nicht der nächste Pickup prompt! Rucksack hinten auf die Ladefläche und ich nehme auf dem Beifahrersitz Platz. Er drückt mir einen der zwei an der Tanke erstandenen Kaffee Becher in die Hand und fuhr los. Dann am Campingplatz von Pohara, er hält kurz, ich gebe ihm den noch vollen (die Straßen sind nicht die besten) Kaffee Becher wieder und bin nach nur 2 Std. hitchhike am Ziel für den Tag 😎.

Sofort checke ich ein, baue das Zelt auf und finde den Preis mit 30 NZ-Dollar (ca. 25 Euro) extremst zu teuer, aber was solls. Mit Phil und Leah ist der Campingplatz als Treffpunkt vereinbart.
Nach einer kurzen Vesper Pause mache ich mich zu Fuß auf den Weg die Küste zu erkunden. Strand mit Treibholz und Muscheln, tolle Buchten.... Ruck zuck ist Nachmittag. Ein kleines Bubulein auf der Isomatte vorm Zelt, nun ein Kaffee und dann werden die beiden sicher auch bald aufkreuzen.
(Sie sind noch vor Sonnenuntergang eingetroffen)

Tag 19, Montag der 10.12.2019 in Nelson

Letzter Tag des Müßiggangs, dann geht es mit Leah und Philip zusammen auf dem Inland-Track durch den Abel-Tasman-Nationalpark. Dieses ausgedehte Urwaldgebiet im Nordwesten der Insel ist jeden Sommer von deutschen Touristen dominiert. Die Strände versprechen tropischen Flair und der Dschungel unmittelbar bis zur Uferlinie Exotik.

Nach den drei Tagen Inlandtrack geht es weiter Richtung Greymouth und von dort mit dem Bus nach Athur`s Pass - da steht das nächste Versorgungspaket! Aber bis dahin sind ja noch etliche Tage Neusselandabenteuer.

Tag 18, Montag der 9.12.2019 in Nelson
Ein ruhiger sonniger Tag. Bin zu Fuß ins Zentrum von Nelson. Ein paar Besorgungen, eine Runde durch die Stadt. Die Kathedrale besichtigt und von den 50 festlich geschmückten Christbäumen die drei schönsten ausgewählt. Sowas fällt mir ja schwer, ich fand alle irgendwie toll. Die alten Damen am Eingang der Kirche aber bestanden darauf, es müssten drei auf dem Zettel stehen und der muss in die dafür vorgesehene Box gleich neben der Spenden Kiste. Alla hopp dann mach ich das halt 😊
Die Stadt ist sehr überschaubar und mit ihren wirklich schönen Häusern einen Stadtbummel wert.
Am Nachmittag noch ein Bummel am langen Sandstrand der Tasman Bay.
Ordentlich gemütlich auf der faulen Haut gelegen und zum Abendessen eine gehörigen Portion Gemüse mit Fisch verspachtelt.
Nun neigt sich der Tag und ein neuer Plan für die nächsten Tage ist auch gemacht. Leider kann ich noch nicht auf den Te Araroa zurück kehren um weiter zu wandern. Es wird eine Ausweich Tour geben. Von Donnerstag bis Samstag auf dem inland Treck durch den Abel Tasman Nationalpark. Das Wetter soll mitspielen und ich freue mich auf diese Alternative. Danach geht es per Auto oder Bus nach Greymouth und dann weiter nach Arthur's Pass. Ob es dann machbar ist wieder in den Te Araroa einzusteigen wird sich zeigen.

Wie dramatisch die Situation auf der Südinsel derzeit ist (etliche Strassensperrungen, Erdrutsche, heftige Regenfälle) zeigt dieser Zeitungsartikel

https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/neuseeland-touristen-sitzen-in-bergdorf-fest-einziger-ausweg-kostet-600-dollar-a-1300304.html

Selbst an der sehr einsamen Westküste bricht der Verkehr zusammen. Und Urlauber sitzen in Ortschaften fest.

Tag 17, Sonntag der 8.12.2019; Nelson

Nach einer sicher und gut geschlafenen Nacht startet der Tag mit dem angesagten Starkregen. Es geht heftig zur Sache mit den Überflutungen und betrifft die komplette Südinsel. Etliche von den wenigen Strassen, die es hier gibt, sind gesperrt. So ist derzeit von Queenstown nach Christchurch kein Durchkommen möglich! Ich hoffe sehr, die Situation entspannt sich bald wieder.

Mehr Sorge haben wir da im Moment aber wegen der drei jungen Männer, die quasi zwischen uns die wi,r mit dem Heli rausgeholt wurden, über den Waiau Pass gegangen sind. Der rückseitige Abstieg ist sehr, ser steil und die Frostgrenze liegt noch immer unter 1000 m.

Zwei Tage zuvor musste ein junger Mann aus Irland, der auch einen Notfallsender hatte, mit dem Heli herausgeholt werden.

Die Drei dagegen, ein Franzose, ein Engländer und ein Deutscher, die haben keinen Sender bei sich und nun bitte ich auch euch, ganz doll die Daumen zu drücken, dass sie es geschafft haben, sich in einer Hütte in Sicherheit zu bringen. Leider war es eine extrem lange Strecke über den Pass zur nächsten Hütte, ca. 8 Std. Wir hoffen das Beste und dass Schutzengel um sie sind.

Mein Tag war gefüllt mit Wäsche waschen und Ausrüstung in Ordnung zu bringen. Meine Regenhose zu flicken und die Vorräte an Essen aufzufüllen. Immerhin eine 8 km Wanderung ins Stadtzentrum und davon ein paar Eindrücke für euch.

Schön dass es nun Abend ist


Tag 16, der 7.12.2019; Rettung per Helikopter

Richtig viel und gut geschlafen, es fühlt sich erholt an in Körper und Geist. Ein Kaffee steht schon neben mir, frisch ist es in der großen Hütte, die immerhin Platz für 16 Leute bietet (es kommt nicht selten vor, dass hier TA-Wanderer mehrere Tage auf besser Wetter warten müssen, um über den Pass zu kommen). Wir können es heute ruhig angehen lassen und mit etwas Glück sind die Wassermassen auch nicht mehr ganz so gewaltig wie die letzten Tage.

Jetzt, einen Tag später, kann ich sagen, es kam komplett anders!!

Das junge Paar, mit dem ich ab der Lakehead Hütte bis hier zur Blue Lake Hut gewandert bin, hat für sich entschieden, noch einen Versuch zu unternehmen, um über den Pass zu gelangen. Das Wetter ist OK, kein Regen und wir sind gut erholt obendrein.

So entscheide ich mich dafür, die Beiden zu begleiten. Die ersten zwei Stunden des Weges kennen wir ja schon vom Tag zuvor. Es lässt  sich super an und wir kommen trockenen Fußes vorwärts.

Mit steigender Höhe wird der Pfad aber immer schlechter und verschwindet schließlich wieder im See. So müssen wir uns durch das wilde Grasgelände am Hang einen Weg suchen. Steil ist es und unter uns der See Constance. Ich gehe als Letzte in der Reihe und es ist extrem anstrengend mit all dem schweren Gepäck auf dem Rücken. Schließlich sind noch etwa 500 Meter zu überwinden, als es anfängt zu regnen. Der Regen verwandelt das Gelände innerhalb kürzester Zeit in eine sehr rutschanfällige Passage.

Philip steigt als Erster ab und kommt nach einem kleinen Stück schon ins Rutschen. Erst etwa 7 Meter unter uns kann er den Sturz abfangen. Leah will ihm folgen und gleitet aus, rutschte die sieben Meter ohne Halt zu finden hinunter. Sie versucht zu bremsen, doch letztlich wird sie nur durch ihren Freund gestoppt.

Ich versuche die Ruhe zu bewahren und einen anderen Abstieg zu finden, viel Möglichkeiten gibt es jedoch nicht. Ich gelange etwa drei Meter nach unten, als es auch mir die Füße wegzieht. Mich stoppt nach vier Metern - keine Ahnung, welcher Schutzengel da geholfen hat - kurz vor der etwa 2 m hohen Klippe ein Felsvorsprung, sonst wäre ich direkt im See gelandet. Die Situation geht uns im strömenden Regen durch Mark und Bein.

Mit mehr als äußerster Vorsicht überwinden wir die restliche Strecke, von der wir dann auch noch einige Meter im bis zu den Oberschenkeln  reichenden eiskalten Wasser zurücklegen müssen. In kürzester Zeit kriecht die Kälte nach der Anstrengung in uns hinein. Wir suchen im Talende auf einer Anhöhe Schutz, um schnellstens unsere Zelte aufzuschlagen und den nächsten Tag abzuwarten.

Und genau in dem Moment kommt das erste Gewitter über den Bergkamm daher und sorgt für noch mehr Unsicherheit bezüglich Blitze und Zelt. Ich sage zu den beiden anderen, egal wie, wir müssen ins Trockene. Die Zelte sind der einzige Weg, um trocken und warm zu werden.

Ich persönlich kann meine Zehen schon nicht mehr spüren. So muss es sich anfühlen, wenn einem die Zehen abfrieren. Ich muss mein Zelt aufstellen, so lange ich mit den Händen noch etwas tun kann, denn auch die sind steif von der Kälte.

Schnell hinein mit Sack und Pack ins Zelt, Schlafsack raus und die nassen Klamotten runter. Rein in den Schlafsack mit allen noch trockene Klamotten, dicht ran an den Körper. Koche mir auch sofort noch einen heißen Tee und nach einer halben Stunde geht es den Umständen entsprechend gut. Für den Moment jedenfalls, denn draußen tobt der Gewittersturm! Ich fühle ich mich in meinem Leichtzelt sicher und warm, bis auf die Füße. Die brauchen extrem lange, um wieder ins Leben zu finden. Zweimal musse ich raus, um das Zelt im Sturm noch einmal besser zu sichern. Das ist in dem Gelände nicht ganz einfach, denn mit jeder Schritt nach draußen - barfuß versteht sich – versinkt man sofort bis zu den Knöcheln im Untergrund. Der Hagel trägt auch nicht gerade zu einem wärmeren Untergrund bei. So wird es ein ständiges Füße erneut trocken und warm bekommen.

Mitten im Sturm kommt der junge Mann herüber und berichtet, dass es seiner Freundin nicht gut ginge mit all den Erlebnissen und sie wollen den Helikopter mit ihrem Notfallsender rufen. Wir einigen uns darauf, zusammen im Zelt noch etwas abzuwarten. Zumal nicht sicher ist, dass ein Helikopter überhaupt kommen könnte bei den Bedingungen. Das wäre auch für die Besatzung ja ein großes Risiko, zumal wir trocken und für den Moment auch sicher sind.

Später wird das Wetter etwas besser, es klart auf und wir besprechen alle Optionen. Letztlich müssen wir uns eingestehen, dass es weder ein „über den Pass“ geben konnte, noch ein Zurück zur Hütte. Unser Wetterbericht war etliche Tage alt und wir wussten, der Sonntag wird gar nicht gut. So setzen wir, um der Sicherheit willen, den Helikopter Notruf ab. Danach bauen wir die Zelte ab, verstauten alles in unseren Rucksäcken und warteten auf die Ankunft der Retter.

Ich kann an dieser Stelle nur das beherzte und professionelle Vorgehen der Besatzung des Helis betonen und in den Vordergrund rücken. Das sind außergewöhnlich tapfere und mutige Männer, die ständig im Einsatz um das Leben Anderer unterwegs sind. Ich fühle Dankbarkeit, aber auch Bewunderung.

Sie brachten trotz widriger Bedingungen den Heli sicher runter und packten uns ein. Fragten noch, ob wir zur Hütte zurückwollten. Wir antworteten allerdings einstimmig: „Nein“! Nur ganz raus aus dieser Wasserhölle!“

So nahmen sie uns kurzerhand mit nach Nelson. Dort sind wir jetzt in einem Hostel und erholen uns. Ich für meinen Teil muss nun einiges neu zu planen.

So spektakulär die Sicht aus dem Heli hinunter auf die Landschaft auch war und ich den 45-Minuten Flug genossen habe: der Blick hinunter lies klar und deutlich erkennen, wie erheblich das Ausmaß der Überschwemmungen tatsächlich für diesen Teil der Südinsel ist. Inzwischen weiß ich auch, dass es über den Te Araroa auch weiter südlich kein Vorankommen geben wird. An allen Seen, an denen ich Unterkünfte gebucht habe, ist Land unter. In Queenstown müssen sogar Teile der Stadt evakuiert werden.

Ich muss also sehen wie es weiter gehen kann. 2 Tage werde ich hier in der Nähe von Nelson noch sein und dann an der Küste zumindest einen einfachen Trail entlang Richtung Greymouth gehen. Von dort versuche ich per Zug oder Anhalter nach Arthur's Pass zu kommen. Diese Tage werde ich noch mit dem jungen Paar aus USA verbringen.

Es gibt aus diesen letzten Tagen nur ein paar Bilder, von der Helikopter Rettung gar keine aber es wird sich für den Weiterweg wieder ändern.


Tag 15, der 6.12.2019;  Blue Lake Hut

Heute ist der Geburtstag meiner Mom, die seit 2011 in die Reihen derer eingetreten ist, die am Himmel als heller Stern funkeln.

Sehr früh aufgestanden, weil es ein langer Tag werden sollte. Vom Blue Lake über Lake Constance und dann hinauf zum 1870 m hohen Waiau Pass....so der Plan!

Es sollte anders kommen, wir erwarteten den besten Tag der Woche, aber statt dessen regnet es. Dennoch brechen wir auf. Nicht lange und die Füße sind wieder nass und kalt. Die zunehmende Höhe bringt noch mehr Kälte und Wind. Der Pfad ist sehr anspruchsvoll (steil und alpin) und auch hier haben die Regenfälle ihre deutlichen Spuren hinterlassen. Am See vor dem endgültigen Passanstieg ist der Trail dann komplett im angeschwollenen See verschwunden. Der Umweg über den steilen Hang durch das störrige, lange Gras ist schier unmöglich. Zumal schon die Füße und Hände ganz kalt sind. Kann nicht mal mehr das Handy für ein Foto bedienen.

Nach reiflicher Überlegung kehren wir um und kmmmen nach 4 Std. wieder an der Hütte an. Wir werden die Nacht hier verbringen, ausruhen und morgen auf einer anderen Route nach Saint Anaud zurückkehren .

Es tut ganz gut nach, doch etlichen Tagen durch die Wildnis, die Beine mal für etliche Stunden freie Zeit hoch zu legen und still zu halten. Ganz schön ramponiert muss ich feststellen. Erst die Sandfliegen die mein Blut wohl schmackhaft fanden. Dann etliche Kontakte mit Ästen und Felsen haben für reichlich Blutergüsse gesorgt. Es ist so schade, dass natürlich mit dem schlechten Wetter auch die Sicht erheblich eingeschränkt wurde. Ich kann euch von unglaublichen Wassermassen erzählen, die mit ohrenbetäubendem Getöse zu Tale rauschen. Darinnen das Schlagen der Felsen und Steine aneinander. Wie klein wir doch sind und wie schwach gegen die Naturgewalten.

Hier knistert das Feuer im Ofen und für die nächsten Tage ist noch mehr Temperatur Rückgang gemeldet. Ab 800m Frost, wir sind auf knapp 1200. Morgen allerdings geht es ja raus aus der Wildnis und auch aus dem sehr alpinen Bereich.


Tag 14, der 5.12.2019; Blue Lake Hut

Die Gruppe startet früh um 6.30 Uhr. Es erwartet uns ein nasser Morgen nach Dauerregen die Nacht über. Der Anstieg auf den Travers Saddle und hinunter zur West Sabine Hut dauert 6 Std. mit permanent nassen Füßen. Es gibt sogar ab und zu Sonne, allerdings gemischt mit heftigem Wind. Es ist ein anspruchsvolles Wandergelände und in den Flüssen (zuvor nur Bäche) unglaublich viel Wasser. So richtig bekommen wir das allerdings erst nach der Mittagspause zu spüren. Aus den drei geplanten Stunden werden 4,5 Stunden.
Der Pfad ist oft einfach weggespült, Bäume entwurzelt und ein Durchkommen heftig schwierig und nicht ungefährlich. In der Gruppe ist man da schon sicherer und so kommen wir ohne Verletzungen mit ein paar dreckig und nassen Klamotten in der Blue Lake Hut an. Sind froh, es geschafft zu haben  und der Ofen spendet Wärme, wohltuend und entspannend 😊.


Tag 13, der 4.12.2019, Upper Travers Hut

Nach gut erholsam geschlafener Nacht gehen ein Paar aus den USA, ein Engländer, ein Deutscher und ich auf den Weg. Es sollte durch das Hochwasser eine sehr anstrengende Wanderung werden. Am Vormittag bleiben wir vom Regen verschont, haben allerdings extrem viele Flussläufe zu furten. Das ist zum Teil sehr anspruchsvoll und wir halten uns immer zu dritte in einer Reihe fest aneinandergeklammert. Alleine wäre es für mich nicht machbar gewesen. So aber in der großen Gruppe bleiben alle zusammen und helfen gemeinsam die Flüsse zu queren.

Kurze Rast nach 5 Std. in der John Tait Hut um die Füsse aufzuwärmen und heißen Tee mit kleiner Mahlzeit zu sich zu nehmen.

13.30 Uhr, es regnet inzwischen in Strömen und wir sind wieder auf dem Weg. Mindestens 3 weitere Stunden sind es bis zur Upper Travers Hut. Den kompletten Tag heute in nassen Schuhen und mit zunehmender Höhe wird das Wasser immer kälter. Ich fühle meine Füße kaum noch und stehen bleiben geht gar nicht. Es wird schließlich neben den Richmond Ranges der schwierigste Tag bisher. Nichts desto trotz, geht es mir gut und wir sitzen nun in einer warmen Hütte. Bin satt und zufrieden, eine beachtliche Leistung wie ich finde. Bilder gibt es wegen des heftigen Wetters nur ganz wenige. Wie gesagt, stehen bleiben ging gar nicht.

Es ist erst 18 Uhr, aber dennoch werde ich mich hinlegen, sobald mein Tee getrunken ist. Die Beine lang machen und einfach liegen – wie herrlich so einfache Dinge doch sein können. Bin dankbar für diese Erlebnisse, die ganz besonders für mich sind.


Tag 12 Dienstag der 3.12.2019; Lakehead Hut

Die jungen Leute haben mich mit nach St Arnaud genommen, so dass ich ein paar Dinge erledigen kann. Die Flüsse sind dermaßen angeschwollen und der Campingplatz beinahe komplett unter Wasser, zelten unmöglich.

Will versuchen im Infocenter die Lage am Trail zu erfragen, um das weitere Vorgehen zu planen. Der Regen hat jetzt gegen 13 Uhr etwas nachgelassen. Es ist schon sehr besonders, wenn man so komplett nur zu Fuß und ohne sein Schneckenhaus (Campercar) unterwegs ist.

Im Visitorcenter konnte ich dann das erste Mal mit der neuen Pin für meine Kreditkarte meine Sachen bezahlen. Habe mir einen Hütten-Pass gekauft, denn wenn das Wetter so instabil ist, braucht es auf die Nacht ein festes Dach.

Der Regen hat gegen Nachmittag nachgelassen und die Dame im Center meinte, es dürfte kein Problem auf dem Weiterweg geben.

Weit gefehlt! Doch der Reihe nach: Zunächst zurück zum Campingplatz, dort standen alle meine Sachen. Während des Zusammenpackens kam ein Paar aus Chile an, um etwas zu kochen. Wir unterhielten uns und sie waren der Überzeugung, bei dem Wetter solle ich doch lieber bleiben und mit ihnen essen. Das roch so lecker, einfach unwiderstehlich. Es war so nett mit den Beiden, ich musste noch bleiben.

Nichts desto trotz ging ich um 16 Uhr noch auf dem Weg entlang des Sees zur Lakehead Hut. Der Weg war oft ein kleiner Bach und die kleinen Flüsse, die es zu queren galt, waren zum Teil zu reißenden Fluten angeschwollen. Das war zum Teil sehr gefährlich, durch die an den Beinen zerrenden Wassermassen über den schlüpfrigen Flussboden zu waten.

Etwa 19 Uhr dann Ankunft in der Hütte, einer großen mit ca. 28 Schlafplätzen. Drin gab's gleich ein ordentliches Hallo, denn es waren 6 junge Leute aus USA und Australien schon einen Tag dort. Der starke Regen machte auch für sie ein Weitergehen unmöglich. Es war warm und es gab ein Platz zum Klamotten trocknen bzw. Schuhe und Füße. Bin so froh, dass ich noch keine Blasen bekommen habe bei den vielen nassen Füßen über Stunden und Kilometer.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kamen noch zwei Wanderer an. Ein Engländer und ein junger deutscher Mann aus Stuttgart. Gemeinsam werden wir morgen sehen, ob ein Weiterkommen möglich ist. Die waren sehr froh, dass sie heute aus den Richmond Ranges raus gekommen waren. Gestern mussten wohl zwei Wanderer mit dem Hubschrauber herausgeholt werden. Sie waren beim Furten zwischen zwei Flüsse geraten und kamen nicht mehr weiter. Mein Gefühl hatte mich also nicht betrogen, als ich gestern Nachmittag auch direkt raus bin aus diesen Bergen.

Nun einfach nur noch schlafen.....

Noch vor den neuen Berichten: Tag 17, der 7. Dezember; Helikopterbergung wegen Schlechtwetter

Genaues ist noch nicht bekannt, aber Andrea ist wieder in der "Zivilisation". Die letzten Tage war das Wetter sehr schlecht und die Wegqualität durch den Nelson Lakes National Park hatte sich dramatisch verschlechtert. Mark Weatherall, Leiter des Te Araroa Trust, hatte daher insgesamt 5 Vermisstenmeldungen in den letzten zwei Tagen. Zwei davon wurden per Helikopter gerettet - darunter auch Andrea. Eiseskälte, andauernder Regen, Schneefelder und heftig angeschwollene Bäche verhinderten das Vorwärtskommen. Im Moment erholt sie sich 200 km Luftlinie nördlicher in Nelson an der Tasman Bay in einem Hostel.

Noch vor den neuen Berichten: Tag 16, der 6. Dezember; Malborough County, Nelson Lakes National Park

Die Strecke nach dem schön an einem See gelegenen Ort St. Arnaud ist der einsamste Teil der Südstrecke. Langestreckte Flußtäler wechseln mit hohen Pässen ab, die einen ins nächste Tal leiten. Die Handyverbindung ist in diesem menschenleeren Gebiet des Richmond-Gebirges nur selten verfügbar. Zusätzlich gibt es keine Steckdose, wo man mal sein Handy aufladen kann.

Nach St. Arnaud geht es den Traver River entlang, bis der Te Araroa zum Sabine River wechselt. Dieses Tal führt hinauf zur schön gelegenen Blue Lake Hut (1338 m). Von hier geht es zum höchsten Punkt des gesamten Te Araroa: der Waiau Pass ist 1870 m hoch und kann auch im Sommer zugeschneit sein. Seine Überquerung bietet fantastische Ausblicke auf die umgebenden 2000er - allerdings nur, wenn das Wetter es zulässt. Vom alpin-felsigen Waiau Pass geht es fast 30 km lang den Waiau River hinab bis zum Zusammenfluss mit dem Ada River.
Schon aus dieser Wegbeschreibung kann man ablesen, wie oft Bäche und Flüsse gequert werden müssen in diesem menschenleeren Gebiet. Hier ist der Te Araroa zum Teil der einzige Weg durch die urwüchsige Natur.

Entlang des Boyle Rivers geht es wieder zu einem niedrigeren Pass, nach dessen Überquerung Andrea dann Boyle Village erreicht (kleine Ansiedlung). Spätestens da sollte sie sich wieder melden können. Bis dahin ist Sie dann bereits 364 km des Te Araroa gewandert.

Tag 10, der 1. Dezember; Mt. Richmond Forest Park, Richtung Athur`s Pass

Eine der schönsten Dinge beim Weitwandern ist gewiss die einfache Struktur des Wanderalltags. Es sind im Grunde genommen drei große Abschnitte: Essen, Laufen und Schlafen. Es gibt nicht viel mehr zu tun an solch einem Wandertag und so konzentriert sich das Wanderleben auf die essenziellen Dinge des Lebens: Nahrung, Bewegung, Schlaf – und das Erlebnis, sich durch eigene Körperkraft jeden Tag ein Stück weiter auf der Landkarte bewegt zu haben. Man wird nicht abgelenkt durch Handy oder Laptop, Fernseher oder einen Anruf, sondern kann sich vollkommen auf die Landschaft und auch die kleinen Wunder am Wegrand konzentrieren.

An den Pausentagen wird einem intensiv bewusst, wie bequem das Alltagesleben zu Hause in vielen Dingen ist. Kein tägliches Filtern des Trinkwassers. Und wenn man Hunger hat, kann man einfach in den Supermarkt gehen.
Dennoch ist die Einfachheit des Wanderalltages durch nichts zu ersetzen. Entweder alleine oder mit freundlichen Mitwanderern erfährt man sich selbst und die Natur so unmittelbar, wie es auf keine andere Weise möglich ist.

Heute ist der 13ter Geburtstag meines Patenkinds und der 2te Todestag des Vaters meines ältesten Sohnes. Ein besonderer Tag also heute und wenn ich es mir recht betrachte, wird auch der Weg heute ein solcher werden.
Zunächst aber ein eher schmales Frühstück, denn ich muss etwas haushalten und viel wichtiger ist, am Abend eine ordentliche Portion zu haben. Damit man ruhig durchschläft und nicht vom knurrenden Magen geweckt wird. Wobei zu Hause eine „ordentliche Portion“ locker meist das Doppelte ist wie hier.

Es ist 4.30 Uhr, sehr ausgiebig und erholsam geschlafen. Der übliche Wandermorgenalltag und sobald es hell wird möchte ich los. Da außer mir niemand in der Hütte ist, stört das frühe Aufstehen auch nicht.
Es wird ein weiter Weg heute, hinüber über den Mt. Ellis mit 1615m und danach wieder durch Wald mit einigen Fluss Überquerung ein stetiges hinunter.

5 Stunden später: 11 Uhr, Mittagspause in der Hunter Hut bei Regen, Wind und Wolken. Mein lieber Scholli, so nasse, kalte Füße hatte ich ewig nicht, brrrr was ein Wetter. Die Kamera musste tief in den Rucksack, durch den Wind kroch die Nässe überall rein. Stehenbleiben ging auch nicht, ruck zuck war man durchgefroren. Die Landschaft sehr spektakulär, zumindest das wenige, was zu sehen war. Diese Flusstäler sind gigantisch und die Spuren des vergangenen Winters noch deutlich zu erkennen.

Der Ofen in der Hütte trocknet die Sachen wärmt etwas die kalten Füße.
Nach der Mittagspause geht es und wie es aussieht wohl trocken weiter, zumindest obenrum. Der Tee und das trockene Brot schmeckten wie selten so gut.

Der Nachmittag bleibt bis auf wenige Tropfen trocken und die Gegend ist unglaublich faszinierend. Durchquere etliche Flusstäler, in denen natürlich die Naturgewalten des Wassers so richtig sichtbar sind. Unterschiedlich gefärbter Gesteinschotter bis feinsandig Flächen lassen kahle Hänge besonders hervortreten. Die gehörnten Gesellen begegnen mir immer wieder.

Als ich 18 Uhr an der wunderschön gelegenen Hütte ankomme, ist für diesen Tag die Grenze erreicht. Mein Körper sagt mir, dass ich diesen Punkt nicht überschreiten sollte.
Ich bin für meinen Körper zu schnell unterwegs und muss da eine Lösung finden. Der Start des langen Weges mit der Erkältung war nicht optimal. Gestern meldete sich dann auch die linke Schienbeinsehne. Ok, habe sie zusätzlich auch noch ein wenig mit einer Schürfwunde im Kampf gegen den toten Wächter aus der anderen Welt geärgert. Mal sehen wie das sich die nächsten Tage auswirkt.
Heute jedenfalls erst mal die Rückkehr in ein klein wenig Zivilisation, um auch das erste Futterpaket entgegen zu nehmen. Tatsächlich kam es gerade so hin mit der Menge Lebensmittel über die vergangenen Tage. Üppig war es nicht, aber ich erinnere mich an August mit seiner spartanischen Kuskus-Variante.
Die Porters Creek Hut auf einer Höhe von 900m  ist wie alle bisherigen eine einfache 6 Kojen Hütte mit Ofen, Wasser Zugang und Plumpsklo im Wald. Es genügt und ich bin froh, dass es diese Option noch gibt. Nach einem so langen Tag ist es schön, sich nicht ins Zelt drücken zu müssen. Zumal es am nächsten Morgen doch alles heftig nass ist. Ihr seht, bin doch auch verwöhnt und anspruchsvoll 😀.


Tag 9 - Sa. 30. November 2019

5.30 Uhr und die Vögel zwitschern wie wild. Das kleine Schwalbenpaar unterm Dach hat eben begonnen, seine drei Jungen mit Frühstück zu versorgen 😊
Der See neben der Hütte liegt ganz still und der junge Mann aus Dänemark schläft auch noch. Der ist unglaublich minimalistisch unterwegs, dagegen bin ich tatsächlich noch königlich ausgestattet 😁
Er isst jeden Tag mit kaltem Wasser angerührten Kuskus, gutes Öl rein, paar Nüsse und zum Nachtisch Schokolade. Meins wäre es nicht muss ich zugeben – zu wenig bei der Anstrengung jeden Tag.
6.30 breche ich in den noch jungen Tag auf. Es geht heute viel durch den Zauberwald. Der zeigt sich heute von seiner anderen Seite. Stellt euch vor, erst will so ein übler Raketenwurm - die lauern da überall in den Bäume - sich meinen Fuß schnappen und festhalten. Danach greift mich einer der stummen Wächter an und verletzt mich am Arm. Ehrlich hab nix gemacht, wollte nur dran vorbei. Schließlich hab ich kleinbeigegeben, denn gegen Dutzende dieser Sorte hab ich keine Chance 😅. Der Wald ist echt dicht und der Weg schmal!

Als dann ein erster, ne nicht Fluss, eher noch Bach kommt, denke ich mir: Wie mache ich ein tolles Foto. Wutsch, saß ich bei dem Versuch für das Foto auf dem Hosenboden und bekam einen nassen Hintern. Das wäre ja noch ok, aber kommt nicht ein Wassertroll und nimmt den versehentlich losgelassen Wanderstock mit bis zur nächsten, tieferen Wasseretage.
Ich Rucksack aus und in den Bach geklettert, schön vorsichtig mich angeschlichen und dem Troll den Stock wieder entrissen. Die Landschaft versetzt einen einfach in die Welt von J.R.R. Tolkien und seine Mittelerde.

Bald darauf kommt die erste echte Flussquerung. Boahhh spannend, ein Fuß vor den anderen setzen und mit den Stöcken den Halt sichern. Bin ich froh, dass das Wetter so toll ist. Wenn der Fluss richtig Wasser führte, dann gute Nacht.

Es folgen neun weitere Flussquerungen an diesem Tag. Also ein Stück Wanderung auf der einen Seite und ein Stück weiter auf der anderen Seite usw.
Dazwischen Ausblicke auf spektakuläre Wasserfälle und Pools, eine tolle Wanderung die Schlucht hinauf bis zur Baumgrenze.

Da bin ich nun in der Top Wairoa Hütte und es ist 16.00 Uhr. Werde über Nacht bleiben und es mir gemütlich machen.
Spüre die Beine, das sind die Nachwehen von gestern. Heute kann ich es sagen: Gestern wollte ich aussteigen. Himmel war das ein übler Abstieg von 1700m auf ca.1200m. Extrem steil und geröllig. Mir taten so sehr die Knie und ich habe mich nen bissel gezerrt bei den Schottersurfmanövern.
Über Nacht erholt sich zum Glück alles wieder.


Tag 8. - Freitag 30. 11.

Richtig lange geschlafen. Habe während der Nacht ab und zu durchs Fenster den wundervollen Sternenhimmel beobachtet. Hier oben stört keine Lichtglocke über einer Stadt die Sicht. Der Wind hat sich gelegt und jetzt in den frühen Morgenstunden (4 Uhr), erlaube ich mir den, kleinen Ofen zu befeuern. An Brennholz besteht kein Mangel und Socken nebst T-Shirt sind nicht ganz trocken geworden über Nacht.

Nachdem ich gemütlich gefrühstückt habe marschiere ich dann bei Tagesanbruch früh los. Muss ja den Abstecher ins kleine Tal zur Hütte nun wieder nach oben auf den Kamm und zu TA zurück gehen.
Bin gespannt, wie sich der Tag heute entwickelt und freue mich auf neue skurrile Altholzgestalten 😊 und vielleicht ein paar tierische Begegnungen. Von dem einzigen auf dem TA wandernden Paar aus Holland habe ich nach einer gemeinsamen Nacht nur noch einen Hütten Eintrag gelesen. Mal sehen ob, sie noch auf dem Weg sind. Sie machten einen recht unerfahrenen Eindruck und der Weg fordert Ausdauer. Ausserdem sahen ihre Rucksäcke deftig schwer aus. Spätestens heute müsste ich von ihnen lesen, es sei denn sie können fliegen, was wir nicht hoffen.
Diese Ziegen auf den Bildern, sie leben hier tatsächlich wild, hab extra mal nach dem Knopf im Ohr Ausschau gehalten 😁.

Nach anstrengender Wanderung neigt sich schließlich der Tag zur Neige. Die felsige Route über den Mt. Rintoul hatte es in sich. Das Wetter war Gott sei Dank super schön, bei schlechten Wetter gar nicht machbar. Bin 12 Std. gewandert heute und habe doch nicht wirklich Kilometer gemacht. Dafür aber wieder einen Zauber Wald genossen.
Wie Wächter aus einer anderen Welt säumen die Kreaturen aus Todholz den Weg. Mystisch und reizvoll - ich liebe Wald und jetzt hier noch viel mehr.
Bin sehr müde und keine Muße, noch viel zu erzählen. Heute seit Tagen zum ersten Mal wieder Gesellschaft in der Tarn Hütte. August ein junger Mann aus Dänemark, er ist tatsächlich in Sandalen unterwegs. Ich drücke ihm die Daumen, trainiert hat er nicht - wenn das mal gut geht.
Heute hatte ich richtig viele Begegnungen. Eine Gruppe junger Leute aus Nelson, mit einem Jackrussel namens Mus 😀. Der hatte einen coolen Platz auf dem Rucksack.


Tag 7, der 28. November; Mt. Richmond Forest Park, Old Men Hut

Als ich um 6 Uhr aufstehe, muss ich festzustellen, dass es auf 1000 m Höhe doch recht frisch wird in der Nacht.
Um 7 Uhr bin ich dann schon auf dem Weg zur Slaty Hut, 3 Std, wo ich Pause mit Essen und Trinken mache. Hier oben in den Bergen gibt es nur jeweils an den Hütte Wasser. Es ist also nicht 100 % sicher, dass Wasser gibt. Dies bedeutet, dass immer eine Ration auf Vorrat mit dabei sein muß.
Der Weg führte bis hier hin steil, bisweilen sogar alpin im Auf- und nur wenig Abwärts. Über Geröllfelder und dann wieder dichten Zauberwald, wie ich noch nie einen gesehen habe. Um die Hütte offenes Gras und Gestrüpp.
Plötzlich war mir, als brüllte ein Puma, schaue mich suchend in der Landschaft um. Da wieder..... "es war aber doch nur mein Bauch".😁

Allerdings gab es rings um mich in den Büschen auch sehr seltsame und mir nicht bekannte Tiergeräusche.
Um ca. 11 Uhr bin ich wieder auf dem Weg in Richtung Old Men Hut. Diese Hütte liegt zwar abseits des Weges, aber um zur nächsten Hütte zu gelangen, wird es zu spät und zu anstrengend. Ich spüre meine Waden von gestern und merke, der Körper braucht Ruhe. Zum Weg glaube ich, muß ich nicht viel sagen, die Bilder zeigen es. Steil, bisweilen ausgesetzt, dabei ordentlich windig. Der Wald sehr mystisch und manchmal hatte es den Eindruck, als ginge es geradewegs durch eine Kunstausstellung voller bizarrer Figuren aus Altholz - aber richtig alt.
Die Old Men Hütte ist zauberhaft schön und ordentlich, fühle mich richtig wohl vom ersten Moment an. 16 Uhr, das ist eine wunderbare Zeit, um so richtig den Körper baumeln zu lassen. Die Seele tuts tagein, tagaus.

Was ich noch sagen möchte.
Wer ein Weihnachtsgeschenk sucht, wie wäre es mit ein paar gewanderten Kilometern. Im Nachhinein ein Bild mit Widmung für die gute Sache. Ne Spenden Bescheinigung gibt's zudem noch direkt von den Einrichtungen. 🤗
Die Meisten von uns haben doch sowieso von Allem zu viel 😉

Tag 6, der 27. November; Mt. Richmond Forest Park

Mit 4 Uhr aufstehen hat nicht ganz geklappt, aber 4.30 (16:30 Uhr deutsche Zeit). Es dämmert gerade. Als einziger Gast in der Hütte habe ich sehr gut geschlafen. Die Vögel zwitschern und das Rauschen der Flüsse ist laut aber irgendwie beruhigend. Kaffee kochen Müsli richten....derweil Hab und Gut zusammen packen.

Um 6 Uhr geht es dann auf dem Track, wie himmlisch die kühle Luft sich anfühlt. Die Erkältung schleicht auf die Bronchien, aber lassen wir das. Ich melde es, wenn ich wieder ganz gesund bin 😏.
5 Stunden werde ich brauchen bis zur Browning Hut. Der definitiv schmalste Pfad ever führt komplett durch den Mt. Richmond Forest Park, Das Vorankommen ist schwierig, immer wieder versperren umgestürzte Bäume den Pfad. Das Umgehen der Hindernisse durchs dichte Farngestrüpp ist hart.
Alle Wanderpfade - zumindest was ich bisher gesehen habe - sind mit dem gleichen orangen Dreieck markiert. Wer da nicht achtsam ist, kann schon mal auf einem anderen Weg landen.

Es geht hoch und runter, sehr steil und ich bin dankbar um die Baumwurzeln. Sie haben sich zu wahren Stufen heraus entwickelt und erleichtern das Hinaufsteigen ungemein. Der ansonsten eher weiche Untergrund erschwert Halt zu finden. Meine Füße und ich werden ganz neue Freunde!
Es würde mich nicht wundern, wenn um die nächste Biegung ein Flugsaurier herangleiten tät 😀 das Gelände wäre passend. 

Ich muss recherchieren, habe so etwas wie ein kleines, fast schwarz Wildschwein gesehen und wilde Hornträger, aber keine Ahnung, was für Tiere das sind. Jedenfalls ein beliebtes Jagdrevier, also muss es wohl was geben.

11 Uhr Pause in der Browning Hut und gleich geht es weiter. Die Zeit fliegt dahin, während es an die ersten zu querenden Flusspassagen geht. Bei der zweiten schon nasse Füße, danach alle weiteren mit dicken Steinen sicher gemeistert 😊. 

Bin ich froh, dass das Wetter so super und der Wasserstand entsprechend niedrig ist. Den Browning River entlang geht es weiter zur Hacket Hut. Dort mache ich ein Mittagsschläfchen und dann geht es noch einmal 5 Std weiter zur Starfaell Hut. Um 19. 30 Uhr komme ich dort an. Zuerst ist Essen und Trinken angesagt. 
Außer mir keine Menschenseele weit und breit, allerdings Bewohner unter der Hütte. Wie ihr gemerkt habt, endlich wieder Handy Empfang, so dass Bilder und die Notizen zu euch gelangen können. Wie das die nächsten Tage weiter geht weiß ich nicht. Wenn es geht, sende ich, wenn nicht dann nicht 😊. Die Hütte ist wie alle sehr einfach, ihr seht es auf den Bildern. Jetzt Augen zu und erholsam schlafen.

Hier geht es zur Spendenseite


Ehe ich mich wieder auf den Weg mache noch ein Wunsch:

Eine Freundin fragte mich vor der Reise, wie das gehen soll mit dem „Kilometern kaufen und spenden“. Ich sagte, das mit den Kilometern sei ein Sinnbild.

Als ich aber die ersten Kilometer gegangen war und so an ihre Worte dachte, da kam mir der folgende  Gedanke: Ich widme die Kilometer 2-20 dieser lieben und sehr engagierten Pfarrerin. Sie tut so viel Gutes und ich bin schon auf dem Franziskusweg unter ihren Segenswünschen gut gepilgert.

Doch nach dem Kilometer 20 sind noch viele Kilometer übrig ich möchte den Lesern dieser Seite ganz persönlich diese restlichen 1380 Kilometer anzubieten. Wer also ein paar haben möchte, der schreibt mir:

„Andrea, ich mag zum Beispiel die Kilometer 35 - 40 und spende dafür“.
Schauen wir was wir gemeinsam tun können.

Alle Spender, von denen ich Kenntnis bekomme, werden auf der Homepage veröffentlicht (außer, jemand möchte das nicht). Gerne darf es auch eine Gruppe, Verein oder Firma sein. Ich freue mich auf jeden Kilometer, an dem ich da etwas mithelfen kann. um die genannten Einrichtungen zu unterstützen.

 Werde Teil des Ganzen....


26.11.2019 Wieder auf dem TA in den Richmond Ranges, Malborough Region

Ich bin die erste am Morgen. So sehr gut war der Schlaf leider nicht mit der verschnupften Nase und zwei Schnarchnasen in der Nachbarkoje obendrein. Ganz leise sein, das kann ich gut 😁. Frühstück und Katzenwäsche am Fluss, dann um 7 Uhr Abmarsch. Bin mir etwas unschlüssig, wie weit es heute gehen sollte. Die Hütten liegen zum Teil ungünstig von der Distanz her.

Na ja, erst mal auf den Weg, dann wird es sich schon irgendwie zeigen. Das Wetter auch einfach wieder traumhaft. Es geht gleich am Morgen mal über zwei Schwingbrücken und ich bin vor lauter Fotografieren auf den schwankenden Teilen beinahe seekrank geworden 😅. Hoch, runter und nicht wenige Höhenmeter führte der Weg bis zur nächsten Hütte (Middy Creek).

Nun musste ich mich langsam entscheiden. Ja, ich gehe in der Nähe von Wasser und wechsle deshalb den Weg. Nicht den TA weiter zur Rock Hut, sondern auf dem Pelorus Trail zur Roebuck Hut.

War der TA schon schmal, wird es nun noch schmäler. Kaum 2 Schuhe nebeneinander geht es die steilen Urwald Hänge entlang. Immer wieder steil hinauf, um dann wieder steil zur nächsten Schwingbrücke nach unten zu führen. Ein stetes, kräftezehrendes Auf und Ab. Überall uralte Baumleichen und der Pfad nicht selten von umgestürzten Bäumen versperrt. Der Weg wird zu einem Abenteuer erster Güte und an Natur kaum zu überbieten. Die riesigen Farne streichen mir über den Kopf, das Rauschen des Flusses tönt von unten herauf.

An einem Wasserlauf, der ohne Brücke zu queren ist, lasse ich mich für eine Pause nieder.
Plötzlich direkt neben mir ein Vöglein klein. Und es hat gleich auch noch den Freund mitgebracht. Sie sitzen beide da und breiten ihre Flügel in der Sonne aus. So schön ist das, dass ich gar nicht weiter will.

Gegen 15 Uhr erreiche ich die Roebuck Hut und freue mich nach den unzähligen Swingbridges auf das gemütliche „Beine still halten“. Ganz wundervoll liegt die Hütte da am Zusammenfluss zweier Flüsse, welche jeweils mit einer Schwingbrücke zu überqueren sind. Sie ist von außen verriegelt, also ist niemand drin. Beim Blick ins Gästebuch zeigt sich, dass das letzte Mal am Sonntag hier jemand übernachtet hat.
Ganz ehrlich, wegen mir muss niemand mehr kommen!

Wäsche gewaschen, Powerbank mit Solarstrom geladen, lecker Nudeln mit Fisch (😊 nein, der Fisch nicht selber gefangen). Das Bad im Fluss ist super erfrischend, denn der Tag war hitzig und schweißtreibend. So gestaltet sich der abentliche Alltag auf der Wanderung.
Jetzt ist es mittlerweile 19 Uhr und ich freue mich auf tiefen erholsamen Schlaf. Morgen früh um 4 Uhr ist die Nacht um ☺️.

(Anmerkung: Der Pelorius River Track wird als "herausfordernd" von der Nationalpark-Organisation bezeichnet, die auch den Te Araroa betreut. Er ist eine Variante des TA und führt anstelle über die Bergkämme den Fluß entlang. An der geräumigen Browning Hut trifft die Variante wieder auf den Hauptweg.)

25.11.2019, Tag 4, Pelorius River

Früh um 5.30 Uhr, die Sterne sind bereits dem Tageslicht gewichen und die Sonne kommt leicht rosa schimmernd über die Berge. Schnell ist das Müsli und der Kaffee bereitet und die Katzewäsche am Bächlein erledigt.

Es geht weiter, etwa 7 km trennen mich vom Ende des QCT und ein wenig Zivilisation wartet auf mich. Es ist so herrlich, in den Tag hinein zu wandern....

Ziemlich abrupt kommt man aus dem dichten Wald in die kleine Feriensiedlung Anakiwa, wo der Weg nun als Te Araroa weiter führt.Wegen der Erkältung bin ich in meinem Zeitplan etwas hinten dran. So entscheide ich, eine der wenigen Möglichkeiten der Anbindung an Straßen zu nutzen, um wieder nach vorne zu kommen.

Nachdem ich in in dem kleinen Ort Havelock Obst und Manuka Bonbons eingekauft und einen (richtigen) Kaffee getrunken habe, nimmt mich ein nettes Camperpaar mit. Es geht ruck zuck und ehe ich mich versehe, bin ich an der Pelorus River Bridge.

Von dort nach einer kurzen Rast, um die Einkäufe im Rucksack zu verstauen, weiter auf dem Te Araroa Weg. Eine Schotterstraße ohne Schatten führt in das Tal hinein und die Sonne knallt erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel. Auweia erklingt das innere Stimmchen und ermahnt mich. Kein Auto kommt diese Schotterstrasse entlang und die Aussicht auf weitere 12 staubig-heisse Kilometer wischte mir das Lächeln aus dem Gesicht. Keine Bank im Schatten, so wie die letzten Tage und ich denke: So ein „Queensweg“ verwöhnt ganz schön. Sicher ist die Aussicht auf das Flusstal beeindruckend, aber dennoch, Strassentrampeln ist nicht mein Ding.

Doch dann: Vor mich hin träumend dringt ein vertrautes Geräusch an mein Ohr. Drehe mich um und da kommt ein Motorrad des Weges. Stoppt neben mir und wir wechseln ein paar Worte bezüglich, woher, wohin und wozu 😉.

Ich frage ganz unverblümt, ob er mich ein Stück mitnehmen könne. Jupppp tat er und so kam ich auf echt deutscher BMW-Wertarbeit bis zum Einstieg in den wieder schmalen Pfad des Trails. Ein Foto zum Abschied mit meinem Trail Engel und ab in die Wildnis. Da erst merke ich, dass es ab jetzt ja überhaupt keinen Handy Empfang geben wird und vermutlich die nächsten Tage auch nicht.

Auweia und ich habe nix mehr von mir hören lassen zuhause.

Ich verdränge den Gedanken, denn es ändert ja nichts. Eine wirklich wilde Busch Wanderung beginnt, schmal der Pfad, zeitaufwendig, eben echter Urwald. Jeden Moment denke ich, es müsse plötzlich beim Blick nach oben ein Dinosaurier da stehen und vergnügt an den Blättern der riesigen Bäume kauen. Es fehlt nicht viel zu dieser Vorstellung. Wüsste ich nicht, dass es weder gefährliche noch giftige Tiere in Neuseeland gibt: bei diesem Anblick würde ich das niemals vermuten.

Der Pelorus River hat in seinem Verlauf ein paar schöne Badepools gebildet und es verlockt.

Niemals zuvor war ich nach einem Bad so schnell wieder angezogen. Diese Sandflies sind wahre Monster! Und ich weiß bereits jetzt, ich werde noch mehr mit ihnen zu tun bekommen. (Anmerkung: wer diese Tierchen nicht kennt, hat keine Vorstellung. Sie treten nicht wie in Deutschland in kleinen Gruppen auf, sondern es sind immer gleich Tausende oder Millionen. Und der Biss ist erheblich unangenehmer wie von deutschen Schnaken.)

Um 19 Uhr erreiche ich die Captain Creek Hütte. Zwei Paare, 1 Holländer und 1 Australier haben es sich in der 6 Kojen Hütte bereits gemütlich gemacht. Für mich ist zum Glück auch noch eine übrig. Wie üblich unter den sehr offenen Menschen auf dem TA wird gemeinsam gekocht und geräumt, erzählt und viel gefragt.

Trampers Midnight ist, wenn es dunkel wird ;-) und mit der Nacht kommt der Schlaf.

24.11.2019 Tag 3 auf dem QC-Trail  

Kaum hatten sich gestern Abend die diebischen Hühnchen zum Schlafen zurückgezogen, schien es, als lauerten schon andere Augen auf die kommende Nacht. Ich war sehr müde und schlief schnell ein. Zwei junge Franzosen hatten ihr Lager hinten im Wald aufgeschlagen. Ihre Rucksäcke jedoch ließen sie im Unterstand (Shelter).

Keine Ahnung wie lange ich geschlafen hatte, als ich jäh wach wurde, ein Gekeife und Gezanke neben mir im Dunkeln. Nun mit Opossums war zu rechnen, nur warum kriegen die sich ausgerechnet neben mir in die Wolle.

Ich schnappe mir also den Wanderstock und schlage Rabatz 😀. Es rumst und poltert, als die Opossums wieder aus dem Holzunterstand verschwinden.

Nach dem Erlebnis hieß es: weiterschlafen....

Gegen morgen dann, nachdem ich tapfer das Quartier verteidigt hatte, habe ich in der Dämmerung dann ein paar Fotos gemacht, um das Rätsel um den nächtlichen Lärm zu lüften. ….die Bilder kommen mit denen des ganzen Tages (sieh Bilder). Ein herrlicher Tag, lang mit 39000 Schritten schon gut gegangen. Inzwischen ist es 19 Uhr, habe gut gegessen und bin frisch gewaschen aus einem Wasserfall wieder heraus. Habe heute zum ersten Mal Wasser gefiltert und eben entschieden, dass ich zu müde bin, um noch 5 km zum nächsten Camp zu gehen. Ich bleibe hier am Weg mit hoffentlich freiem Blick in die Sterne. Das war vergangene Nacht schon wundervoll. Die Erkältung will noch anhänglich sein, ich gönne meinem Körper in diesem Fall etwas Gute. Ibuprofen und Parazetamol, das unterstützt die Regeneration und die Erkältung mags auch nicht. 

23.11.2019 Tag 2 auf dem Trail

Um 5 Uhr mit den Hühnern aufgestanden. Fühle mich schlapp und trotz aller Freude etwas niedergeschlagen von der Erkältung. Der Kaffee wird es richten, denke ich und ein lecker Müsli wird für einen guten Start sorgen. Neben mir ein metallenes Geräusch und als ich aus dem Zelt krabble, sehe ich, woher es rührt. Die Bauern hatten eine Falle aufgestellt und prompt ist ein junges diebisches Hühnchen („Weka“ genannt) hinein gegangen. Oh denk ich, muss das sein, menno! 

Kurzum, der Tag fängt gut an, obwohl der Kaffee nach Erkältung schmeckt und das Müsli kaum in mich rein wollte. 

6.30 Uhr Abmarsch, hinein in einen spannenden Tag. Ich bin im ganzen Leben noch nicht durch solchen Farnwald gegangen und habe noch nie so gewichtige, uralte Kiefern gesehen. Die Ausblicke den ganzen Tag über sind immer wieder traumhaft. 

Um 17 Uhr muss ich Schluss machen für heute, ich bin nicht fit. Zwischendurch musste ich schon 2 x ein Erholungsschlaf von je 30 Minuten einlegen. Inzwischen bin ich auf dem kleinen Campingplatz, auf dem nix außer Toilette und Wasser geboten ist.   

Bin ich satt und zufrieden, wenn auch sehr erschöpft. Ich merke und darum etwas langsamer machen, die Erkältung zieht Saft.   

Werde mich heute früh schlafen legen und dann wieder mit den Hühnern aufstehen. Der Ausblick hier ist so gigantisch, da bleibt das Zelt im Rucksack und ich schlafe auf der Terrasse 😊  


22.11.2019 Endlich unterwegs, erste Tag auf dem Queen Charlotte Trail

Die meisten namenhaften Tracks in Neuseeland haben Campsites und die Strecke wird regelmäßig frei gehalten von der Vegetation, Wegzeichen werden ausgebessert und umgestürzte Bäume aus dem Weg geräumt. Das alles kostet Geld, weswegen auch die Trails selbst Geld kosten. Es ist ein Permit notwendig und manchmal ist auch die Anzahl der Wanderer pro Tag begrenzt.
Zum Glück hat mir die Dame am Schalter den Preis für den Queen-Charlotte-Track in zwei Teile geteilt, so dass ich mit der (gesperrten) Kreditkarte bezahlen konnte
. Am Morgen habe ich mit dem Boot übergesetzt zum 

Erster Tag am Te Araroa Treck.

Bei zunächst etwas bewölktem Himmel ging es um 8 Uhr los mit dem Boot. Es war windstill und angenehm von der Temperatur - gut zum an Deck die Fahrt zu genießen.

10 Uhr dann Start an Ship Cove und dem James Cook Denkmal. Straff führt der Pfad gleich bergauf durch unglaublichen Urwald. Riesige Farne, Farnbäume sowie Baumpalmen, wovon nicht wenige über 200 Jahre alt sind. Ein Traumpfad beginnt....

Immer wieder begegnen mir die neugierigen Busch Hühner und ich freue mich. Am ersten Rastplatz, ich habe Hunger auf eine Suppe und packe munter den Rucksack aus, um ans Essen nebst Küche zu gelangen. Suppe gekocht und dann gegessen, derweil die Bilder von der Kamera auf das Handy gesendet. Netzverbindung gibt es keine, dafür das Zwitschern der Vögel und das Rauschen eines Baches.

Beim Zusammenpacken dann denke ich, warum liegt das Feuerzeug im Gras und wo bitte ist die orangene Hülle der Miniküche? Weg, einfach weg!

Da denk ich mir, hoppla das neugierige Huhn. Kann das sein, hmmmm..... Schau in die Büsche und was leuchtet mir aus den Dornen entgegen. Ja genau, der Beutel! So mache ich dann auch gleich noch die Bekanntschaft mit üblem Buschwerk.

In Afrika die diebischen Affen und hier das Busch Huhn, ist ja kaum zu glauben 😀

Der Traumpfad, dessen Verlauf ihr auf der Karte sehen könnt, ist unglaublich kurzweilig und ich wäre am liebsten ständig am Fotografieren. Gefühlt komm ich nur schleichend voran.

Gegen 17 Uhr führt der Weg am Ufer zu einem Bauernhof mit Campingplatz. Ich beschließe den Wandertag zu beenden. Bin dafür, dass es mir durch eine Erkältung nicht ganz so gut geht, zufrieden mit den 30170 Schritten 😉.

Nun, satt und zufrieden, liege ich lang im Zelt. Ohhhh so königlich nach einem Wandertag die Beine lang zu machen und einfach in die Entspannung zu gleiten.

Dies ist die erste Nacht in meinem Leichtgewicht-660g-Raumwunder-Tiny-House 😁.
Genießt die Bilder, sobald wieder Verbindung zur Außenwelt möglich ist. 

21.11.2019 Queen Charlotte Trail

Leider habe ich mich wohl erkältet auf dem Flug....der Sitznachbar. Was mich die nächsten Tage auf dem Weg erwartet, seht ihr auf dem Bild. Schwarz-rot ist der Trail.

Alles, was ich brauche steckt im Rucksack, der leider doch schwerer ist als ich gehofft hatte. Es ist, wie es ist und so, wie es ist soll es auch sein (sonst wäre es ja anders).

Ich freue mich auf meine  ersten Tag auf dem Trail. Das Wetter zeigt sich von seiner guten Seite und die kommenden Tage sieht es nach allerbestem Wanderwetter aus.

20.11.2019 Picton

Heute fahre ich mit dem sehr schönen Coastal Pacific Train und zuletzt dann per Fähre an den Ausgangspunkt des Te Araroa Fernwanderwegs. Von Picton ganz im Norden der Südinsel Neuseelands aus werde ich dann als erstes Teilstück der 66 km lange Queen Charlotte Trail gehen. Er ist als gut markiert und einfach zu gehen eingestuft. Die anderthalb Tage in Christchurch waren wichtig, aber nun brenne ich darauf, mit meinen Wanderschuhen durch das Malborough County zu schreiten.

19.11.2019 Christchurch

8:30 Uhr in Neuseeland, 20:30 in Deutschland - und dennoch hat sich jemand von der Volksbank gemeldet - leider ist das Problem mit der Keditkarte nicht gelöst worden, so dass Plan B nun greift.

Gestern muß in der Früh ein Tornado durch die Stadt gezogen sein und etliche Schäden verursacht haben. Mehr dazu siehe hier: 

https://www.nzherald.co.nz/nz/news/video.cfm?c_id=1&gal_cid=1&gallery_id=214177


18.11.2019 Christchurch

Der Flug verlief problemlos, die Zwischenstopps waren spannend. Dann Einreise nach Neuseeland mit intensiver Zollkontrolle. Und danach...gings gleich ins Gefängnis!

....nein, keine Sorge, nicht in ein aktives Gefängnis, sondern in die "Jailhouse Accomodation" ;-)

Wetter ist fabelhaft und einen Tag habe ich zur Akklimatisierung, bevor es auf den Track geht.

Das kann passieren 

Nachdem ich gut in Neuseeland angekommen bin, müssen natürlich noch einige Dinge eingekauft werden, die ich nicht im Flieger mitnehmen wollte oder konnte. Doch als ich mit der Kreditkarte bezahlen will, taucht ein erstes Problem auf: ich habe wohl nicht die passende PIN-Nummer dabei. Nach drei vergeblichen Versuchen stehe ich nun etwas hilflos mit meinen paar getauschten Neuseeland-Dollars da. Nun hoffe ich, dass meine Bank die Karte wieder freischalten kann.
Ist zwar ärgerlich, aber notfalls gibt es bereits einen Plan B. 

Wo ich übernachte

Das 1874 erbaute Gebäude der "Jailhouse Accommodation" in Christchurch ist tatsächlich ein ehemaliges Gefängnis. Es wurde zu einer Art Jugendherberg umgewandelt und bietet mir Schlafgelegenheit für zwei Nächte inklusive grob gespiebte Luft.   


Die Welt ist klein


Meine "Zelle" teile ich mit Sarah aus Neuseeland. Und wie es der Zufall will, gibt es ein verbindendes Element: sie hat 8 Jahre in Heidelberg gewohnt und hilft mir über die sprachlichen Hürden, die das Englisch in Neuseeland so mit sich bringt.


17.11.2019 Abflug

Pünktlich um 18:05 Uhr hebt der Langstreckenflug LH 728 aus dem kalt-nassen Frankfurt ab. Die nächsten 12 Stunden bis Shanghai werde ich überwiegend sitzen.


15.11.2019 - noch zwei Tage bis zum Abflug

Start auf dem Trail ist der 21.11.2019. Anderthalb Tage Vorbereitung und Akklimatisierung in Christchurch nutze ich, um letzte Vorbereitungen zu treffen. Das betrifft vor allem auch kleine Versorgungsdepots postlagernd entlang des Weges zu verschicken.
Ab Donnerstag kommender Woche verwandle ich mich dann in einen "Tramper" - so werden die Wanderer auf den Trails in Neuseeland genannt.


12.11.2019, Schönbrunn, noch 5 Tage

„Den Flüssen folgend, so kann man den nächsten Wander-Abschnitt beschreiben :-)“

Von Havelock aus geht es den Pelorus River entlang und dann durch abwechslungsreiche Wildnis und Bergland (Rintoul Track) nach St. Anaud. Dort nehme ich nach ca. 12 Wandertagen mein erstes Paket mit Verpflegung in Empfang. Ein Bett im Hostel lies sich nicht mehr buchen, alles voll und so hoffe ich zumindest auf einen Platz auf dem Campingplatz. Ein wenig Zivilisation nach den langen Tagen im Busch wird sicher gut tun.

Von Saint Anaud aus geht es, mit einem wieder schweren, voll mit Lebensmittel gepackten Rucksack weiter. Entlang des Lake Rotoiti und danach dem Travers River folgend. Über den Travers Saddle mit 1787 m und hinunter zum Sabine River, diesem folgend zum Lake Constance.

Ein Flusstal wechselt ins Nächste und vermutlich werden meine Füße auf diesem Abschnitt gut gewaschen werden. Immer wieder gilt es Flüsse zu furten und nur wenige sind mit Brücken, so genannten Swingbridges, versehen.

Boyle Village ist die nächste kleine Ansiedlung von Häusern. Voraussichtlich werde ich dort am 9.12. vorbei wandern, so ich mich in etwa an meine Vorplanung halten kann.

Weiter geht es auf dem Hope Kiwi Track, das Hope River Tal entlang. Dann Wechsel auf den Harper Pass Track und hinein in die spektakuläre Landschaft der Southern Alps.

Sechs Tage nach der kleinen Siedlung erreiche ich hoffentlich wohlbehalten Arthur's Pass, um dort mein zweites Paket Verpflegung entgegen zu nehmen. Vielleicht habe ich Glück und erwische irgendwo ein Bett und etwas Gesellschaft in dem kleinen Ort am höchsten Pass (920 m) der Südalpen.

 04.11.2019 Ein kleiner Einblick in die Vorbereitungen

Frische Lebensmittel sind das, was am meisten zu kurz kommen wird während dieser langen Wanderung. Da bleibt nichts anderes übrig als ein wenig mit Nahrungsergänzung nachzuhelfen. Der Bedarf über so viele Tage und der doch recht hohen Kalorien- und Vitaminverbrauchs ist schwer zu decken. Frische Lebensmittel haben ein hohes Eigengewicht und da ich mein eigener Esel :-) bin und keinen weiteren Träger zur Seite habe, heisst es wohl überlegt packen und die Wahl sehr bewusst zu treffen.

  • Was befindet sich in meinem Futtersack :-) …. die mitgeführte Küche wiegt zuzüglich einem Gaskocher nur sagenhafte 80 Gramm, dazu ein Titantopf der 1100ml fasst und mir zur Bereitung von kochendem Wasser dient. Eine Brotdose als Teller sowie für eventuelle Frischkost zu r Aufbewahrung. Löffel, Messer und Gabel. Feuerzeug, Gaskartusche, kleines Mikrofasertuch zur Reinigung, Wasserfilter zum entkeimen jeglichen Trinkwassers.

Nahrung:

Da gilt es die Einfuhrbestimmungen des Landes zu beachten. 10 kg höchstens. Alle Lebensmittel müssen industriell verschweißt sein und ein entsprechend langes Haltbarkeitsdatum aufweisen. Zudem muss das gesamte Gepäck aufgelistet sein.

  • Riegel in verschiedenen Geschmacksrichtungen.
    Müsli und Porridge.
    Studentenfutter, Fertiggrießbrei (nur Wasser drauf).
    Kartoffelbrei, Fertignudelgerichte, Kaffee und Tee, Milchpulver, Nahrungsergänzung, Gemüsebrühe, Reiswaffeln, Knäckebrot, Erdnussbutter, Nudeln und ….. was Süßes.

So ganz hab ich es noch nicht durchgeplant, jedenfalls hält sich die Vielfalt in sehr überschaubaren Grenzen.

Wenn ich schon mal dran bin, kann auch gleich die Packliste hier verinnerlicht werden.

  • Ultraleichtes Zelt, Zelt wegen Moskitonetz dem Tarp vorgezogen.
    Schafsack Daune mit Temperatur Bereich comfort von 3 bis 8 Grad.
    Rucksack 70 L. Verschiedene leichte wasserdichte Packbeutel für alle Utensilien.
    Solarladepaneel, Powerbank, GPS Garmin, Handy, Ladegerät, Kamera, kleines Stativ, Ersatzakkus, Stirnlampe, Erste Hilfe Set, Wanderstöcke, Wasserbeutel, Notizheft und Stift, Brille, Sonnenbrille und und und....
  • Schuhe

    Eine der schwersten Entscheidungen, denn Schuhe entscheiden maßgeblich darüber, wie sehr man auf solch einer Wanderung leidet. Leicht sollten sie sein, dauerhaft wasserdicht und dabei eine gute Führung und Stabilisierung bieten. Immerhin drücken weit über 10 kg Rucksackgewicht zusätzlich auf die Füsse - Umknacksen sollte man da besser nicht. So wurde die Suche nach dem besten Schuh trotz einer ordentlichen Auswahl gut eingelaufener Schuhe langwierig. Nichts schlimmer, wie ständig Blasen an den Füssen oder von Feuchtigkeit schwere Schuhe.


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Über mich

Mein Name ist Andrea Dorner-Schölch und ich bin 57 Jahre jung.

Vor vierzig Jahren verschlug es mich von meiner Heimat Lahr im Südschwarzwald in den Odenwald und zur Johannes Diakonie, die zu meiner beruflichen Heimat wurde. Die ausgedehnten Wälder und steilen Täler entlang des Neckars (zum Beispoel der 127 km lange Neckarsteig von Heidelberg bis Bad Friedrichshall) wurden zu meiner Wanderheimat und inspirierten mich schließlich dazu, den Schritt von den Tageswanderungen zu Trailrunning und Weitwandern zu machen.

Das Weitwandern betreibe ich erst seit 10 Jahren, nachdem meine beiden Söhne ihr eigenes Leben zu leben begonnen hatten. In diesen zehn Jahren habe ich viel gelernt, was bei einer solch langen Wanderung notwendig ist. Vor allem auch, wie man richtig läuft, so dass die fast ununterbrochene Belastung nicht zur Last wird. Insofern bin ich guten Mutes, die Wanderung bis zum Ende zu schaffen.

Freuen tue ich mich auch auf Bekanntschaften, die sich auf solch einem Weg fast von selbst ergeben. Immer wieder trifft man auf solchen Fernwanderwegen Menschen, die aus den unterschiedlichsten Motiven diese Art des Erlebens gewählt haben. Ich bin gespannt....


Über den Te Araroa - Erlebnisse und Eindrücke

Schon vor unserer Haustüre locken wunderschöne Langstreckenwanderwege. Regionale Weitwanderwege können ausgedehnt werden zu Europäischen Fernwanderwegen. Die Überquerung der Alpen gilt als eines der Highlights jedes Wanderers hier in Europa.

Weltweit gibt es eine ganze Menge Weitwanderwege. Im Osten Amerikas entführt der Appalachian Trail Wanderer für 3.500 km in die dortigen Wälder und Landschaften. Der Kungs Leden führt 800 km quer durch den Norden Schwedens und der Pembrokeshire Coast Path in Südengland ist mit 300 km für manche nur ein Spaziergang, obwohl er reich an landschaftlicher Schönheit ist.

Rund 18.000 km entfernt von Europa liegt das wohl europäischste Land der Welt: Neuseeland. Genau 12 Zeitzonen trennen Europa von diesen beiden Inseln, die einsam 2.000 km vor der Südküste Australiens in der Tasmanischen See liegen. 1642 von dem Reise-Pionier Abel Tasman entdeckt, ist die Inselgruppe heute Ziel vieler Wanderer. Gilt doch die Natur Neuseelands noch als ursprünglich und in weiten Bereichen naturbelassen.

Für Weitwanderer erfüllte sich 2011 ein lang gehegter Wunsch: Neuseeland verband etliche Fernwanderwege zu einem durchgehenden Weitwanderweg. Sein Name ist Motto: Te Araroa bedeutet „Der lange Weg“. Auf 3030 km durchquert der durchgehend markierte Wanderweg von Cape Reinga im Norden bis Bluff im Süden die beiden Inseln.

Dabei ist der Te Araroa alles andere als ein gut mit Infrastruktur versorgter Weg, wie man ihn zum Beispiel im Eifelsteig oder dem Rothaarsteig findet. Oft ist man tagelang weit ab der Zivilisation unterwegs. Daher muß alles, was man unterwegs benötigt, dann selbst getragen werden. Selbst mit modernen Hilfsmitteln wie sehr leichten Zelten, Kochgeschirr, Funktionskleidung wird der Rucksack schnell sehr schwer. Da es auf dem Te Araroa permanent auf und ab geht, hat man einen hohen Energiebedarf. Lebensmittel für 8 Tage müssen also leicht und dennoch nahrhaft und energiereich sein. Zur Wasserversorgung habe ich mich für eine Filterpumpe entschieden, denn ausreichend Wasser ist eindeutig eines der schwersten Gewichte im Rucksack.  

Nach zwei Überquerungen der Alpen, einer Streckenwanderung quer über die Lofoten und der Begehung des sehr schönen Weitwanderwegs Laugarvegur in Island weiß ich, dass die ersten vier bis fünf Tage hart werden. Das Gewicht des Rucksacks verhindert zunächst, dass man die angestrebten 25-30 Kilometer jeden Tag erreicht.

Meine Entscheidung, den Te Araroa alleine zu wandern, habe ich bewusst gefällt. Wer allein läuft, kann sein eigenes Tempo laufen und so viele Pausen einlegen, wie er mag. Man wird nicht abgelenkt und kann bei allen Entscheidungen nur sein eigenes Wohlbefinden und Budget im Blick behalten. Wer allein läuft, ist jedoch im Falle von Komplikationen dann auch komplett auf sich allein gestellt. Oft gibt es keine Handy-Verbindung, so dass man keine Hilfe rufen kann, wenn man sich verletzt. Also lieber langsamer und vorsichtig. Besondere Herausforderung sind dabei die vielen Flußüberquerungen, denn es gibt bei weitem nicht überall Brücken. Meine beiden Wanderstöcke werden mir da hoffentlich immer helfen, aufrecht zu bleiben.

Spätestens nach zwei Wochen muß dann aber auch immer wieder ein Besuch in der Zivilisation eingelegt werden. Die Wäsche und der ganze Wanderer müssen mal wieder gereinigt werden. Und die Füsse dürfen auch mal einen Tag Ruhe genießen. Nicht überall konnte ich ein Hostel vorbuchen, so dass ich auf dem Weg entscheiden muß, wo und wann ich eine solche Pause einlegen kann.

Überhaupt werden viele Entscheidungen erst vor Ort getroffen, denn Wetter, Zustand des Weges, Versorgungssituation und körperliches Befinden können schnell einen vorgenommen Plan über den Haufen werfen. Dennoch gehe ich datürlich nicht unvorbereitet durch dieses Abenteuer. Weitwandern ist schon mein ganzes Leben eine Leidenschaft.







Neben den ausgebauten Weitwanderwegen verbinden "Routes" als Bindungsglied diese zu dem Fernwanderweg Te Araroa. Sie sind nur leidlich markiert und gepflegt, meist ist es dem Orientierungssinn des Wanderers überlassen, wie er den richtigen Weg findet. Ausserdem müssen auf der Südinsel über 200 größere Bäche und Flüsse gequert werden - die meisten davon ohne Brücke.

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